Monsieur Bocquet besucht die „Suite Noire“

Papas Musik“ von José-Louis Bocquet konnte „Suite Noire“-Herausgeber Jean-Bernard Pouy nicht ablehnen. Denn Bocquets Noir ist eine Hommage an den Roman „Le Cinéma de papa“ (Papas Kino) von Jean-Bernard Pouy. Dass Bocquets Geschichte, soweit ich weiß, nichts mehr mit Pouys Geschichte zu tun hat, hat auch bei den anderen „Suite Noire“-Romanen nicht gestört. Auch dass der Krimianteil (gemessen an den normalen Krimibeigaben) eher klein ausfällt, aber dafür der Noir-Anteil größer, stört nicht weiter.

In „Papas Musik“ muss sich ein inzwischen vom Pech verfolgter, geschiedener Musikproduzent notgedrungen um seinen Sohn kümmern. Jules hat die Schule geschmissen und ist bei seiner Mutter ausgezogen. Denn beim Vater, den er am Buchanfang bei einem Selbstmordversuch stört, ist es einfach entspannter. Aber dann versucht dieser, für seinen Sohn ein Vater zu sein und sich aus seiner finanziellen Misere zu befreien. Er schenkt Jules eine Gitarre und als er während eines Konzerts bemerkt, dass Jules und seine Rockband talentiert sind, will er eine Platte mit ihnen machen. Dafür nimmt er weitere Schulden auf.

Natürlich, immerhin ist „Papas Musik“ ein Noir und die kennen für den Helden nur einen Weg, nämlich abwärts, endet das nicht gut. Bocquet erzählt diese Geschichte einiger kleiner Leute angenehm pathosfrei, illusionslos und mit einger guten Portion trockenen Humors auf hundert Seiten. Es gibt einige Einblicke in das sich in den vergangenen Jahrzehnten radikal gewandelte Musikgeschäft und dem alltäglichen Überlebenskampf eines kleinen Produzenten. Außerdem gibt es eine Vater-Sohn-Geschichte, in der keiner um die Gunst des anderen buhlt. Für den Vater ist sein Sohn am Anfang nur das „kleine Arschloch“, das wegen der Art des Schuleschwänzens von ihm respektiert wird. Und der Vater ist eine gescheiterte Existenz, der regelmäßig vom Gerichtsvollzieher besucht wird. Dabei ist er kein schlechter Mensch, sondern nur ein Pechvogel.

José-Louis Bocquet: Papas Musik

(übersetzt von Katarina Grän)

Distel Literaturverlag, 2010

108 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

La musique de papa

Éditions La Branche, 2007

Verfilmung

La musique de papa (Frankreich 2009)

Regie: Patrick Grandperret

Drehbuch: ?

Mit Antoine Chappey, Léo Grandperret, Marilyne Canto, Agnès Soral, Florence Thomassin, Eric Defosse

Hinweise

Homepage der „Suite Noire“ (englische Version)

Seite der Éditions La Branche über die „Suite Noire“

Wikipedia über José-Louis Bocquet

Evene.fr über José-Louis Bocquet

Meine Besprechung von Patrick Raynals „Suite Noire“-Buch „Landungsbrücke für Engel“ (Le débarcadère des anges, 2007)

Meine Besprechung von Colin Thiberts „Nächste Ausfahrt Mord“ (Vitrage à la corde, 2007)

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One Response to Monsieur Bocquet besucht die „Suite Noire“

  1. […] Meine Besprechung von José-Louis Bocquets „Papas Musik“ (La musique de papa, 2007) […]

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