Neu im Kino/Filmkritik: „Drive Angry“: Einmal Erde und wieder zurück in die Hölle

Der Trailer für „Drive Angry 3D“ verspricht einen ordentlich-durchgeknallten Actionthriller mit einem kräftigen Siebziger-Jahre-Touch. Nichts originelles, dafür heiße Autos, scharfe Bräute (gerne auch nackt) und hoffnungslos übertriebene Gewalt, frei nach dem Motto „Das Blut muss spritzen“. Kurz: richtig dummes Jungskino, bei dem die Story nur die halbherzige Entschuldigung für den Rest ist.

Und, soviel kann jetzt schon verraten werden: dieses Versprechen löst Patrick Lussiers Film ein.

Nicolas Cage spielt Milton, einen Daddy, der eine Sekte verfolgt, die seine Tochter tötete und bei Vollmond sein Enkelkind (ein kleines unschuldiges Baby) opfern will. Er räumt dabei ziemlich rabiat alles aus dem Weg was ihn an seiner Mission hindern könnte. Dass er dabei zuerst von einem Polizisten einen Brustschuss und später von einem Sektenjünger einen Schuss ins Auge erhält, bringt ihn nicht um. Denn der Verbrecher Milton ist bereits tot und, nachdem er in der Hölle den Mord an seiner Tochter beobachtete, machte er sich auf den Weg aus der Hölle auf die Erde.

Verfolgt wird er von dem Buchhalter. William Fichtner, spielt hier, wie in der TV-Serie „Prison Break“, einen eiskalten Jäger. Aber dieses Mal garniert er seine Rolle mit sardonischem Humor und es ist ersichtlich, warum Fichtner die Rolle angenommen hat.


Dagegen ist Cages Charakter nur ein langweilig-humorloser Terminator-Abklatsch, der auch von irgendeinem anderen Schauspieler hätte gespielt werden können. Selbst wenn er erschossen wird, verzieht er keine Miene.

Amber Heard als seine sehr schlagkräftige Begleiterin ist vor allem Augenfutter für die Jungs im Kinosaal.

Billy Burke sieht als Sektenguru wie ein Elvis-Presley-Imitator aus und es ist auch etwas rätselhaft, warum seine Jünger, ein bunter Haufen Rednecks, gerade einem solchen Milchbubi folgen. Doch die Sekte ist hier, wie wir es aus unzähligen B-Filmen kennen, nur der x-beliebige Aufhänger, um Cage genug Kanonenfutter zu liefern.

Die Action-Szenen sind eine fetzige Mischung aus Old-School-Action bei den Schlägereien, Schusswechseln, Kämpfen und Autoverfolgungsjagden und, immerhin muss der 3D-Effekt weidlich ausgenutzt werden, Bullet-Time-Spielereien.

Dabei, – Was durchaus erstaunlich ist, weil ein hirnloser Action-Film ja eigentlich perfekt für einen 3D-Film sein müsste. -, versaut gerade der 3D-Effekt den Film. Während ein 2D-Film für unser geschultes Auge inzwischen natürlich wirkt, wirkt hier der Film über weite Strecken wie ein Computerspiel mit schlechter Auflösung. Da ist dann nichts vom Dreck in den Bilder zu spüren. Alles wirkt, als sei es am Computer errechnet worden, als hätten die Schauspieler vor einem Blue-Screen agiert und man habe die Hintergründe hastig eingefügt. Zu oft sehen die Action-Szenen nach billigen Tricks aus. Die Autos wirken wie Miniaturmodelle. Bei ruhigen Szenen stören dann die unnatürlichen 3D-Bilder, die wie ein Scherenschnittbild aussehen und daher keinen natürlich-wirkenden Eindruck vom Raum vermitteln. Auch die Landschaftsaufnahmen, gedreht wurde in Louisiana, sehen immer wieder unnatürlich aus.

Diese Bilder reisen einen immer wieder aus der Geschichte und man fragt sich verzweifelt: „Warum nur, Herr Lussier? Warum 3D?“

Drive Angry 3D“ ist, wenn der Film nicht in 3D wäre, eine erfreulich gelungene Reminiszenz an den 70er/80er-Jahre-Actionfilm mit einer Geistergeschichte, die in ihren besten Momenten von Krimi- und Horrorschriftsteller Joe R. Lansdale inspiriert sein könnte. Für einen aktuellen Hollywoodfilm ist auch erstaunlich viel nackte Haut (was für Amis ja immer so furchtbar schockierend ist) und direkter Gewalt, garniert mit den üblichen Einzeilern (wobei der „Buchhalter“ die besten Sätze hat), enthalten. Halt genau das, was der Trailer verspricht und auch bei uns eine Ab-18-Jahre-Freigabe rechtfertigt.

Fortsetzung erwünscht. Dann aber mit „Buchhalter“ William Fichtner in der Hauptrolle und in 2D.

Drive Angry 3D (Drive Angry 3D, USA 2011)

Regie: Patrick Lussier

Drehbuch: Todd Farmer, Patrick Lussier

mit Nicolas Cage (Milton), Amber Heard (Piper), William Fichtner (Der Buchhalter), Billy Burke (Jonah King), David Morse (Webster), Todd Farmer (Frank), Christa Campbell (Mona), Charlotte Ross (Candy), Tom Atkins (Cap), Jack McGee (Fat Lou), Katy Mixon (Norma Jean)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Drive Angry“

Dread Central über „Drive Angry“ (viele Infos)

Collider: Interviews mit Amber Heard und Nicolas Cage, Billy Burke und der ganze Rest

Deutsche William-Fichtner-Fanseite

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