DVD-Kritik: Ving Rhames veredelt die „Bridge to Nowhere“

Februar 28, 2011

Ein Film mit Ving Rhames kann nicht ganz schlecht sein. Immerhin spielt Ving Rhames mit. Aber in „Bridge to Nowhere – Die dunkle Seite des Traums“ hat er nur eine handvoll Szenen und insgesamt wohl ungefähr fünf Minuten Filmzeit.

Der Rest ist eine am Anfang durchaus sympathische Geschichte von vier Jugendfreunden, die eher zufällig in das Geschäft mit Prostituierten und Drogen hineinschlittern.

Irgendwann wird es dann zu einer 08/15-Gangstersaga, in der der Kopf der Bande auf Mini-Al-Pacino macht. Er nimmt Drogen und beim Showdown ballert er dann auch mit der großen Wumme auf die Polizei, die als Deus ex machina am Ende auf der Bildfläche erscheint. In „Scarface“, dem bekanntesten Vorbild für „Bridge to Nowhere“, waren es andere Gangster und die Schlacht dauerte ewig.

Aber Schauspieler Blair Underwood musste in seinem Spielfilmdebüt mit einem wesentlich geringerem Budget als damals Brian De Palma auskommen und er setzte die Geschichte ziemlich amateurhaft um. Das fällt vor allem bei dem Mord an einer Prostituierten und dem Schusswechsel am Filmende unangenehm auf.

Außerdem ist die Geschichte teils schleppend, teils sprunghaft mit allzu austauschbaren Charakteren, die uns daher auch ziemlich egal sind, erzählt. Die vier Jungs, die zufällig Zuhälter und Drogenhändler werden, verstehen sich untereinander zu gut. Mit ihren Angestellten, den Nutten, haben sie keine Probleme. Die Damen liefern brav das Geld ab und erfreuen sich an den von ihren Zuhältern gekauften Kleidern und Drogen. Der von Ving Rhames gespielte Großgangster gibt den Gangster-Lehrlingen Tipps für das richtige Gangstertum.

So entsteht schnell der Eindruck, dass sie alle eine glückliche Familie sind. Konflikte gibt es nicht. Nur: wo es keine Konflikte gibt, gibt es auch kein Drama und für einen Gangsterfilm gibt es nichts schlimmeres.

Ving Rhames hat für „Bridge to Nowhere“ wahrscheinlich zwei, drei Tage geopfert und so versucht dem Projekt als Ghetto-Projekt, das vor den Übeln des Gangstertums warnt, eine breitere Öffentlichkeit zu verschaffen.

Trotzdem ist „Bridge to Nowhere“ kein Film, den man sich nicht ansehen muss.

Bridge to Nowhere – Die dunkle Seite des Traums (The Bridge to Nowhere, USA 2009)

Regie: Blair Underwood

Drehbuch: Chris Gutierrez

mit Bijou Phillips, Danny Masterson, Ben Crowley, Daniel London, Thomas Ian Nicholas, Alexandra Breckenridge, Sean Derry, Ving Rhames

DVD

Bronson Entertainment/Koch Media

Bild: 16:9 (1:1,78 anamorph)

Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Bio-/Filmographien, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Bridge to Nowhere“

 

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TV-Tipp für den 28. Februar: Tabu – Eine Geschichte aus der Südsee

Februar 28, 2011

Arte, 00.05

Tabu – Eine Geschichte aus der Südsee (USA 1931/2010, R.: Friedhelm Wilhelm Murnau, Robert J. Flaherty)

Drehbuch: Friedhelm Wilhelm Murnau, Robert J. Flaherty

Die Story ist Nebensache (Reri liebt Matahi. Sie wird Priesterin und er darf sie nicht mehr berühren. Beide fliehen.), die Bilder die Hauptsache.

Denn Friedrich Wilhelm Murnau („Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“, „Der letzte Mann“) war von der Südsee fasziniert, ursprünglich war ein Dokumentarfilm geplant und am Ende wurde es ein Dokumentarfilm mit Spielfilmhandlung (oder umgekehrt).

Tabu“ war Murnaus letzter Film. Er starb vor der Premiere am 11. März 1931 bei einem Autounfall.

Arte zeigt eine digital restaurierte Fassung mit der Original-Filmmusik von Hugo Riesenfeld.

Mit Reri (Anne Chevalier), Matahi, Jean, Jules, Kong Ah

Hinweise

Arte über den Film

Wikipedia über „Tabu“ (deutsch, englisch)

Milestone Film über „Tabu“


TV-Tipp für den 27. Februar: Oscar 2011

Februar 27, 2011

Pro7, 02.00

Oscar 2011 – Die Academy Awards – Live aus L. A.

Ab 01.10 Uhr berichtet Pro 7 vom Roten Teppich, aber erst jetzt geht’s wirklich los. Und wer keine Nachteule ist, kann entweder hier die Gewinner erfahren oder sich auf der Oscar-Seite umfassend über den Preis informieren.

Bereits vergeben sind die Spirit Awards für die besten Independent-Filme („Black Swan“ schlug sich hervorragend) und die Razzies für die schlechtesten Filme.


