TV-Tipp für den 1. Mai: Ein Ort für die Ewigkeit

April 30, 2010

NDR, 00.15

Ein Ort für die Ewigkeit (GB 2008, R.: Daniel Percival)

Drehbuch: Patrick Harbinson

LV: Val McDermid: A Place of Execution, 1999 (Ein Ort für die Ewigkeit)

1963 verschwand eine 13-jährige aus einem 20-Seelen-Ort. Ihr Stiefvater wurde als ihr Mörder gehängt. Als heute eine Journalistin eine Doku über den alten Fall drehen will, stößt sie auf unerwartete Probleme und beginnt genauer zu recherchieren.

BBC-Verfilmung des Dagger-nominierten Werkes von McDermid.

Juliet Stevenson erhielt für ihre Rolle einen Dagger und das Drehbuch erhielt den diesjährigen Edgar als bester Kriminalfilm.

mit Lee Ingleby, Guy Manning, Juliet Stevenson

HInweise

Homepage von Val McDermid

Deutsche Homepage von Val McDermid

Wikipedia über Val McDermid (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Val McDermid

Advertisements

Die Edgar-Gewinner 2010

April 30, 2010

Die glücklichen Gewinner der diesjährigen, von der Mystery Writers of America vergebenen Edgars sind:

BEST NOVEL

The Last Child (Das letzte Kind) von John Hart (Minotaur Books)

nominiert

The Missing von Tim Gautreaux (Random House – Alfred A. Knopf)

The Odds von Kathleen George (Minotaur Books)

Mystic Arts of Erasing All Signs of Death (Das Clean-Team) von Charlie Huston (Random House – Ballantine Books)

Nemesis von Jo Nesbø, übersetzt von Don Bartlett (HarperCollins)

A Beautiful Place to Die von Malla Nunn (Simon & Schuster – Atria Books)

BEST FIRST NOVEL BY AN AMERICAN AUTHOR

In the Shadow of Gotham von Stefanie Pintoff (Minotaur Books)

nominiert

The Girl She Used to Be von David Cristofano (Grand Central Publishing)

Starvation Lake von Bryan Gruley (Simon & Schuster – Touchstone)

The Weight of Silence von Heather Gudenkauf (MIRA Books)

A Bad Day for Sorry von Sophie Littlefield (Minotaur Books – Thomas Dunne Books)

Black Water Rising von Attica Locke (HarperCollins)

BEST PAPERBACK ORIGINAL

Body Blows von Marc Strange (Dundurn Press – Castle Street Mysteries)

nominiert

Bury Me Deep von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Havana Lunar von Robert Arellano (Akashic Books)

The Lord God Bird von Russell Hill (Pleasure Boat Studio – Caravel Books)

The Herring-Seller’s Apprentice von L.C. Tyler (Felony & Mayhem Press)

BEST FACT CRIME

Columbine von Dave Cullen (Hachette Book Group – Twelve)

nominiert

Go Down Together: The True, Untold Story of Bonnie and Clyde von Jeff Guinn (Simon & Schuster)

The Fence: A Police Cover-Up Along Boston’s Racial Divide von Dick Lehr (HarperCollins)

Provenance: How a Con Man and a Forger Rewrote the History of Modern Art von Laney Salisbury und Aly Sujo (The Penguin Press)

Vanished Smile: The Mysterious Theft of Mona Lisa von R.A. Scotti (Random House – Alfred A. Knopf)

BEST CRITICAL/BIOGRAPHICAL

The Lineup: The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives, herausgegeben von Otto Penzler (Hachette Book Group – Little, Brown and Company)

nominiert

Talking About Detective Fiction von P.D. James (Random House – Alfred A. Knopf)

Haunted Heart: The Life and Times of Stephen King von Lisa Rogak (Thomas Dunne Books)

The Talented Miss Highsmith: The Secret Life and Serious Art of Patricia Highsmith von Joan Schenkar (St. Martin’s Press)

The Stephen King Illustrated Companion von Bev Vincent (Fall River Press)

BEST SHORT STORY

Amapola” (in Phoenix Noir) von Luis Alberto Urrea (Akashic Books)

nominiert

Last Fair Deal Gone Down” (in Crossroad Blues) von Ace Atkins (Busted Flush Press)

Femme Sole” (in Boston Noir) von Dana Cameron (Akashic Books)

Digby, Attorney at Law” (in Alfred Hitchcock Mystery Magazine) von Jim Fusilli (Dell Magazines)

Animal Rescue” (in Boston Noir) von Dennis Lehane (Akashic Books)

BEST JUVENILE

Closed for the Season von Mary Downing Hahn (Houghton Mifflin Harcourt Children’s Books)

nominiert

The Case of the Case of Mistaken Identity von Mac Barnett (Simon & Schuster Books for Young Readers)

The Red Blazer Girls: The Ring of Rocamadour von Michael D. Beil (Random House Children’s Books – Alfred A. Knopf)

Creepy Crawly Crime von Aaron Reynolds (Henry Holt Books for Young Readers)

The Case of the Cryptic Crinoline von Nancy Springer (Penguin Young Readers Group – Philomel Books)

BEST YOUNG ADULT

Reality Check von Peter Abrahams (HarperCollins Children’s Books – HarperTeen)

nominiert

If the Witness Lied von Caroline B. Cooney (Random House Children’s Books – Delacorte Press)

The Morgue and Me von John C. Ford (Penguin Young Readers Group – Viking Children’s Books)

Petronella Saves Nearly Everyone von Dene Low (Houghton Mifflin Harcourt Children’s Books)

Shadowed Summer von Saundra Mitchell (Random House Children’s Books – Delacorte Press)

BEST TELEVISION EPISODE TELEPLAY

Place of Execution” Drehbuch von Patrick Harbinson (PBS/WGBH Boston)

nominiert

Strike Three” (The Closer), Drehbuch von Steven Kane (Warner Bros TV for TNT)

Look What He Dug Up This Time” (Damages), Drehbuch von Todd A. Kessler, Glenn Kessler & Daniel Zelman (FX Networks)

Grilled” (Breaking Bad), Drehbuch von George Mastras (AMC/Sony)

Living the Dream” (Dexter), Drehbuch von Clyde Phillips (Showtime)

ROBERT L. FISH MEMORIAL AWARD

A Dreadful Day” (in Alfred Hitchcock Mystery Magazine) von Dan Warthman (Dell Magazines)

GRAND MASTER

Dorothy Gilman

RAVEN AWARDS

Mystery Lovers Bookshop, Oakmont, Pennsylvania

Zev Buffman, International Mystery Writers’ Festival

ELLERY QUEEN AWARD

Poisoned Pen Press (Barbara Peters & Robert Rosenwald)

THE SIMON & SCHUSTER – MARY HIGGINS CLARK AWARD

(Presented at MWA’s Agents & Editors Party on Wednesday, April 28, 2010)

Awakening von S.J. Bolton (Minotaur Books)

nominiert

Cat Sitter on a Hot Tin Roof von Blaize Clement (Minotaur Books)

Never Tell a Lie von Hallie Ephron (HarperCollins – William Morrow)

Lethal Vintage von Nadia Gordon (Chronicle Books)

Dial H for Hitchcock von Susan Kandel (HarperCollins)

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!


Kristof Kryszinski und die beiden Rotzlöffel

April 30, 2010

Ein alter Mann mit einer Lidl-Tüte schlurfte vorbei, ohne sich groß an dem Toten oder den beiden Leichenfledderern zu stören. Ein tätowiertes Pärchen mit einem Kinderwagen hingegen hielt an, drehte den Wagen so, dass der Kleine einen guten Blick hatte, und stand dann mit hängenden Liedern und Kiefern einfach da und glotzte.

