Ein Interview mit „Moon“-Regisseur Duncan Jones

Weil mir der mit dem Hugo ausgezeichnete SF-Film „Moon“ gut gefallen hat,

weil am 28. Januar der Film auf DVD und BluRay (mit viel Bonusmaterial) erscheint, und

weil das von Koch-Media zur Verfügung gestellte Interview interessant ist,

poste ich es.

In „Moon“ erzählt Duncan Jones die Geschichte von Sam Bell (Sam Rockwell), der als einziger auf einer Mondstation arbeitet. Kurz vor dem Ende seines Dreijahresvertrages häufen sich die seltsamen Ereignisse und plötzlich steht er seinem Doppelgänger gegenüber. Ist er jetzt endgültig verrückt geworden oder gibt es eine rationale Erklärung für den doppelten Bell?

 

Was fasziniert Sie an dieser Geschichte?

Der Mond bietet sich so offensichtlich als Schauplatz für eine Science-Fiction-Story an, aber er wird meistens ignoriert. Es ist erst vierzig Jahre her, dass wir zum ersten Mal auf den Mond flogen. Ich bekomme eine Gänsehaut bei dem Gedanken, dass der Mond vielleicht bald die Quelle sein könnte, aus der wir unseren Planeten für die nächsten hundert Jahre mit Energie versorgen. Aber unabhängig davon hat doch sowieso jeder eine persönliche Verbindung zum Mond: Jede Nacht gucken wir hoch zu ihm, jede Nacht haben wir da Science Fiction, direkt vor unseren Augen.

Wie kamen Sam Rockwell und Kevin Spacey zu diesem Film?

Nachdem ich die Rolle speziell für Sam Rockwell schrieb, musste es entweder eine große Herausforderung für ihn sein, den Part zu spielen, oder zumindest Spaß versprechen. Außerdem brauchte die Geschichte auch einen Reiz für das Mainstream-Publikum. Deshalb hatte ich schließlich die Idee, dass Sam mehrere Rollen gleichzeitig spielen sollte. Das würde alle unsere Richtlinien abdecken: Sam hätte seine Herausforderung als Schauspieler, die Besetzung bliebe minimal, und wir könnten uns auf einen bestimmten Typ von visuellen Effekten konzentrieren.

Ich spielte mit dem Ansatz, einen einsamen Mann auf einer Mondbasis zu platzieren, und zu diesem Grundgedanken passte auch das Klonen, die Vervielfachung von Sam. Ich wurde ganz aufgeregt, als ich darüber nachdachte, ob man sich wohl mögen würde, wenn man sich auf einmal selbst gegenüber stände. Ich glaube, das ist die brutalste, ehrlichste und menschlichste Frage, die es gibt – und das macht sie perfekt für einen Science-Fiction-Film. Kevin Spacey kannte bereits das Script, aber er wollte einen Rohschnitt des Films sehen, bevor er eine Entscheidung traf. Obwohl der Ton nur ersatzweise und die Effekte noch gar nicht drin waren, hat es ihn umgehauen. Kevin Spacey war begeistert von dem, was Rockwell da bot. Er hat sofort den Vertrag unterschrieben.“

Wie war das Besondere bei der Produktion von MOON?

Es war eine ziemlich verzwickte Aufgabe, MOON zusammenzubasteln. Wir wollten eine minimale Besetzung und die völlige Kontrolle über unseren Drehort. Und wir wollten den letzten Tropfen Leinwandpräsenz aus unseren Spezialeffekten herauspressen.

Der Film war technisch und logistisch sehr kompliziert. Wir hatten 33 harte, sehr von der Technik abhängige Drehtage in den Shepperton Studios. Wir arbeiteten in genau der Umgebung, in der Ridley Scott vor etwa 30 Jahren Alien gedreht hatte.

Ich bin im goldenen Zeitalter der Science-Fiction-Filme aufgewachsen. Wenn also ‚Gerty‘ [der Stationscomputer in MOON] oder ‚Sarang‘ [die Mondstation] ein Design haben, das eine bestimmte Retro-Ästhetik besitzt, dann ist das nicht zufällig so. Es ist die Inspiration der Filme, die wir geliebt haben, als ich aufgewachsen bin: Alien, Silent Running, Outland, und 2001: A Space Odyssey. Es ist eine Hommage an diese Filme und ihre Zeit.

Gibt es eine Szene, die Ihnen besonders vom Shooting in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt einen Grund, warum man ‚Indie-Film‘ und ‚Science-Fiction-Film‘ so selten im selben Satz hört. Science Fiction ist das Genre, das am meisten Tricks und Ausstattung braucht, und das kann man mit einem ‚Indie‘-Budget natürlich nie finanzieren. Wir wollten mit dem Film eine Geschichte erzählen, die einerseits sehr persönlich ist, andererseits einen universellen Anspruch erfüllt. Eine bestimmte Szene war so kompliziert, dass wir sie einige Tage aussetzen mussten, um darüber nachzudenken. Aber es hat sich gelohnt – es ist einer der Momente des Films geworden, bei dem der Zuschauer sich anschließend fragt, wie wir das gemacht haben…

Was war die größte Herausforderung an diesem Film?

Einen waschechten Science-Fiction-Film zu drehen, mit einer spannenden Story, einem außergewöhnlichen Schauspieler, einem Sack voll bester Spezialeffekte – und wir haben das in 33 Tagen mit einem niedrigen Budget geschafft.

Was sollen die Zuschauer aus diesem Film mitnehmen?

Ich bin ein Nerd, ein Sci-Fi-Freak – aber ich bin auch hoffnungslos romantisch und ich liebe Filme.

Ich wünsche mir, dass die Science Fiction Fans dieser Welt sich bei dem Versuch überschlagen, all die Zitate und kleinen Hommagen zu entdecken, mit denen wir an vergangene Science-Fiction-Filme erinnern wollen.

Und am allermeisten wünsche ich mir, dass die Menschen, die diesen Film lieben, sagen: „Das war richtig gut. Ich bin gespannt, was diese Jungs als Nächstes vorhaben…“


Moon (Moon, GB 2009)

Regie: Duncan Jones

Drehbuch: Nathan Parker (nach einer Idee von Duncan Jones)

mit Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott, Kaya Scodelario, Benedict Wong, Matt Berry, Malcolm Stewart

Als Bonusmaterial ist angekündigt:

Single Disc Editions

Originaltrailer

Audiokommentar mit Regisseur Duncan Jones, Kameramann Gary Shaw sowie den Designern Gavin Rothery und Tony Noble

Audiokommentar von Regisseur Duncan Jones und Produzent Stuart Fenegan

2-Disc Special Editions (zusätzlich)

Kurzfilm „Whistle“ von Regisseur Duncan Jones (ca. 29 Minuten)

Making of Moon (ca. 16 Minuten)

Visuelle Effekte (ca. 11 Minuten)

Interview auf dem Sundance Film Festival (ca. 11 Minuten)

Science Center Interview mit Regisseur Duncan Jones (ca. 21 Minuten)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Moon“

Wikipedia über „Moon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung des Films „Moon“

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