R. i. P. Sidney Lumet

R. i. P. Sidney Lumet (25. Juni 1924, Philadelphia, Pennsylvania – 9. April 2011, New York City, New York)

Nicht jeder seiner Filme (ich nenne nur das überflüssige John-Cassavetes-Remake „Gloria“) wurde ein Klassiker. Aber die meisten Sidney-Lumet-Filme sind richtig gut und es gibt erstaunlich viele Klassiker dabei. Schon das Kinodebüt des Live-TV-Regisseurs, die Theaterverfilmung „Die zwölf Geschworenen“ (12 angry Men, USA 1957), wurde ein Klassiker. Gleichzeitig steckte Sidney Lumet mit diesem Film bereits die wichtigsten Pfeiler seines künftigen Schaffens ab: die Frage nach Schuld, Unschuld, schuldig werden und der Verantwortung des Einzelnen, das Funktionieren und Nicht-Funktionieren von Systemen (die Korruption innerhalb der Systeme thematisierte er erst später), die Wichtigkeit von guten Schauspielern, Drehbuch und einer der Geschichte dienenden Kamera. Denn in diesem Punkt war Lumet immer angenehm altmodisch. Auch in seinem letzten Film, dem grandiosem Noir-Drama „Tödliche Entscheidung“ (Before the Devil knows you are dead, USA 2007) blieb er sich in jedem Punkt treu.

Dazwischen drehte Sidney Lumet „Angriffsziel Moskau“ (Fail Safe, USA 1964), „Ein Haufen toller Hunde“ (The Hill, GB 1965), seine erste Zusammenarbeit mit Sean Connery, „Der Anderson-Clan“ (The Anderson Tapes, USA 1971), „Sein Leben in meiner Gewalt“ (The Offence, GB 1972), „Mord im Orient-Express“ (Murder on the Orient Express, GB 1974) und „Family Business“ (Family Business, USA 1990) folgten, „Serpico“ (Serpico, USA 1973) und „Hundstage“ (Dog Day Afternoon, USA 1975) festigten den Ruf von Al Pacino als grandiosem Schauspieler, „Network“ (Network, USA 1976) ist eine erschreckend aktuelle Mediensatire, „Prince of the City“ (Prince of the City, USA 1981), „The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ (The Verdict, USA 1982), „Tödliche Fragen“ (Q & A, USA 1990), „Nacht über Manhattan“ (Night falls on Manhattan, USA 1996) und das unterschätzte „Find me guilty – Der Mafiaprozess (Find me guilty, USA 2006) beschäftigten sich immer wieder mit dem Rechtssystem. In „Daniel“ (Daniel, USA 1983) und „Die Flucht ins Ungewisse“ (Running on empty, USA 1988) beschäftigte er sich mit der jüngeren amerikanischen Vergangenheit. In „Power – Der Weg zum Ruhm“ (Power, USA 1986) wirft er einen erhellenden Blick auf die US-amerikanischen Wahlkämpfe.

Und dabei habe ich seine wenigen, eher gradlinigen Kriminalfilme, wie „Der Morgen danach“ (The morning after, USA 1986), „Sanfte Augen lügen nicht“ (A stranger among us, USA 1992) und „Jenseits der Unschuld“ (Guilty as sin, USA 1993), seine Komödien und Dramen noch nicht erwähnt.

Sehenswert sind alle seine Filme. Sie sind unterhaltsam, gut gemacht und meistens ist man am Ende des Films sogar etwas schlauer als vorher.

2005 erhielt er seinen einzigen Oscar: einen Ehrenoscar. Damit erging es ihm wie Alfred Hitchcock, der 1968 den Irving G. Thalberg Memorial Award erhielt.

Sidney Lumet starb am 9. April in der Stadt, die immer im Mittelpunkt seiner Arbeit stand und deren Chronist er war: New York City.

Nachrufe gibt es bei Spiegel Online, FAZ, Telegraph und der New York Times.

Sidney Lumet in der Kriminalakte und bei Wikipedia (deutsch, englisch).

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8 Responses to R. i. P. Sidney Lumet

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