Manche Stadtviertel versprühen einen solch unnachahmlichen Charme, dass man sich insgeheim fragt, wann wohl die Touristenbusse anrollen.“

Die vor Kristof Kryszinski aufgeschlagene Leiche ist sein Vorgänger: der Hausmeister des Mühlheimer Wohnpark Nord und Privatdetektiv Kryszinski soll undercover herausfinden, wer in diesem sozialen Brennpunkt für die Einbrüche verantwortlich ist. Eine Bürgerwehr hat sich auch schon gegründet. Die üblichen Verdächtigen lungern ebenfalls in dem Sozialbau herum. Kryszinskis Tarnung fliegt, obwohl er gewissenhaft seinen Pflichten als Hausmeister nachkommt und sich von den im Wohnblock lebenden Frauen verköstigen lässt, schnell auf. Aber das ist auch nicht so schlimm. Denn Kryszinski erwischt ungewohnt schnell die beiden titelgebenden, an der Schwelle zur Pubertät stehenden Rotzlöffel Yves und Sean Kerner mit dem Diebesgut in ihrem Kellerversteck und, weil deren Eltern grandiose Vorbilder für einen mustergültigen Fall von schwerer Kindesvernachlässigung sind, werden die beiden Zwillinge sofort in eine Pflegefamilie gesteckt. Im benachbarten Luxemburg.

Eigentlich könnte Kryszinski jetzt sein Honorar einstreichen. Aber er sieht sich noch einmal die Fakten an und er ist sich sicher, dass er verarscht wurde. Die beiden Rotzlöffel Yves und Sean sind als Täter einfach zu perfekt. Er will seinen Fehler wiedergutmachen und fährt nach Luxemburg. Aber die Pflegeeltern wollen ihn nicht zu den Jungs lassen. Als Kryszinski sich etwas umhört, erfährt er, dass die nach außen ach so honorige und um das Wohl der Schutzbefohlenen sehr besorgte Pflegefamilie nicht ganz koscher ist.

Erfahrene Krimileser können sich spätestens jetzt denken – auch weil der Klappentext es schon verrät -, womit die Pflegefamilie ihr Geld verdient.

Das ist nicht so schlimm, wie Spoiler-Hasser jetzt vielleicht befürchten. Denn die Kristof-Kryszinski-Krimis von Jörg Juretzka werden in erster Linie wegen der schnoddrig-lakonischen Sprache und dem saloppen ignorieren jeder Anwandlung politischer Korrektheit gelesen.

Denn obwohl sein eher glückloser Detektiv Kryszinski dieses Mal tief im Milieu der Sozialhilfeempfänger ermittelt und er versucht, zwei benachteiligten Kindern zu helfen, gibt es in „Rotzig & Rotzig“ kein Betroffenheitsgesülze, keine sozialdemokratischen Anklagen gegen die böse Gesellschaft und auch keine Hilferufe nach dem Staat. Das alles bleibt dem sonntäglichen „Tatort“ vorgehalten.

Bei Juretzka wird sich dagegen durchgeschlagen und die beiden Rotzlöffel haben dann auch ihre ganz eigene Ansicht zu der von Kryszinski letztendlich erfolgreich veranstalteten Rettungsaktion.

Jörg Juretzka: Rotzig & Rotzig

Rotbuch, 2010

256 Seiten

16,95 Euro

Hinweise

Krimi-Couch über Jörg Juretzka

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Jörg Juretzka

Kaliber .38 interviewt Jörg Juretzka (2002)

Literaturschock interviewt Jörg Juretzka (2003)

Alligatorpapiere: Befragung von Jörg Juretzka (2004)

2010LAB interviewt Jörg Juretzka (2010)

Meine Besprechung von Jörg Juretzkas „Bis zum Hals“


TV-Tipp für den 30. April: Lucky Luciano

April 30, 2010

WDR, 23.15

Lucky Luciano (I/F 1973, R.: Francesco Rosi)

Drehbuch: Francesco Rosi, Lino Jannuzi, Tonino Guerra

Material/Buch zum Film: Lino Jannuzzi, Francesco Rosi: Lucky Luciano, 1973

Überzeugendes Biopic über den Mafiosi Salvatore “Lucky” Luciano.

