Naja, ganz nett, aber auch nichts tolles

Dezember 31, 2010

Filmklassiker für Eilige“ ist eines dieser Klobücher (Sie wissen schon, diese Werke, die auf der Gästetoilette liegen und man dann während der Sitzung, weil man nichts anderes hat, darin herumblättert und ein, zwei Seiten liest), das man auch gut an einen Filmfan, der schon alle wichtigen Filmbücher in seiner Bibliothek stehen hat und auch mal fünfe gerade sein lässt, verschenken kann.

Henrik Lange fasst in „Filmklassiker für Eilige“ 99 bekannte Spielfilme in jeweils vier, an Kinderzeichnungen erinnernden, Bildern zusammen: eines für den Titel, die restlichen drei für eine mehr oder weniger gelungene Zusammenfassung der Handlung, die meist bemüht witzig und sehr selten wirklich witzig ist.

So wird aus Vittorio De Sicas „Fahrraddiebe“ „Fahrrad + Dieb = ein Klassiker. Mit einem Fahrradschloss wäre das nicht passiert.“

Haha.

Bei John Hustons Hammett-Verfilmung „Die Spur des Falken“ ist die Zusammenfassung etwas länger:

Der Stoff, aus dem die Träume sind.

Sam Spade ist das Sinnbild eines coolen Privatdetektivs. Er bekommt einen Auftrag von der gutaussehenden Brigid, aber irgendwie kommt ihm die Sache nicht geheuer vor.

Ausser ein paar Toten ist scheinbar jeder in dem Film auf der Jagd nach dem Malteser Falken, einer unglaublich wertvollen Statue. Irgendwie landet der Falke bei Spade.

Doch das Ding ist eine Fälschung. Spade löst den Fall und übergibt eine Menge zwielichtiger Gestalten (inklusive Brigid) der Polizei.“

Hm.

Kann man so sehen, aber da fällt der Mord an Spades Partner Miles Archer unter den Tisch und natürlich wird bei dieser Zusammenfassung, die sich, wie auch die anderen Zusammenfassungen, auf die Geschichte konzentriert, nicht deutlich, was das Besondere an diesem Film ist und warum er ein Filmklassiker wurde.

Und, wer den Film nicht kennt, fragt sich, warum Spade Brigid der Polizei übergibt.

Aber dieses Problem hat man bei vielen der von Henrik Lange vorgestellten Filmen. Jedenfalls wenn man die Filme kennt.

Wer die Filme nicht kennt…

Henrik Lange: Filmklassiker für Eilige – Und am Ende kriegen sie sich doch

Knaur, 2011

208 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

99 Classic Movies for People in a Hurry

Nicotext, Schweden, 2009


Das fängt ja gut an

Dezember 31, 2010

Anstatt eine große Silvesterparty vorzubereiten (Hey, hier in Berlin macht die Stadt das für mich und ich geh dann doch nicht zum Brandenburger Tor) hat Alligator-Alfred die Tiefen des Internets (Herr Ramsauer hat dafür sicher ein deutsches Wort) nach schönen Bildern für meine TV-Krimi-Buch-Tipps durchsucht. Und auf das dürfen sich die Freunde des verfilmten verbrecherischen Wortes  freuen:

Mit den David-Peace-Verfilmungen „Yorkshire Killer 1974“ und „Yorkshire Killer 1980“ beginnt das neue Jahr gleich mit zwei grandiosen Filmen, die ihre TV-Premiere natürlich zu nachtschlafender Zeit erleben. Der Videorekorder freut sich, die Quote weniger.
Außerdem sind Alfred Hitchcocks John-Trevor-Story-Verfilmung „Immer Ärger mit Harry“, seine Arthur-La-Bern-Verfilmung „Frenzy“ und seine Victor-Canning-Verfilmung „Familiengrab“, Bob Rafelsons James-M.-Cain-Verfilmung „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, John Hustons lange nicht mehr gezeigte Maxwell-Anderson-Verfilmung „Gangster in Key Largo“, Orson Welles‘ Whit-Masterson-Verfilmung „Im Zeichen des Bösen“, Martin Scorseses Herbert-Asbury-Verfilmung „Gangs of New York“, Don Siegels „Dirty Harry“, David Mackenzies Alexander-Trocchi-Verfilmung „Young Adam – Dunkle Leidenschaft“, Lars Beckers „Nachtschicht: Blutige Stadt“, Jo Johnsons Lynda-La-Plante-Verfilmung „Der Preis des Verbrechens: Mörderischer Wahn“, Sam Peckinpahs „Sacramento“, Ron Sheltons James-Ellroy-Verfilmung „Dark Blue“ und René Clements Patricia-Highsmith-Verfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ immer wieder sehenswert.

 


TV-Tipp für den 31. Dezember: Pop around the Clock

Dezember 30, 2010

3sat, 6.00

Pop around the Clock

Es gibt mal wieder 24 Stunden tolle Konzertmitschnitte. Unter anderem

Jeff Beck – Iridium Jazz Club, New York, USA, 2010 (06.40 Uhr),

Rory Gallagher – City Hall Cork, Irland, 1974 (07.30 Uhr),

The Rolling Stones – Fort Worth und Houston, Texas, USA, 1972 (09.00 Uhr),

Carole King/James Taylor – Live at the Troubadour, Los Angeles, USA, 2007 (11.00 Uhr),

Leonard Cohen – Live in London 2008 (11.45 Uhr),

Eric Clapton – Illinois 2010 (14.45 Uhr),

The Rock and Roll Hall of Fame – 25th Anniversary, 2009 (15.45 Uhr),

The Rolling Stones – Live at the Max, 1989 (20.00 Uhr),

Bruce Springsteen & The E Street Band – London Calling, 2009 (23.00 Uhr),

The Pretenders – Live in London 2009 (03.15 Uhr),

Oasis – Electric Proms, 2008 (04.00 Uhr),

Die Toten Hosen: Mach mal lauter – Live in Berlin, 2009 (05.00 Uhr).

Das komplette, nur aus Erstausstrahlungen bestehende Programm gibt es hier.


Horrorfilm des Tages: Night of the Living Dead

Dezember 30, 2010

Nach der von Frank Schnelle und Andreas Thiemann für „Die 50 besten Horrorfilme“ (Bertz + Fischer Verlag, 2010) erstellten Liste ist George A. Romeros „Night of the Living Dead“ (Die Nacht der lebenden Toten, USA 1968) der beste Horrorfilm aller Zeiten.

Für alle die ihn noch nicht gesehen haben:

Die Bildqualität der Kopie ist bescheiden. Aber für einen ersten Eindruck reicht es allemal.


TV-Tipp für den 30. Dezember: Blood Work

Dezember 30, 2010

ZDF, 22.15

Blood Work (USA 2002, R.: Clint Eastwood)

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: Michael Connelly: Bloodwork, 1997 (Das zweite Herz)

FBI-Mann Terry McCaleb sucht auf Bitten von Graciella nach dem Mörder ihrer Schwester. Immerhin hat er jetzt ihr Herz.

Ausgezeichnete Adaption des dicken Buches von Michael Connelly, bei dem einige für einen Film sehr sinnvolle Änderungen vorgenommen wurden.

„I am very happy with it. I think it is a solid cop story and I think it captured the character and spirit of the book.” (Michael Connelly, auf seiner Homepage)

Mit Clint Eastwood, Jeff Daniels, Wanda De Jesus, Anjelica Huston

Hinweise

Homepage von Michael Connelly

Meine Besprechung von Michael Connellys „The Lincoln Lawyer“ (2005, deutscher Titel: Der Mandant)

Meine Besprechung von Michael Connellys „Vergessene Stimmen“ (The Closers, 2005)

Meine Besprechung von Michael Connellys “L. A. Crime Report” (Crime Beat, 2004)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Kalter Tod” (The Overlook, 2007)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Echo Park” (Echo Park, 2006)

Michael Connelly in der Kriminalakte


Die Frage aller Fragen: Was sind die besten Horrorfilme?

Dezember 29, 2010

Wahrscheinlich pflegten wir Jungs schon immer die Manie, Listen zu erstellen. Und natürlich macht es Spaß, sich andere Listen anzusehen und dann herumzumäkeln, welche Klassiker vergessen wurden. Auch „Die 50 besten Horrorfilme“ von Frank Schnelle und Andreas Thiemann hat einige Makel. In der Liste fehlen einige Horrorfilm-Klassiker und die meisten Filme sind aus den USA, vulgo Hollywood. Außerdem entstanden nur elf Filme vor 1960. Die meisten Filme in der Liste, nämlich zwölf, sind aus den 80ern, danach folgen, gleichauf, die 70er und 60er Jahre. Dass das so ist, liegt nicht an dem persönlichem Geschmack von Frank Schnelle und Andreas Thiemann, sondern an den ausgewerteten Listen. Sie werteten über fünfzig in den vergangenen zehn Jahren in Büchern, Zeitungen, Zeitschriften und im Internet publizierte Bestenlisten aus, die sich explizit mit dem Horrorfilmgenre auseinandersetzten. Damit ist immerhin eine gewisse Kompetenz bei den Verfassern der Listen gesichert. Aber natürlich spiegelt jede Bestenliste vor allem den Geschmack des Erstellers wieder und da haben die meisten, die sich im Netz tummeln, ihre prägenden Jahre zwischen „Halloween“ und „Freitag, der 13“ erlebt.

Insofern bietet die sich aus diesen Listen ergebende ultimative Bestenliste für den Horrorfilmfan keine großen Überraschungen und er dürfte auch die meisten Filme kennen (Ich selbst kenne bis auf ungefähr fünf Filme [bei ein, zwei Filmen bin ich mir unsicher, ob ich sie bereits gesehen habe] alle Filme der Liste.).

Immerhin sind auf den ersten zehn Plätzen „Die Nacht der lebenden Toten“, „Der Exorzist“, „Halloween – Die Nacht des Grauens“, „Blutgericht in Texas“ (The Texas Chainsaw Massacre), „Zombie“, „Shining“, „Nightmare – Mörderische Träume“ (Nightmare on Elm Street“), „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ und „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“. Erstaunlich ist, dass John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“, ein Film der beim Start kein Erfolg war und auch heute immer noch zu seinen unbekannteren Werken zählt, auf dem elften Platz ist.

Außerdem, und das spiegelt auch die von Schnelle und Thiemann erstellte Liste wieder, werden die meisten Listen von Amerikanern erstellt. Deshalb werden Filme, die nicht in den USA entstanden sind, weitgehend ignoriert. So findet der europäische Horrorfilm der sechziger und siebziger Jahre und die aktuellen japanischen Horrorfilme (die von Hollywood die Remake-Behandlung erfahren) kaum statt.

Um diese Schlagseite zu beheben, haben Schnelle und Thieman die Liste der fünfzig besten Horrorfilme um zehn, etwas eklektische Empfehlungen ergänzt: „Der Schrecken vom Amazonas“, (wohl stellvertretend für das Werk von Jack Arnold und dem Amphibienhorrorfilm) „Satanas – Das Schloss der blutigen Bestie“ (wohl für Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen), „Bewegliche Ziele“, „Die Stunde des Wolfs“ (von Ingmar Bergman), „Die Brut“ (wohl stellvertretend für David Cronenbergs Frühphase), „Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis“ (Seltsam, dass dieser Vampirhorrorfilm es nicht in die Bestenliste geschafft hat.), „Tesis – Der Snuff-Film“ (ein Beispiel für den aktuellen spanischen Horrorfilm), „Audition“ (Takashi Miike in Bestform), „The Descent – Abgrund des Grauens“ und „So finster die Nacht“ (Schweden-Horror).

Über jeden Film schrieben Schnelle und Thiemann einen zweiseitigen Text, zwei bis drei Bilder pro Film und ein Hinweis auf wichtige DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen runden die sehr kurzen Vorstellungen ab. Denn das Buch wurde im handlichen Reclam-Format veröffentlicht.

Frank Schnelle/Andreas Thiemann: Die 50 besten Horrorfilme (und die Blu-rays oder DVDs, die Sie haben müssen)

Bertz + Fischer, 2010

152 Seiten

7,90 Euro

Hinweise

Homepage von Frank Schnelle

Homepage von Andreas Thiemann

Leseprobe „Die 50 besten Horrorfilme“


TV-Tipp für den 29. Dezember: American Gangster

Dezember 29, 2010

ZDF, 22.15

American Gangster (USA 2007, R.: Ridley Scott)

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Mark Jacobson: The Return of Superfly (Reportage, New York Magazine, August 2000)

Biopic über den Aufstieg und Fall des Drogenbarons Frank Lucas in Harlem in den frühen Siebzigern.

Das Zeitkolorit ist toll, weniger toll ist, dass Denzel Washington als Drogenhändler Frank Lucas und Russell Crowe als den ihn jagenden Detective Richie Roberts erst am Ende eine gemeinsame Szene haben. Davor bekommen wir zwei Filme präsentiert: einen tollen Gangsterfilm (so als Best-of-Gangsterfilm), einen weniger tollen Polizeifilm und insgesamt einen doch ziemlich durchschnittlichen Film, der sich nie entscheiden kann welche Geschichte er erzählen soll und er deshalb in deutlich über zwei Stunden (Hey, früher gab’s für die Spielzeit auch zwei Filme) beide Geschichten erzählt. Das kommt dabei heraus, wenn man zwei Stars hat, die auf ihrer Filmzeit bestehen. Vielleicht hätte Ridley Scott Val Kilmer für die Rolle des Polizisten anfragen sollen.

mit Denzel Washington, Russell Crowe, Cuba Gooding jr., Josh Brolin, RZA, John Ortiz, Ted Levine, Chiwetel Eliofor, Armand Assante, Carla Gugino

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „American Gangster“

Wikipedia über „American Gangster“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „American Gangster“ von Steven Zaillian


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