Robert B. Parker, Spenser und ein „Trügerisches Bild“

Zuerst die schlechte Nachricht: Hawk hat in „Trügerisches Bild“, dem neuesten Spenser-Krimi von Robert B. Parker, keinen Auftritt.

Aber sonst verläuft alles in den gewohnten Bahnen. Auf den ersten Seiten übernimmt der in Boston arbeitende Privatdetektiv Spenser einen neuen Auftrag. Er soll seinen Auftraggeber, Dr. Ashton Prince, zu einer Geldübergabe begleiten. Im Hammond Museum wurde das Gemälde „Dame mit einem Finken“ des im siebzehnten Jahrhundert lebenden Malers Frans Harmenszoon gestohlen und jetzt verlangen die Erpresser Lösegeld für das Bild.

Nachdem Prince den Erpressern das Geld gegeben hat, wird er von einer Bombe zerfetzt. Spenser fühlt sich, weil sein Auftraggeber vor seinen Augen umgebracht wurde, in seiner Berufsehre gekränkt. Er sucht also auf eigene Faust und pro bono den Täter.

Er beginnt in Princes Vergangenheit herumzustochern. Noch bevor er eine erste handfeste Spur hat, wird ein hinterhältiger Anschlag auf ihn verübt. Diese Anschläge bestimmten dann den Rhythmus der Geschichte. Denn Spenser versteckt sich nicht, sondern präsentiert sich ohne Bodyguards den Attentätern, in der Hoffnung über sie an die Bilderdiebe zu gelangen (Total genialer Plan!).

Später entdeckt er eine Verbindung zur seltsamen Herzberg-Stiftung, die Nazi-Beutekunst sucht, etwas mit dem Harmenszoon-Gemälde und Princes Vergangenheit zu tun hat und wahrscheinlich hinter dem Diebstahl und den Anschlägen auf Spenser steckt.

Robert B. Parker starb am 18. Januar 2010 an seinem Schreibtisch und „Trügerisches Bild“ ist eines der letzten Werke des enorm produktiven Schriftstellers. In den siebziger Jahren leitete er mit seinen Spenser-Romanen eine Renaissance des Privatdetektivromans ein. In den folgenden Jahren beeinflusste er zahlreiche jüngere Autoren und viele Elemente des modernen Privatdetektivromans gehen auf ihn zurück. Am bekanntesten dürfte dabei der skrupellose Freund des Helden sein. Für Spenser ist das seit Ewigkeiten Hawk.

In den vergangenen Jahren, nachdem es in den späten Achtzigern und Neunzigern einige sehr schwache Spenser-Romane gab, fand Parker halbwegs zu seiner alten Form zurück. Denn viel zu oft scheint er einfach drauf los zu schreiben und sein Seitenlimit (immer noch um die zweihundert Seiten) mit vielen kurzen Kapiteln („Trügerisches Bild“ besteht aus 67 Kapiteln) und Dialogen zu füllen. Diese lakonischen Dialoge und der unprätentiöse Schreibstil von Robert B. Parker sorgen dann immer wieder für einen vergnüglichen Abend.

Zuletzt die gute Nachricht: „Trügerisches Bild“ ist nicht der letzte Spenser-Roman. In den USA ist für September „Sixkill“, der, wenn man den Young-Spenser-Roman „Chasing the bear“ mitzählt, vierzigste Spenser-Roman angekündigt.

Und das dürfte dann der endgültig letzte Spenser-Roman sein.

Robert B. Parker: Trügerisches Bild
(übersetzt von Frank Böhmert)

Pendragon, 2011

216 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Painted Ladies

G. P. Putnam’s Sons, New York 2010

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte

Bonus

 

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