Joe Pitt sorgt wieder für Ärger

Was soll ich über das vierte Joe-Pitt-Buch sagen, das ich nicht schon so ähnlich bei den vorherigen Pitt-Krimis gesagt habe? Es ist gut und kann ohne die Kenntnis der vorherigen Bücher gelesen werden. Aber chronologisch macht es mehr Spaß.

Wem das zu kurz war:

Am Ende von „Das Blut von Brooklyn“ musste Privatdetektiv, Troubleshooter und Vampyr Joe Pitt (so eine Art Bastard-Sohn von Phil Marlowe und Mike Hammer) Manhattan verlassen.

Ein Jahr später schlägt er sich in der South Bronx mehr schlecht als recht durch. Näher kann er nicht zu seiner früheren, an AIDS erkrankten und inzwischen mit dem Vyrus infizierten Freundin Evie gelangen. Denn er darf sich nicht von seinen früheren Freunden, die den mächtigen Vampyrclans der Koalition oder der Society angehören und ihn immer noch töten wollen, erwischen lassen.

Eines Abends wird er von Verbündeten der Koalition geschnappt, gefoltert (er verliert dabei einen Zeh und ein Auge) und Predo, der Chef der Koalition (dem mächtigsten Vampyrclan Manhattans), bietet ihm, wenn er einen Auftrag erfüllt, eine Rückkehr nach Manhattan an. Die nicht-infizierte Millionenerbin Amanda Horde hat einen neuen Clan gegründet, der jeden aufnimmt. Außerdem sucht sie ein Heilmittel gegen das Vyrus. Sie gefährdet mit ihren Handlungen das Überleben der Vampyre, die seit Jahrhunderten alles tun, damit die Menschen nichts von ihrer Existenz erfahren.

Joe Pitt nimmt das Angebot, auch wenn er weiß, dass er den Auftrag wahrscheinlich nicht überleben wird, an. In Manhattan gerät Pitt schnell zwischen die Fronten der Clans und er versucht mit allen Mitteln seine eigene Haut zu retten. Dummerweise weiß er nie, wer ihn belügt. Aber auch seine Gegner wissen nicht, wann er sie belügt.

Das klingt jetzt – Vampyre, Koalition, Clans, Vyrus – ziemlich nach einem Mix aus Fantasy und Horrorroman. Dabei ist „Bis zum letzten Tropfen“, wie die vorherigen Joe-Pitt-Romane, vor allem ein Hardboiled-Privatdetektivkrimi in dem die Vampirclans nur eine andere Form von Verbrecherbanden (vulgo Mafia) sind und Joe Pitt als auf seine Autonomie bedachter Einzelgänger versucht, halbwegs ehrlich über die Runden zu kommen.

In „Bis zum letzten Tropfen“ erzählt Charlie Huston gewohnt pointiert, wie Joe Pitt in sein altes Jagdgebiet zurückkehrt, wieder keinem Ärger aus dem Weg geht, vielen davon selbst provoziert und er sich so wahrscheinlich alle Chancen auf ein Leben in Manhattan verbaut. Wie die Geschichte von Joe Pitt endet, erzählt Charlie Huston im fünften und letzten Joe-Pitt-Krimi „My dead body“, der nächstes Jahr bei Heyne erscheinen dürfte.

Charlie Huston: Bis zum letzten Tropfen

(übersetzt von Kristof Kurz)

Heyne, 2010

336 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Every last drop

Ballantine Books, 2008

Hinweise

Pulp Noir: Homepage/Blog von Charlie Huston

Meine Besprechung von Charlie Hustons „Killing Game“ (The Shotgun Rule, 2007)

Meine Besprechung von Charlie Hustons „Das Clean-Team“ (The mystic arts of erasing all signs of death, 2009)

Mein Interview mit Charlie Huston

Charlie Huston in der Kriminalakte

2 Responses to Joe Pitt sorgt wieder für Ärger

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