Myron Bolitar besucht Paris und London und stolpert über einige Leichen

Myron Bolitar, Sportagent und Privatdetektiv ohne Lizenz, ist zurück und dieses Mal muss er sich auf Weltreise begeben. Denn Terese Collins ruft ihn aus Paris an. Sie hatten vor zehn Jahren eine kurze, aber heftige Beziehung. Seitdem gingen sie wieder getrennte Wege. Jetzt bittet sie ihn um Hilfe, denn ihr Ex-Mann Rick Collins ist spurlos verschwunden. Er ist ein investigativer Journalist, der wahrscheinlich eine große Story recherchierte und, egal in welchem Erdloch sie in der Vergangenheit in den Krisengebieten der Welt waren, er hatte nie Angst. Aber jetzt hatte er, als er sie nach Paris einlud, Angst. Er muss also etwas unglaublich schlimmes entdeckt haben.

Kurz nach Myrons Ankunft wird seine Leiche gefunden. Die Dinge werden schnell komplizierter. Denn bei Ricks Leiche wird DNA von Tereses Tochter gefunden. Das ist allerdings unmöglich. Denn sie starb vor zehn Jahren in London bei einem Autounfall. Kurz nach dieser Entdeckung versuchen einige Männer Myron zu entführen. Myron wehrt sich, es kommt zu einem Schusswechsel auf offener Straße. Bevor die Polizei Myron und Terese verhaften kann, flüchten sie mit der Hilfe von Myrons skrupellosem Freund mit dem unbegrenzten Bankkonto Windsor Horne Lockwood III, kurz und zutreffend Win genannt, nach London. Dort, so glauben sie, liegt die Lösung für das Rätsel.

Myron, Win und Terese haben in diesem Moment zwar noch keine Ahnung, was Rick entdeckt hat, aber es muss etwas sehr Großes sein. Denn neben der französischen Polizei und diversen Gangstern ist auch der Mossad involviert und Interpol reagiert verdächtig schnell auf Myrons Schießerei in Paris.

Allerdings ist die sich schon relativ früh abzeichnende Lösung der Pferdefuß von Myron Bolitars neuntem Fall. Denn es geht in „Von meinem Blut“ nicht mehr um einen kleinen Mord, Entführung und die Vertuschung einiger Straftaten, sondern um das große Komplott, in dem; – nun, ohne zu spoilern kann ich nur sagen, der freie Westen auf dem Spiel steht.

Das erinnert dann an die Pulps von Mickey Spillane, wenn er Mike Hammer (seltener), Tiger Mann (immer) und, in dem posthum erschienenen „Das Ende der Straße“ (Dead Street), Jack Stang gegen die bösen Kommunisten (damals) und Terroristen (eher heute) auf die Jagd schickte. Doch was bei dem Geheimagenten Tiger Mann funktionierte, funktioniert bei dem Privatdetektiv Myron Bolitar nicht.

Denn gerade in der zweiten Hälfte des Buches, wenn Myron und Win so langsam die vielen losen Fäden miteinander verknüpfen, entdecken sie eine hübsche Paranoia-Phantasie, die eher in einen pulpig-trashigen Polit-Thriller als in einen Privatdetektivkrimi gehört. Vor allem nicht in einen Privatdetektivkrimi, in dem der Held in der Vergangenheit vor allem dann als Detektiv tätig wurde, wenn er die Unschuld eines seiner Sportklienten beweisen musste. Das war immer eine unterhaltsame Lektüre. Dagegen ist der neunte Myron-Bolitar-Krimi „Von meinem Blut“ vor allem eine trashige Lektüre, die man besser nicht mit den früheren Myron-Bolitar-Krimis vergleicht.

Harlan Coben: Von meinem Blut

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Goldmann, 2010

400 Seiten

9,95 Euro

Originaltitel

Long Lost

Dutton, 2009

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

4 Responses to Myron Bolitar besucht Paris und London und stolpert über einige Leichen

  1. […] Zuletzt erschien bei uns von Harlan Coben der neue Myron-Bolitar-Krimi „Von meinem Blut“ (Long lost). […]

  2. […] Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009) […]

  3. […] Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009) […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: