Neu im Kino/Filmkritik: Morning Glory

Morning Glory“ hat einen gewaltigen Pluspunkt: Harrison Ford.

Diane Keaton ist auch nicht schlecht.

Und Jeff Goldblum hat auch einige schöne Szenen.

Dafür ist die Heldin, die von Rachel McAdams gespielte ständig aufgekratzte, hyperoptimistische, nicht durch ihren Intellekt überzeugende Becky Fuller, von einer so überirdischen Naivität und Gutgläubigkeit, dass man wirklich nur hoffen kann, dass solche Menschen niemals irgendeinen wichtigen Posten begleiten dürfen.

Aber wir sind in einem Film und da ist vieles möglich.

Jedenfalls soll sie die unglaublich erfolglose TV-Morgensendung „Daybreak“ leiten. Schnell packt sie der Ehrgeiz, die Sendung aus dem Quotenkeller herauszuholen. Als sie erfährt, dass die Show demnächst abgesetzt werden soll, geht es dann auch um die Jobs des Teams. Und in dem herrscht gerade zwischen den beiden Moderatoren dicke Luft. Colleen Peck (Diane Keaton) macht den Job schon seit Ewigkeiten und sie würde alles tun, um weiterhin auf Sendung zu bleiben. Mike Pomeroy (Harrison Ford) ist eine Reporterlegende und sieht die Tätigkeit als Moderator einer Frühstückssendung, die um echte Nachrichten einen weiten Bogen macht, als unter seiner Würde an. Er sieht sowieso fast jede Arbeit die nicht klassischer Enthüllungsjournalismus der Carl-Bernstein/Bob-Woodward-Schule ist, als unter seiner Würde an. Aber er wird von Becky Fuller, die seinen Vertrag genau gelesen hat, zu dieser Arbeit erpresst und er würde alles tun, um aus der Sendung zu fliegen.

Außerdem verliebt sich der von allen Frauen begehrte Nachrichtenproduzent Adam Bennett (Patrick Wilson in der undankbaren Rolle des Heimchens am Herd) in sie.

Das alles wird fernab jeglicher Wirklichkeit geschildert.

Aber „Morning Glory“ diese rosarote Brille auf das Arbeitsleben vorzuwerfen, wäre Unfug. Der Film will in keiner Zehntelsekunde eine auch nur irgendwie realistisch anmutende Beschreibung aus dem Arbeitsleben sein. Der Film ist auch keine Satire, sondern eine im TV-Milieu spielende Romantic Comedy, in der sie nicht die Liebe ihres Lebens findet (ja, gut, in einem Subplot geht’s auch darum), sondern in dem sie aus einem zerstrittenen Haufen ein Team formt und sie alle eine Familie werden. Es ist, wenn man so will, die Liebesgeschichte zwischen Becky Fuller und der Nachrichtenlegende Mike Pomeroy, der sie am Anfang noch nicht einmal als Fußabtreter benutzen würde. Am Ende – nun, einmal dürfen Sie raten.

Bis dahin fragt man sich allerdings mehr als einmal, welche Geschichte Regisseur Roger Michell (Notting Hill) und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna (Laws of Attraction, Der Teufel trägt Prada) eigentlich erzählen wollen. Denn die verschiedenen Plots stehen sich doch öfters im Weg und plätschern vor sich zum erwartbaren Ergebnis hin. Außerdem schwankt Michells Inszenierung etwas unentschlossen zwischen Comedy, Drama und, hm, Musikfilm.

Morning Glory“ ist wie ein Buffet: fast jeder Happen schmeckt, auch wenn die einzelnen Beilagen nicht unbedingt zueinander passen und am Ende ist man nicht satt.

Und damit ist „Morning Glory“ dann doch wie das Frühstücksfernsehen: bunt, unterhaltsam, belanglos.

Morning Glory (Morning Glory, USA 2010)

Regie: Roger Michell

Drehbuch: Aline Brosh MeKenna

mit Rachel McAdams, Harrison Ford, Diane Keaton, Patrick Wilson, Jeff Goldblum, John Pankow, Matt Malloy, Patti D’Arbanville

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Morning Glory“

The Telegraph: Interview mit Harrison Ford zu „Morning Glory“

One Response to Neu im Kino/Filmkritik: Morning Glory

  1. […] Jahr war er mit der RomCom „Morning Glory“ (USA 2010) als stinkstiefeliger Journalist (wobei Harrison Ford und Komödien nie richtig […]

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