TV-Tipp für den 31. März: Alexis Sorbas

März 31, 2011

Das Vierte, 20.15

Alexis Sorbas (GR/USA 1964, R.: Michael Cacoyannis)

Drehbuch: Michael Cacoyannis

LV: Nikos Kazantzakis: Bios kai politeia tu Alexē Zormpa, 1946 (Alexis Sorbas)

Auf Kreta erbt der englische Schriftsteller Basil eine Braunkohlemine. Auf der Insel befreundet er sich mit dem lebenslustigem Mazedonier Alexis Sorbas.

Oscarprämierter Klassiker (und nominiert für den Oscar als bester Film), der selten im TV und dann auch noch zu nachtschlafender Stunde läuft. Heute läuft er endlich mal wieder zur Prime Time.

Schon kurz nach seiner Uraufführung hatte der Film Kultstatus. Anthony Quinn verkörperte die Figur des Alexis Sorbas derart lebensecht und eindrucksvoll, dass seine Person auch heute noch mit dieser Filmgestalt identifiziert wird. Cacoyannis gelang eine bisweilen merkwürdig anmutende Mischung aus Idylle und Grausamkeit. (…) Nicht zuletzt aufgrund des legendären Sirtaki-Tanzes, ein gestalterischer und viel zitierter Höhepunkt des Streifens, setzte durch ‚Alexis Sorbas‘ unter intellektuellen Filmfreaks ein wahrer Kreta-Boom ein.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon, 2006)

Mikis Theodorakis schrieb die Musik.
mit Anthony Quinn, Alan Bates, Irene Papas, Lila Kedrova

Hinweise

Wikipedia über „Alexis Sorbas“ (deutsch, englisch)

Alan Bates Film Archive über „Alexis Sorbas“

New York Tims über „Alexis Sorbas“ (Filmkritik vom 18. Dezember 1964)


R. i. P.: H. R. F. Keating, Farley Granger

März 30, 2011

R. i. P. H. R. F. Keating (31. Oktober 1926 – 27. März 2011)

In seiner Heimat war Henry Raymond Fitzwalter Keating, der sich immer nur H. R. F. Keating nannte, ein von Kollegen und Lesern hochgeschätzte Autorität. Denn neben seiner langlebigen Serie um den bescheidenen Inspector Ghote (26 Bände zwischen 1964 und 2009, von denen nur einige ins Deutsche übersetzt wurden und derzeit nur drei Bücher erhältlich sind) schrieb er auch, ab 2000 eine nicht übersetzte siebenbändige Reihe über Detective Chief Inspector Harriet Martens und zahlreiche Einzelwerke. Außerdem war er jahrelang der Krimi-Kritiker der „Times“ und von 1985 bis 2000 Präsident des ehrwürdigen Detection Club.

1996 erhielt er den Cartier Diamond Dagger.

Nachrufe gibt es im Guardian (von Mike Ripley), eine Ergänzung zu seinem Guardian-Nachruf hat Mike Ripley für The Rap Sheet geschrieben, Telegraph, Pretty Sinister Books, Do you write under you own name? (von Krimiautor Martin Edwards), von John Harvey, Mystery Fanfare (Janet Rudolph) und Shots – Crime and Thriller EZine.

 

Weitere Informationen über H. R. F. Keating gibt es bei Wikipedia (deutsch, englisch) und dem Unionsverlag.


R. i. P. Farley Granger (1. Juli 1925 – 27. März 2011)

Am Anfang seiner Karriere hatte er in den Alfred-Hitchcock-Filmen „Rope – Cocktail für eine Leiche“ (1948) und „Der Fremde im Zug“ (Strangers on a train, 1951) die Hauptrolle. Aber anstatt seine Filmkarriere auszubauen, drehte er ab 1955 hauptsächlich für das Fernsehen und spielte Theater am Broadway.

Nachrufe gibt es im Guardian, The Hollywood Reporter, New York Times, Los Angeles Times, Seattle Times (AP-Nachruf) und der Washington Post.


Hammett lässt Helmich lesen

März 30, 2011

Am Donnerstag, den 31. März, präsentieren die Krimibuchhandlung Hammett, der Pendragon Verlag und das Kreuzberger Literaturhaus Lettrétage, um 19.30 Uhr im Literaturhaus Lettrétage (Methfesselstraße 23-25, Berlin-Kreuzberg, Nähe U-Bahnhof Platz der Luftbrücke) Hans Helmich.

Der Krimiautor und Deutsche-Welle-TV-Redakteur liest aus seinem Debütroman „Stadt der Spitzel“ und beantwortet Fragen zu der in Berlin spielenden Geschichte.

Der Eintritt ist frei, aber das Buch kann käuflich erworben werden.

