DVD-Kritik: Der BBC-Krimi-Klassiker „Am Rande der Finsternis“

Meilenstein der Fernsehgeschichte“ meint Martin Compart in „Crime TV“ über die sechsteilige BBC-Serie „Am Rande der Finsternis“.

Es ist aus vielerlei Gründen einer der aufregendsten Filme seit langem, unter anderem, weil er plastisch, mit atmosphärischer Eleganz, vor Augen führt, dass Politik längst nicht mehr das zentrale Steuerungselement der Gesellschaft ist, in dem der Sinn des Systems zusammenfließt“, schrieb Wolfram Knorr im Januar 1988 in der „Weltwoche“.

1986 gewann die Miniserie sechs BAFTA-Awards und war für fünf weitere nominiert. Im Bonusmaterial heißt es, dass keine Serie mehr Preise gewonnen habe; – wobei man den Preisregen natürlich aus damaliger Sicht, als bereits eine Nominierung etwas Besonderes war, sehen muss. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der zu vergebenden Preise ja inflationär zugenommen.

Und in England waren Kritiker und Zuschauer von der Krimiserie begeistert.

In Deutschland lief die Serie anscheinend nur einmal im TV; – was für die Qualität der Serie spricht.

2010 gab es dann das Hollywood-Spielfilmremake. „Auftrag Mord“ hieß der Film. Martin Campbell, der bereits das Original inszenierte und danach als James-Bond-Regisseur Weltruhm erlangte, führte wieder Regie (Vielleicht dachte er dabei an Alfred Hitchcock, der seinen „Mann, der zuviel wusste“ auch zweimal drehte.). Mel Gibson übernahm nach siebenjähriger Leinwandabstinenz die Hauptrolle. In etlichen Kritiken stand, dass das Original besser sei. Aber wer kannte damals wirklich das Original?

Denn die Geschichte des Yorkshire-Polizisten Ronald Craven, der zunehmend fanatisch den Mörder seiner in der Öko-Aktivistengruppe GAIA politisch aktiven 21-jährigen Tochter sucht und sich dabei mit der Regierung, den Geheimdiensten und multinationalen Konzernen anliegt, ist fest in den frühen achtziger Jahren (nach Harrisburg, aber noch vor Tschernobyl) verhaftet. Das gilt für die Geschichte und wie sie erzählt wird. Denn die oft scheinbar endlos langen Einstellungen auf unbewegte Gesichter sind heute, abgesehen von langatmig-depressiven skandinavischen Krimis, nicht mehr zeitgemäß.

Dafür ist das Thema des Ökothrillers immer noch und nach Fukushima und je mehr von dem Geschäftsgebaren des AKW-Betreibers Tepco ans Tageslicht kommt, aktueller denn je. Denn auch International Irradiated Fuels Ltd., der Atomkonzern im Film, der in Northmoor schwach radioaktives Material lagern soll (es aber mit den Grenzwerten nicht so genau nimmt), hat de facto einen Staat im Staat errichtet und Staat und Wirtschaft tun alles, um ihre schmutzigen Geschäfte zu schützen.

Vielleicht ist „Am Rande der Finsternis“ aus heutiger Sicht etwas überschätzt. Aber in in jedem Fall ist der Sechsteiler ein sehenswerter, langsam erzählter Öko-Thriller, der einen ziemlich zynischen Blick auf die Geschäfte der Geheimdienste, Konzerne und Politik wirft.

Die DVD

Das umfangreiche Bonusmaterial wurde von der englischen DVD-Ausgabe von 2003 übernommen und allein schon der Umfang zeigt, wie wichtig die inzwischen über 25 Jahre alte Serie ist. Es gibt eine extra für die DVD produzierte, über halbstündige Doku zur Serie, bei dem auch Drehbuchautor Troy Kennedy Martin (Erfinder der langlebigen Polizeiserie „Z Cars“, Drehbücher für Polizeiserie „The Sweeney“ [Die Füchse], „The Italian Job“ [Charlie staubt Millionen ab] und „Kelly’s Heroes“ [Stoßtrupp Gold]) ausführlich zu Wort kommt.

Außerdem wurde in den BBC-Archiven gewühlt. Es gibt Aufnahmen von der BAFTA-Preisverleihung, Interviews mit Hauptdarsteller Bob Peck (der 1999 53-jährig starb) und eine kleine Kritikerrunde, die nach der dritten Folge ausgestrahlt wurde.

Insgesamt gibt es eine sehr informative Stunde, in der die damaligen Reaktionen neben neueren Meinungen und Rückblicken stehen.

Weniger beeindruckend ist dagegen die oft erschreckend schlechte Bildqualität der einzelnen Folgen. Gerade in den Nachtaufnahmen und den Aufnahmen aus der unterirdischen Lagerstätte Northmoor (in der fünften Episode) sind oft milchig-zugesuppt und die Helligkeit schwankt stark. Da glaubt man eher, einen Film aus den dreißiger Jahren als eine TV-Serie aus den Achtzigern zu sehen.

Am Rande der Finsternis (Edge of Darkness, GB 1985)

Regie: Martin Campbell

Drehbuch: Troy Kennedy Martin

mit Bob Peck, Joanne Whalley, Joe Don Baker, John Woodvine, Charles Kay, Ian McNeice

auch bekannt als „Der Plutonium-Affäre“

DVD

Polyband

Bild: 1,33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital Mono 1.0)

Untertitel: –

Extras (mit deutschen Untertiteln): MAGNOX – Die Geheimnisse von „Am Rande der Finsternis“, Haben Sie das gesehen?, Broadcasting Press Guild Award 1986, Der 1986er BAFTA-Award, Interview mit Bob Peck, Alternativer Abspann Episode 6

Länge: 318 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

BBC über „Am Rande der Finsternis“

BFI Screen Online über „Am Rande der Finsternis“

Wikipedia über „Am Rande der Finsternis“ (deutsch, englisch)

Umfangreiche Fanseite über „Am Rande der Finsternis“

Troy Kennedy Martin über „Am Rande der Finsternis“ (1989)

Bournemouth University: Troy Kennedy Martin über das Drehbuchschreiben

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2 Responses to DVD-Kritik: Der BBC-Krimi-Klassiker „Am Rande der Finsternis“

  1. […] in der Entwicklungshölle verschwunden ist) drin gewesen. Martin Campbell hat den TV-Klassiker „Edge of Darkness“ (Am Rande der Finsternis) gedreht und mit seinem zweiten James-Bond-Film „Casino Royale“ einen tollen Bond-Reboot […]

  2. […] Rache“ ist das Remake der hochgelobten, sechsstündigen BBC-Serie „Am Rande der Finsternis“ (Edge of Darkness) von 1985, die ebenfalls von Martin Campbell inszeniert wurde und ein mit mehreren BAFTAs (unter […]

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