DVD-Kritik: Sam Peckinpahs Debüt „Gefährten des Todes“

Das erste was bei der jetzt erschienen DVD-Veröffentlichung von Sam Peckinpahs Debütspielfilm „Gefährten des Todes“ auffällt, ist die Bildqualität. Denn bislang gab es nur Kopien im falschen Format und einer, sehr höflich formuliert, sehr bescheidenen Bildqualität. Nach dem Remaster sind die Farben meistens noch etwas blass, aber die Details sind gut zu erkennen und die Bildkompositionen sind – was bisher ebenfalls nicht zu erkennen war – gelungen.

Als zweites fällt auf, dass der Film sich ziemlich gut gehalten hat. Das liegt daran, dass er das in Peckinpahs Ouevre immer wieder auftauchende, zeitlose Thema von Schuld und Sühne behandelt und die Frau in dem Film kein verhuschtes Hascherls ist. Maureen O’Hara ist als Sandra-Bullock-Typ des netten Mädchens von nebenan ziemlich sexy und sie zeigt auch, für damalige Verhältnisse, viel nackte Haut.

Immerhin reden wir hier von 1960. Das war die Zeit, als Frauen, die über Dreißig waren, wie Großmütter aussahen; als in „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest) die nur sieben Jahre ältere Jessie Royce Landis die Mutter von Cary Grant spielte und Doris Day die Frau mit dem größten Sex-Appeal; — Hm, wahrscheinlich waren deshalb damals in den USA europäische Filme so beliebt.

Jedenfalls spielt Maureen O’Hara in „Gefährten des Todes“ die Hure mit dem goldenen Herz.

Nachdem Yellowleg (Brian Keith) in einem Schusswechsel irrtümlich ihren Sohn erschießt, will Kit Tilden ihr Kind neben seinem Vater beerdigen. Dummerweise liegt das Grab im Apachengebiet in der Geisterstadt Siringo. Sie macht sich alleine auf den Weg. Yellowleg, der von Schuldgefühlen geplagt ist, begleitet sie, gegen ihren Wunsch, mit seinen beiden Gefährten, den Verbrechern Billy (Steve Cochran) und Turk (Chill Wills). Auf der Reise nach Siringo gibt es den erwartbaren Ärger zwischen ihnen, mit den Apachen und der Natur.

Yellowleg hat nicht nur Schuldgefühle wegen dem Jungen. Er ist auch ein von Rachsucht getriebener Mann. Er verfolgte Turk ein halbes Jahrzehnt, weil dieser ihn damals skalpierte. Turk kann sich nicht daran erinnern und Yellowleg zögert seine Rache hinaus. Denn, so fragt er in einer Szene Kit, was bleibe ihm, wenn er den Sinn seines Lebens umbringe.

Und Turk, ein ziemlich unsympathischer Feigling, ist, wie spätere Szenen in „Gefährten des Todes“ zeigen, selbst ein von den Dämonen der Vergangenheit getriebener Mann.

Da ist Billy die psychologisch langweiligste Figur. Er ist einfach ein junger Berufsverbrecher.

Peckinpah-Fans entdecken in „Gefährten des Todes“ leicht viele Elemente, die auch in seinen späteren Filmen auftauchen. Aber, so Mike Siegel zutreffend in dem Audiokommentar, es gebe nur eine bestimmte Menge an Situationen und Themen und die meisten dieser Elemente stünden bereits in A. S. Fleischmans Roman und Drehbuch.

Der ausschließlich vor Ort in Old Tucson, Arizona, gedrehte „Gefährten des Todes“ ist von seinem Budget und der Drehzeit ein TV-Film fürs Kino. Gerade weil er einen ziemlich realistischen Blick auf den Wilden Westen wirft und zeitlose Themen, wie Schuld und Sühne ohne einfache Lösungen verhandelt, ist er auch heute noch einen Blick wert. Es ist einer der ersten Spätwestern und damit ein Western, der sich an ein erwachsenes Publikum richtet.

Die Action-Szenen sind dagegen TV-Niveau und sie zeigen noch nichts von Sam Peckinpahs späterem Ruf als Action-Regisseur.

Als Bonusmaterial gibt es eine umfangreiche, interessante Bildergalerie, ein Booklet, ein halbstündiges Featurette und einen Audiokommentar von Peckinpah-Fan Mike Siegel. In dem informativem Featurette verarbeitet er viel bereits aus der absolut sehenswerten Doppel-DVD „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ bekanntes Material. Der Audiokommentar ist dagegen eher enttäuschend, weil Siegel sich nicht wiederholen wollte und die Menge an Informationen über einen fast fünfzig Jahre alten Western einfach begrenzt ist.

Gefährten des Todes ist kein Meisterwerk, aber in der remasterden Version durchaus einen Blick wert.

Gefährten des Todes (The Deadly Companions, USA 1961)

Regie: Sam Peckinpah

Drehbuch: Albert Sidney Fleischman

LV: A. S. Fleischman: Yellowleg, 1960 (später „The Deadly Companions“)

mit Maureen O’Hara, Brian Keith, Steve Cochran, Chill Wills, Strother Martin, Will Wright, Jim O’Hara, Billy Vaughn

DVD

Koch-Media

Bild: 2.25:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Booklet, Audiokommentar und Featurette von Mike Siegel, Bildergalerie

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Bonusinformation

Eine gekürzte Fassung des Films lief 1965 als „Trigger Happy“ in den amerikanischen Kinos.

Hinweise

Wikipedia über „Gefährten des Todes“

Homepage von Sid Fleischman

New York Times: Nachruf auf Sid Fleischman (24. März 2010)

Western Boot Hill: Nachruf auf Albert Sidney Fleischman

Meine Besprechung der DVD „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“

Sam Peckinpah in der Kriminalakte

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4 Responses to DVD-Kritik: Sam Peckinpahs Debüt „Gefährten des Todes“

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