Und wer am Donnerstag keine Zeit hat, kann eine der nächsten Lesungen von Hans Helmich besuchen.

Und darum geht es in „Stadt der Spitzel“:

Im winterlichen Berlin kommt es zu einem grausigen Fund. In einem alten Wohnhaus werden menschliche Knochen im düsteren Keller gefunden – eingemauert. Als der Fernsehjournalist Martin Pollock von einem anonymen Anrufer den Tipp erhält, dass an dieser Geschichte mehr dran ist, ist seine Neugierde geweckt.

Während die Polizei den Fall nur mit mäßigem Interesse verfolgt, stößt Pollock auf Spuren, die ihn in die Berliner Hausbesetzer-Szene der 70er und 80er Jahre führen. Doch seine Nachforschungen bleiben nicht unbemerkt. Pollock gerät in das Visier undurchsichtiger Mächte. Welche Rolle spielt der geheimnisvolle Russe in diesem Fall? Und wie weit reicht der Arm des ehemals übermächtigen KGB? Der Kalte Krieg scheint noch lange nicht überwunden und fordert weitere Opfer …


Stefan Kiesbyes Erzählungen aus der norddeutschen Provinz

März 30, 2011

Als Stefan Kiesbye auf der Leipziger Buchmesse ein Kapitel aus seinem neuesten Buch „Hemmersmoor“ vorlas, bemerkte ich, dass es nicht so schlecht ist. Jedenfalls wenn man das Buch nicht kennt.

Kiesbye las vor, wie einige Kinder einen achtjährigen Freund in den Tod treiben, indem sie ihn im Eiswasser nach einer Axt tauchen lassen.

Dieses Ereignis wird auf den Seiten 78 bis 85 erzählt.

Davor ist bereits einiges geschehen: Zugezogene wurden gelyncht, ein siebenjähriger Junge brachte seine Schwester um, eine andere Frau wurde in den Tod getrieben und ein Vater schwängerte seine Tochter.

Also schon mehr als genug Schandtaten für einen sehr blutigen Thriller.

Danach wird weniger gemordet. Sex und Inzucht sind ja auch ganz nett. Aber man ist schon etwas erstaunt, wenn ein Kapitel ohne eine Leiche endet. Dafür gibt’s dann im nächsten Kapitel gleich neun Babyleichen, die von ihrer Mutter ermordet und vergraben wurden.

Dieses groteske Übermaß an Sex und Gewalt, das Sodom und Gomorrha zu einem idyllischen Ort macht, langweilt allerdings schnell und raubt dem episodischem Buch jede Glaubwürdigkeit. Denn das alles soll sich innerhalb weniger Jahre in den späten Fünfzigern, frühen Sechzigern in einem kleinen Dorf in Norddeutschland ereignen. Und jedes Ereignis steht seltsam isoliert neben dem anderen. Denn Kiesbyes Schauerroman „Hemmersmoor“ kann am besten als eine Serie von Kurzgeschichten, bei denen zwar die gleichen Charaktere auftreten und die alle an dem gleichen Ort spielen, aber die sonst nichts miteinander zu tun haben, beschrieben werden.

Auch der Kniff, die einzelnen Geschichten von vier verschiedenen Charakteren, die meistens auch Täter sind, erzählen zu lassen, nutzt sich schnell ab und zeigt eher die Grenzen des Erzählers auf. In den ersten Geschichten sind Kiesbyes Ich-Erzähler sieben Jahre alt; am Ende des Buches stehen sie kurz vor ihrem Schulabschluss. Denn sie sprechen alle mit der distanzierten Stimme des Erzählers Stefan Kiesbye, die den gewollten (?) Eindruck hinterlässt, dass die Kinder absolute Psychopathen sind und weder als Kind noch als Erwachsene irgendeine Spur von Reue empfinden.

Diese distanzierte Sprache kennen wir bereits aus Stefan Kiesbyes hochgelobtem Debüt „Nebenan ein Mädchen“. In dem dünnen Buch (eher eine lange Kurzgeschichte oder eine Novelle) erzählt Moritz von seiner beginnenden Pubertät in einem kleinen Ort in den sehr späten Siebzigern im norddeutschen Wedersen. Dort bekämpfen sich zwei Jugendcliquen: die Dachse und die Füchse. Die Dachse entdecken einen Bunker, sie stellen Frauen nach, sie entdecken ein Findelkind und irgendwann geschieht ein Mord.