Mit Gian Maria Volonté, Rod Steiger, Charles Siragusa, Edmond O’Brien

Hinweise

Wikipedia über Lucky Luciano (deutsch, englisch)

Wikipedia über Francesco Rosi (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Francesco Rosi

Cinémathèque über Francesco Rosi

The Hollywood Reporter interviewt Francesco Rosi (14. Februar 2008)

Movie-College interviewt Francesco Rosi (2001)


Ein Blick in fremde Welten

April 29, 2010

Beginnen wir mit dem großen Minuspunkt von Joachim Körbers „Das bekannte Fremde“: dem Inhaltsverzeichnis. Es sind nur die Titel abgedruckt. Dabei wären einige weitere Informationen schon gut.

Also muss ich es hier machen:

Teil 1: Leute

Das bekannte Fremde (über Ursula K. Le Guin)

Was ist Wahrheit? (über Philip K. Dick)

Die Frau im Mond (über Thea von Harbou)

Der Prophet des Untergangs (über J. G. Ballard)

Teil 2: Bücher

Guter Autor – böser Autor (über „Desperation“ von Stephen King und „The Regulators“ von Richard Bachman)

Wider den billigen Nervenkitzel (über „Der Gedankenleser“ von Gunter Gross)

Die Welt stinkt (über „Gegen die Welt, gegen das Leben“ von Mchel Houllebecq)

Tanz im anderen Wind (über „Rückkehr nach Erdsee“ von Ursula K. Le Guin)

Mit dem Vorschlaghammer dem Leser eins in die Fresse“ (über „Ein amerikanischer Thriller“ und „Ein amerikanischer Albtraum“ von James Ellroy)

It’s hard to be a king (über „Bote der Nacht“ von Dean Koontz)

Brave New World Revisted (über „Die Enteigneten“ von Ursula K. Le Guin)

Teil 3: Themen

Raumpatrouille Orion (Ähem, das ist selbsterklärend.)

Ein Krieg wird kommen (über die Verquickung von militärischen Entwicklungen und Science-Fiction, unter besonderer Berücksichtigung der Verbindungen zum völkischen Denken)

Manche mögen’s kalt (über die Welteislehre oder Glazial-Kosmogonie und ihre Beliebtheit bei den Nazis)

Das Ende der Zukunft? (ein Essay über die Wichtigkeit von Visionen)

Herr Roland kam zum finstern Turm… (über Stephen Kings Saga vom Dunklen Turm)

Proletarier im Fantasy-Land (Abschließendes zu Fafhrd und dem Grauen Mausling – und dem Werk von Fritz Leiber und seiner Bedeutung)

Von Mäusen und Menschen oder Spiegelungen in einem dunklen Glas (über Susan Palwicks „Das Schicksal der Mäuse“ und Daniel Keyes‘ „Blumen für Algernon“)

Der James Bond des neuen Jahrtausends (vor allem über „Casino Royale“)

J. G. Ballard und die Erinnerungen an das Raumfahrtzeitalter (über J. G. Ballard und seine ganz wenigen Schriften zur Mondlandung)

Die meisten Texte sind in den vergangenen Jahren an verschiedenen Orten, wie Jungle World, Mephisto und Alien Contact, erschienen und für Hardcore-Krimifans nicht sonderlich interessant. Aber wer einen etwas weiteren Blick hat, wird viele Perlen finden. Dazu gehören die Rückblicke in die Geschichte der phantastischen Literatur in den Aufsätzen „Ein Krieg wird kommen“ und „Manche mögen’s kalt“. Sie beschäftigen sich vor allem mit dem deutschen Weg in der Verbindung zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen (die sich teilweise als Unfug herausstellten), populären Zukunftsromanen, völkisch-faschistischem Denken und ihren Nachwirkungen nach 1945.