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Februar 26, 2011

Wer wissen will, welche Krimiverfilmungen in den kommenden Tagen im TV laufen, muss zu den Alligatorpapieren klicken und meine TV-Krimi-Buch-Tipps studieren:

In den kommenden beiden Wochen gibt es einige John-Grisham-Verfilmungen, die üblichen Verdächtigen (Brunetti, Wallander, Lynley/Havers, Laurenti, Barnaby, Huss) und den letzten Teil der Stieg-Larsson-Verfilmungen.
Sehenswert sind, immer wieder, Sam Peckinpahs Western „Sacramento“, Buddy Giovinazzos Kölner-„Tatort“ „Platt gemacht“, Wong Kar-wais „My Blueberry Nights“ (am Drehbuch war auch Lawrence Block beteiligt), Franck Mancusos Lawrence-Block-Verfilmung „Kein Mord bleibt ungesühnt“, Lars Beckers „Nachtschicht: Das tote Mädchen“, Lynda La Plantes „Der Preis des Verbrechens“-Zweiteiler „Spurlos verschwunden“, Guy Hamiltons Ian-Fleming-Verfilmung „Goldfinger“, Alfred Hitchcocks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Das Fenster zum Hof“ und seine Robert-Bloch-Verfilmung „Psycho“, Stanley Donens Marc-Behm/Peter-Stone-Verfilmung „Charade“ (zu einer angenehmen Uhrzeit), Antoine Fuquas Stephen-Hunter-Verfilmung „Shooter“, J. Lee Thompsons John-D.-MacDonald-Verfilmung „Ein Köder für die Besite“, Als TV-Premieren sind Fred Breinersdorfers Debüt als Spielfilmregisseur „Zwischen heut und morgen“ (er drehte vorher einen zehnminütigen Kurzfilm) und Lars Beckers „Amigo – Bei Ankunft Tod“ (nach seinem Roman) sicher einen Blick wert.


TV-Tipp für den 26. Februar: Striptease

Februar 26, 2011

RTL II, 22.45

Striptease (USA 1996, R.: Andrew Bergman)

Drehbuch: Andrew Bergman

LV: Carl Hiaasen: Striptease, 1993 (Striptease)

Erin Grant verdient das Geld für einen Sorgerechtsprozeß in einer Striptease-Bar. Dort verliebt sich Senator Dilbeck in sie und verteidigt sie mit einer Champagnerflasche gegen einen Verehrer. Jerry fotografiert dies und erpresst Dilbeck. Kurz darauf ist er tot und Erin sieht das Sorgerecht gefährdet.

Bis auf die Hauptrolle (Demi Moore, die auch beim Striptease nicht sonderlich erregend wirkt) gelungene Verfilmung eines satirischen Hiaasen-Buches, mit einer grandios aufspielenden Schar Nebendarsteller: Ving Rhames, Burt Reynolds, Armant Assante, Paul Guilfoyle

Wenn der Film zum Lesen des Buches (und der anderen Hiaasen-Werke!) führt, dann kann der Film gar nicht genug gelobt werden

Wiederholung: Sonntag, 27. Februar, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Carl Hiaasen

Meine Besprechung von „Sumpfblüten“ (Nature Girl, 2006)

Meine Besprechung von „Der Reinfall“ (Skinny Dip, 2004)

Meine Besprechung von „Krumme Hunde“ (Sick Puppy, 1999)

Meine Besprechung von „Unter die Haut“ (Skin Tight, 1989)


Neu im Kino/Filmkritik: „Drive Angry“: Einmal Erde und wieder zurück in die Hölle

Februar 25, 2011

Der Trailer für „Drive Angry 3D“ verspricht einen ordentlich-durchgeknallten Actionthriller mit einem kräftigen Siebziger-Jahre-Touch. Nichts originelles, dafür heiße Autos, scharfe Bräute (gerne auch nackt) und hoffnungslos übertriebene Gewalt, frei nach dem Motto „Das Blut muss spritzen“. Kurz: richtig dummes Jungskino, bei dem die Story nur die halbherzige Entschuldigung für den Rest ist.

Und, soviel kann jetzt schon verraten werden: dieses Versprechen löst Patrick Lussiers Film ein.

Nicolas Cage spielt Milton, einen Daddy, der eine Sekte verfolgt, die seine Tochter tötete und bei Vollmond sein Enkelkind (ein kleines unschuldiges Baby) opfern will. Er räumt dabei ziemlich rabiat alles aus dem Weg was ihn an seiner Mission hindern könnte. Dass er dabei zuerst von einem Polizisten einen Brustschuss und später von einem Sektenjünger einen Schuss ins Auge erhält, bringt ihn nicht um. Denn der Verbrecher Milton ist bereits tot und, nachdem er in der Hölle den Mord an seiner Tochter beobachtete, machte er sich auf den Weg aus der Hölle auf die Erde.

Verfolgt wird er von dem Buchhalter. William Fichtner, spielt hier, wie in der TV-Serie „Prison Break“, einen eiskalten Jäger. Aber dieses Mal garniert er seine Rolle mit sardonischem Humor und es ist ersichtlich, warum Fichtner die Rolle angenommen hat.


Dagegen ist Cages Charakter nur ein langweilig-humorloser Terminator-Abklatsch, der auch von irgendeinem anderen Schauspieler hätte gespielt werden können. Selbst wenn er erschossen wird, verzieht er keine Miene.

Amber Heard als seine sehr schlagkräftige Begleiterin ist vor allem Augenfutter für die Jungs im Kinosaal.

Billy Burke sieht als Sektenguru wie ein Elvis-Presley-Imitator aus und es ist auch etwas rätselhaft, warum seine Jünger, ein bunter Haufen Rednecks, gerade einem solchen Milchbubi folgen. Doch die Sekte ist hier, wie wir es aus unzähligen B-Filmen kennen, nur der x-beliebige Aufhänger, um Cage genug Kanonenfutter zu liefern.

Die Action-Szenen sind eine fetzige Mischung aus Old-School-Action bei den Schlägereien, Schusswechseln, Kämpfen und Autoverfolgungsjagden und, immerhin muss der 3D-Effekt weidlich ausgenutzt werden, Bullet-Time-Spielereien.

Dabei, – Was durchaus erstaunlich ist, weil ein hirnloser Action-Film ja eigentlich perfekt für einen 3D-Film sein müsste. -, versaut gerade der 3D-Effekt den Film. Während ein 2D-Film für unser geschultes Auge inzwischen natürlich wirkt, wirkt hier der Film über weite Strecken wie ein Computerspiel mit schlechter Auflösung. Da ist dann nichts vom Dreck in den Bilder zu spüren. Alles wirkt, als sei es am Computer errechnet worden, als hätten die Schauspieler vor einem Blue-Screen agiert und man habe die Hintergründe hastig eingefügt. Zu oft sehen die Action-Szenen nach billigen Tricks aus. Die Autos wirken wie Miniaturmodelle. Bei ruhigen Szenen stören dann die unnatürlichen 3D-Bilder, die wie ein Scherenschnittbild aussehen und daher keinen natürlich-wirkenden Eindruck vom Raum vermitteln. Auch die Landschaftsaufnahmen, gedreht wurde in Louisiana, sehen immer wieder unnatürlich aus.

Diese Bilder reisen einen immer wieder aus der Geschichte und man fragt sich verzweifelt: „Warum nur, Herr Lussier? Warum 3D?“

Drive Angry 3D“ ist, wenn der Film nicht in 3D wäre, eine erfreulich gelungene Reminiszenz an den 70er/80er-Jahre-Actionfilm mit einer Geistergeschichte, die in ihren besten Momenten von Krimi- und Horrorschriftsteller Joe R. Lansdale inspiriert sein könnte. Für einen aktuellen Hollywoodfilm ist auch erstaunlich viel nackte Haut (was für Amis ja immer so furchtbar schockierend ist) und direkter Gewalt, garniert mit den üblichen Einzeilern (wobei der „Buchhalter“ die besten Sätze hat), enthalten. Halt genau das, was der Trailer verspricht und auch bei uns eine Ab-18-Jahre-Freigabe rechtfertigt.

Fortsetzung erwünscht. Dann aber mit „Buchhalter“ William Fichtner in der Hauptrolle und in 2D.

Drive Angry 3D (Drive Angry 3D, USA 2011)

Regie: Patrick Lussier

Drehbuch: Todd Farmer, Patrick Lussier

mit Nicolas Cage (Milton), Amber Heard (Piper), William Fichtner (Der Buchhalter), Billy Burke (Jonah King), David Morse (Webster), Todd Farmer (Frank), Christa Campbell (Mona), Charlotte Ross (Candy), Tom Atkins (Cap), Jack McGee (Fat Lou), Katy Mixon (Norma Jean)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Drive Angry“

Dread Central über „Drive Angry“ (viele Infos)

Collider: Interviews mit Amber Heard und Nicolas Cage, Billy Burke und der ganze Rest

Deutsche William-Fichtner-Fanseite


TV-Tipp für den 25. Februar: Macht über die Insel

Februar 25, 2011

Arte, 20.15

Macht über die Insel (F 2010, R.: Antoine Santana)

Drehbuch: Antoine Santana, Jean-Paul Brighelli

LV: Jean-Paul Brighelli: Pur porc, 2003 (später: Viande froide)

Ein Journalist soll auf Korsika eine Biographie über einen namenlosen, nationalistischen Ex-Kommissar schreiben. Dieser hat Angst um sein Leben, weil er vor einigen Jahren ein Attentat auf einen Beamten fingieren sollte und dieser dann starb.

Anscheinend ziemlich gelungener TV-Politthriller.

mit Francois Berléand, Alexandre Steiger

Wiederholungen

Dienstag, 8. März, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Donnerstag, 17. März, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über den Film

Wikipedia über Jean-Paul Brighelli

Blog von Jean-Paul Brighelli


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