Zur aktuellen Ausgabe des „Lexikons des Internationalen Films“

Am bewährten Aufbau des von der katholischen Filmzeischrift „Film-Dienst“ herausgegebenen „Lexikon des internationalen Films“ hat sich auch in der neuesten Ausgabe, die sich mit dem „Filmjahr 2009“ beschäftigt, nichts geändert. Den Hauptteil bildet ein Lexikon mit wahrscheinlich allen Spiel- und Dokumentarfilmen (Kino, DVD, TV) die im deutschsprachigen Raum 2009 angelaufen sind. Jeder Film wird kurz vorgestellt und kritisch gewürdigt. Die Bewertungen sind, wie schon seit langem, undogmatisch und am Film orientiert.

Da gibt es auch für FSK-18-Filme, die schon vom Titel ein bestimmtes Publikum ansprechen, positive Bewertungen: „Dicht inszeniert und überzeugend gespielt, gleichwohl etwas spekulativ“ (The Boston Strangler), „Ruppig-melancholischer Gangsterfilm, der durch die Verwendung von Farbfiltern eine eigenwillige Atmosphäre schafft.“ (The Butcher – A new Scarface), „Brutaler Actionfilm voller Blutbäder und ausgefallener Tötungsvarianten, die immerhin recht fantasiereich inszeniert werden.“ (The Tournament).

Ergänzt werden die fundierten Bewertungen mit Hinweisen auf das Bonusmaterial der DVDs und zu unterschiedlichen Schnittfassungen. So erfahren wir, dass „The Tournament“ für die „ab 18“-Fassung stark beschnitten, für die Leihfassung „SPIO/JK I – Keine schwere Jugendgefährdung“ wurden immerhin noch zwei Minuten aus dem Film herausgeschnitten und sogar die in Österreich und der Schweiz veröffentlichte Fassung wurde um etwa eine Minute erleichtert. Normalerweise sind die dort erscheinenden Fassungen ungekürzt

Es gibt längere Besprechungen der Redaktionslieblinge. Dieses Jahr sind das „Alle Andere“, „Antichrist“, „Gran Torino“, „Il Divo“, „Jerichow“, „Der Knochenmann“, „The Wrestler“, „Tödliches Kommando“, „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“ und „Zeiten des Aufruhrs“. Es gibt einen Überblick über herausragende DVD- und Blu-Ray-Editionen von älteren Filmen, einen Überblick über 2009 vergebene wichtige Filmpreise, Anschriften aus Film und Fernsehen, einen Rückblick auf das Kinojahr 2009 und die Dokumentation der Tagung des Verbands der deutschen Filmkritik vom 11. Dezember 2009 in Berlin.

Dieses Mal geht es um die wirtschaftliche Lage der Filmjournalisten und wie die Zukunft der Filmkritik aussieht. Beides ist, so das Fazit der Tagung, sehr düster. Die Honorare für die meistens freien Mitarbeiter sind in den vergangenen Jahren gleich geblieben oder gesunken. Der Platz für Filmkritiken in Zeitungen und Zeitschriften wird zunehmend kleiner (von einem Filmjournalismus im TV und im Radio kann ja nicht mehr gesprochen werden). Es wird sich – auch in der Filmkritik – zunehmend auf Agenturmeldungen konzentriert und und statt fundierter Kritiken gibt es mehr Boulevard.

Auch wenn die Vortragenden nur über die Lage von Filmjournalisten und der Filmkritik sprechen, sind die Analysen leicht auf den gesamten Kulturjournalismus und die Lage der freien Mitarbeiter in allen Ressorts übertragbar.

Wie in den letzten Jahren ist die Auflistung der verstorbenen Filmschaffenden sehr lückenhaft und es fehlt ein Rückblick auf die wirtschaftliche Seite mit Umsatz- und Besucherzahlen. Aber das sind die einzigen Kritikpunkte an diesem feinen Lexikon.

Als Bonus gibt es dieses Mal für ein Jahr den Zugang zur Datenbank des Film-Dienstes.

Film-Dienst: Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2009

Schüren Verlag, 2010

600 Seiten

22,90 Euro

Hinweise

Homepage des Film-Dienstes

Homepage des Verbandes der deutschen Filmkritik

Schüren Verlag: Leseprobe: Die besten Kinofilme des Jahres 2009

Meine Besprechung vom „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

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3 Responses to Zur aktuellen Ausgabe des „Lexikons des Internationalen Films“

  1. Zwei Ergänzungen: Das Bemerkenswerte am Filmlexikon ist ja vor allem der Anspruch, nicht nur alle im Kino anlaufenden Filme, sondern auch sämtliche nur im Fernsehen oder auf DVD veröffentlichten Filme aufzunehmen. Das ist international einmalig und macht das Ganze auch heute noch unverzichtbar. Hoffentlich bröckeln die Einnahmen der katholischen Kirche nicht demnächst so stark, dass sie sich diesen Luxus nicht mehr leisten können.

    Und: Kostenfrei ist die Sparversion, die aber auch sämtliche Filme umfasst, immer noch auf der Website von Kabel1 abrufbar.

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