In „Das Ende der Zukunft“ spricht Körber sich für eine überfällige Wiederkehr von Visionen aus:

Wir, als Volk, als Bürger, haben ein Recht auf Utopien und Visionen, und es ist Aufgabe von Politik, Wissenschaft und Kunst, sie uns zu geben. Welche Folgen Politik ohne Visionen haben kann, das führt uns der aktuelle Zustand des Staates und seiner Regierung jeden Tag vor Augen.“

Mit den Texten über Ursula K. Le Guin konnte ich weniger anfangen. Aber das liegt – weil ich kein Fantasy-Fan bin – vor allem daran, dass ich von Le Guin, außer ihrem Schreibratgeber „Kleiner Autoren-Workshop“, nichts gelesen habe. Die Texte über Ballard, Dick, Ellroy, King, Koontz und von Harbou bieten lesenswerte Einblicke in das Leben und Werk der Autoren.

Ein wiederkehrendes Thema der von Körber für diesen Sammelband zusammengestellten Texte ist das Verhältnis von vertrauter und fremder Welt. Diese kann auf anderen Planeten, in der Zukunft, in der Gegenwart oder in unserer Psyche liegen.

Joachim Körber ist Verleger (unter anderem die Edition Phantasia und kuk), Übersetzer (unter anderem Stephen King, Max Brooks, Neal Stephenson und Dan Simmons), Autor (unter anderem „Wolf“) und einer der deutschsprachigen Experten im Bereich der phantastischen Literatur. Dass er nebenbei in der Edition Phantasia auch eine kleine, feine Krimireihe pflegt, macht ihn nur noch sympathischer.

Joachim Körber: Das bekannte Fremde – Schriften zur Phantastik (nebst einigen anderen)

kuk, 2010

240 Seiten

20 Euro


TV-Tipp für den 29. April: Frenzy

April 29, 2010

Arte, 20.15

Frenzy (GB 1972, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Anthony Shaffer

LV: Arthur La Bern: Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square, 1966 (Frenzy)

Ein Frauenmörder versetzt ganz London in Panik. Die Polizei tappt im Dunkeln. Und ein Unschuldiger kennt den richtigen Täter: seinen besten Freund.

Oder in Hitchcocks Worten: „Frenzy ist die Geschichte eines Mannes, der impotent ist und sich deshalb durch Mord ausdrückt.“

Hitchcocks vorletzter Film, seine Rückkehr nach London und seine Rückkehr in die Kritikerherzen, nachdem er seit „Die Vögel“ (1963) nichts wirklich weltbewegendes präsentierte. Zum Beispiel: „wunderbar komisches Drehbuch“ (New York Times), „Der strahlende Beweis, dass jeder, der einen spannenden Film macht, immer noch ein Lehrling dieses Meisters ist“ (Time Magazine), „Frenzy ist das reine Hitchcock-Festival“ (Harris/Lasky) – Ich konnte diese Euphorie nie teilen. Denn alle Beziehungen sind steril oder enden mit Mord. „Frenzy ist bis zum letzten Bild eine hermetische und kalt negative Vision des menschlichen Daseins.“ (Donald Spoto)

Mit Jon Finch, Barry Foster, Barbara Leigh-Hunt

Wiederholung: Montag, 3. Mai, 00.40 Uhr (Taggenau!))

Hinweis

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


D. B. Blettenberg enthüllt „Murnaus Vermächtnis“

April 28, 2010

Was hat D. B. Blettenberg in den letzten Jahren getan? Seit seinem Südafrika-Krimi „Land der guten Hoffnung“ vergingen vier Jahre.

Mit „Murnaus Vermächtnis“ liegt jetzt die Antwort vor. Blettenberg hat mit gut sechshundert Seiten sein bislang umfangreichstes Werk geschrieben.

In dem Abenteuerroman soll in Ghana der deutschstämmige Tourguide Victor Voss den seltsam blass aussehenden Albin Grau nach Ho begleiten. Schon vor der Abfahrt häufen sich die seltsamen Ereignisse. Aus Voss‘ Auto wird seine Sporttasche und ein Minisarg gestohlen. Fledermäuse wecken ihn aus einem alptraumhaftem Schlaf. Als Voss sich über seinen seltsamen Kunden erkundigt, erfährt er, dass er kein Spiegelbild hat.

