PI Spenser stochert in der Vergangenheit

Alte Wunden“, der dreißigste Fall für den in Boston ermittelnden Privatdetektiv Spenser, beginnt mit dem Besuch von einem alten Bekannten in Spenser Büro. Sein Ziehsohn Paul Giacomin besucht ihn mit seiner Freundin Daryl Gordon. Sie möchte wissen, wer 1974 ihre Mutter bei einem Banküberfall erschoss. Die Dread-Scott-Brigade bekannte sich zu dem Überfall, aber die Täter wurden nie geschnappt. Als Spenser den Polizeibericht lesen will, erfährt er, dass er weder bei der Polizei noch beim FBI zu finden ist. Und nachdem einige Gangster von ihm verlangen, dass er nicht weiter herumschnüffeln soll, ist natürlich Spensers Jagdinstinkt geweckt. Mit seinem Kumpel Hawk (Typ: böser, großer, schwarzer Mann) begibt er sich auf die Jagd und begegnet dabei auch Jesse Stone, dem hilfsbereiten Polizeichef der Kleinstadt Paradise.

Nach „Hugger Mugger“, „Potshot“ und „Widow’s Walk“ (Die blonde Witwe) ist „Alte Wunden“ ein besserer Spenser-Fall. Denn spätestens seit den Neunzigern und einigen sehr schwachen Büchern in den Achtzigern schrieb Robert B. Parker die Spenser-Romane quasi im Autopilot-Modus, der dazu führt, dass die Plots oft erschreckend dünn und verworren sind, aber die Dialoge und natürlich die Kürze der Krimis sorgen immer noch für einen vergnüglichen Abend mit einigen herzlichen Lachern.

Die besseren Bücher von Robert B. Parker erschienen damals in der Jesse-Stone-Reihe, die nach einem guten Anfang dann allerdings auch erschreckend schnell schlechter wurde.

Dennoch ist „Alte Wunden“ wie ein Besuch in der Stammkneipe. Man kennt alles, man ärgert sich immer wieder über die gleichen Dinge und kommt doch immer wieder zurück. Denn Schreiben kann Robert B. Parker. Oder sollte ich „konnte“ sagen? Denn Parker starb am 18. Januar an seinem Schreibtisch. Aber andererseits ist für Oktober der neununddreißigste Spenser-Roman „Painted Ladies“ angekündigt und es sind immer noch nicht alle Spenser-, Jesse-Stone-, Sunny-Randall- (muss nicht sein) und Virgil-Cole/Everett-Hitch-Romane (hm, die Western werden wahrscheinlich nie übersetzt) übersetzt.

Robert B. Parker: Alte Wunden – Ein Auftrag für Spenser

(übersetzt von Emanuel Bergmann)

Pendragon, 2010

224 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Back Story

G. P. Putnam’s Sons, 2003

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte

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One Response to PI Spenser stochert in der Vergangenheit

  1. […] Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003) […]

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