Nebenan ein Mädchen“ ist, wie „Hemmersmoor“, das in einem geographischem und zeitlosem Nirgendwo angesiedelte, exemplarisch gemeinte Porträt einer deutschen Kleinstadt und dem Dorfleben, das dank einiger wohlplatzierter Hinweise auf Bands und Bücher (Hach, Kate Bush und Barclay James Harvest. Huch, Fanny Hill und Casanova.), aber nicht auf Filme und TV-Sendungen, einige nostalgische Erinnerungen wecken kann (wobei die einen dann an die Pink-Floyd-LPs mit Syd Barrett, die anderen an die Pink-Floyd-LPs ohne Syd Barrett denken. Einige werden „Wish you were here“, andere werden „The Wall“ hören.). Aber gleichzeitig berührt einen die Erzählung mit ihren vielen knappen Szenen und spartanischen Beschreibungen nicht. Denn während die Gewalt anfangs noch nachvollziehbar ist und durchaus in einem eher zufälligem Totschlag enden könnte (was zu einer Jugendstrafe führen würde), kommt der von Moritz und seinen Freunden geplante Mord ziemlich unvermittelt. Ebenso ist ihr Verhalten zu einem Findelkind in dieser Mischung aus emotionslosem Forscherblick, falscher Zuneigung und Verschwiegenheit kaum nachvollziehbar. Und dann gibt es – immerhin stehen pubertierende Jungs im Mittelpunkt – den ersten Sex.

Während „Nebenan ein Mädchen“ noch als Talentprobe durchgehen konnte, liest sich Stefan Kiesbyes zweiter Roman „Hemmersmoor“ wie ein ganz schlechtes Stephen-King-Best-of („Hey, lass uns einfach nur die Horrorszenen aneinanderklatschen.“) oder „Tannöd“ auf Acid.

Stefan Kiesbye: Hemmersmoor

Tropen, 2011

208 Seiten

17,95 Euro

Stefan Kiesbye: Nebenan ein Mädchen

(übersetzt von Stefan Kiesbye)

Heyne, 2010

208 Seiten

7,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Jens Seeling Verlag, 2008

Originalausgabe

Next door lived a girl

Low Fidelity Press, New York 2004

Hinweise

Homepage von Stefan Kiesbye

Klett-Cotta Verlagsblog: Interview mit Stefan Kiesbye (21. März 2011)

Börsenblatt: Interview mit Stefan Kiesbye (16. Juli 2009)

Bonusmaterial



 


TV-Tipp für den 30. März: Die Abenteuer des Rabbi Jacob

März 30, 2011

Das Vierte, 20.15

Die Abenteuer des Rabbi Jacob (F 1973, R.: Gèrard Oury)

Drehbuch: Gérard Oury, Danièle Thompson, Josy Eisenberg, Roberto De Leonardis

Victor Buntspecht muss sich als Rabbi verkleiden. Dummerweise mag er Juden nicht.

Well, Classic Louis de Funes.

‚Die Abenteuer des Rabbi Jacob‘, den alle Kritiker für Gérard Ourys besten Film anerkannt haben (vielleicht weil seine Komik die nuancierteste war), stieß sofort auf einen gewaltigen Erfolg beim Publikum: 600.000 Besucher in Paris in drei Wochen; 900.000 in sechs Wochen.“ (Robert Chazal: Louis de Funès)

mit Louis de Funès, Marcel Dalio, Claude Giraud, Henri Guybet, Miou-Miou

Wiederholung: Donnerstag, 31. März, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Louis de Funès (deutsch, englisch, französisch)

 


Cover der Woche

März 29, 2011


TV-Tipp für den 29. März: Stieg Larsson: Verdammnis

März 29, 2011

ZDFneo, 23.00

Stieg Larsson: Verdammnis (Schweden 2009, R.: Daniel Alfredson)

Drehbuch: Jonas Frykberg

LV: Flickan Som Lekte Med Eldem, 2006 (Verdammnis)

Die Polizei hält Lisbeth Salander für eine Mörderin. Ihr Freund, der Journalist Mikael Blomkvist, will’s nicht glauben. Und, auf getrennten Wegen, suchen sie den wahren Mörder, decken einiges über Salanders Vergangenheit und einige schmutzige Regierungsgeheimnisse auf.

Verfilmung des zweiten Bandes der “Millenium”-Trilogie von Stieg Larsson. Die TV-Version verlängert die 129-minütige Kinoversion (die heute ihre TV-Premiere hat) um eine gute Stunde auf drei Stunden.

Für den Kinofilm wurde gottseidank viel Ballast aus dem Schmöker gestrichen. Allerdings fällt so auch die sehr windige Konstruktion der Geschichte noch deutlicher auf. Aber den Fans der Romane dürfte die werkgetreue Verfilmung gefallen.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Andersson, Michalis Koutsogiannakis, Annika Hallin, Yasmine Garbi, Per Oscarsson, Georgi Staykov, Paolo Roberto (als er selbst)

Hinweise

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte


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