Außerdem ist Grau ein Murnau-Fan und die Fahrt hat etwas mit dem verstorbenen Stummfilmregisseur, der mit der Dracula-Variante „Nosferatu“ einen Klassiker des Horrorfilms drehte, zu tun. Die Zeichen für kommende Katastrophen sind unübersehbar.

Aber bevor Voss und Grau das Ziel ihrer Fahrt erreichen, wird Grau nachts in seinem Hotelzimmer ermordet. Jemand hat ihm eine dreizackige Wunde in die Halsschlagader gestochen (oder gebissen?) und verbluten gelassen.

Kurz darauf wird Voss‘ mütterliche Freundin Vera ermordet. Voss will jetzt herausfinden, warum Grau und Vera ermordet wurden und was das alles mit Friedrich Wilhelm Murnau zu tun hat.

In „Murnaus Vermächtnis“ entwirft Blettenberg ein detailliertes Bild von Ghana vor sechs Jahren. 2003 und 2004 arbeitete Blettenberg als Entwicklungshelfer in Ghana und, wie schon in seinen vorherigen Romanen, verarbeitet er seine Reiseeindrücke in einem spannenden Roman.

Aber im Gegensatz zu seinen vorherigen Krimis ist „Murnaus Vermächtnis“ kein Politthriller, sondern ein Old-School-Abenteuerroman mit Schatzjägern, korrupten Polizisten, schönen Frauen, Mystizismus, Okkultismus, Geisterglaube und Tabus (so auch der Titel von Murnaus letztem Film). Das ganze ergänzt er um eine satte Portion deutscher Geschichte (so wurde die Ghana Air Force von der Deutschen Hanna Reitsch aufgebaut), Familienbande und Inzest.

Das ist natürlich schönster Pulp, der hier von D. B. Blettenberg auf gut sechshundert Seiten ausgerollt wird. Früher hätten dafür dreihundert Seiten gereicht. Aber dann hätten wir – leider – viel weniger über Friedrich Wilhelm Murnau, Ghana, die deutsche Kolonialgeschichte und das alltägliche Leben in und um Accra, der Hauptstadt von Ghana, erfahren. Das hat letztendlich teilweise nichts mit der Schatzsuche zu tun, aber während Ich-Erzähler Voss noch in seinem Alltagsleben gefangen ist, entsteht so das Gefühl einer diffusen Bedrohung (Hey, es gibt keine Vampire! Oder vielleicht doch?) und Blettenberg legt viele richtige und einige falsche Spuren aus.

Murnaus Vermächtnis“ ist, wie bei D. B. Blettenberg auch nicht anders zu erwarten, ein feiner Schmöker für ein langes Wochenende.

D. B. Blettenberg: Murnaus Vermächtnis

Dumont, 2010

576 Seiten

19,95 Euro

Lesung

D. B. Blettenberg stellt am Donnerstag, den 29. April, um 19.00 Uhr, im Veranstaltungssaal des Berliner Verlags (Karl-Liebknecht-Straße 29, Nähe S/U-Bahnhof Alexanderplatz) seinen neuen Roman vor.

Als Eintritt wird um eine großzügige Spende von Lebenszeit gebeten.

Hinweise

Homepage von D. B. Blettenberg

Meine Besprechung von D. B. Blettenbergs „Land der guten Hoffnung“

Wikipedia über D. B. Blettenberg

Lexikon der deutschen Krimiautoren über D. B. Blettenberg

Krimi-Couch über D. B. Blettenberg

Die Verbrechen des Herrn Blettenberg

Weint nicht um mich in Quito, 1981

Agaven sterben einsam, 1982

Barbachs Bilder, 1984

Siamesische Hunde, 1987

Farang, 1988

Blauer Rum, 1994

Harte Schnitte, 1995

Null Uhr Managua, 1997

Berlin Fidschitown, 2003

Land der guten Hoffnung, 2006

Murnaus Vermächtnis, 2010


%d Bloggern gefällt das: