Altlastenbeseitigung: Text und Bild, Teil 2

Es hilft nichts. Ich muss endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufräumen. Dabei kann ich dann auch einige Werke, die ich teils schon vor Monaten genossen, aber bis jetzt immer noch nicht besprochen habe, endlich, nicht immer in der gebührenden Länge, besprechen.

Der Kinoeinsatz der „Losers“, der weitgehend auf dem ersten „The Losers“-Band „Goliath“ basiert, floppte an der Kinokasse und wurde bei uns leider nur auf DVD veröffentlicht. Denn die „Losers“ (ein Special-Forces-Team, das von ihren Vorgesetzten verraten wurden und bei einem Einsatz sterben sollte, überlebte, will sich jetzt für den Verrat rächen und wird von ihren Ex-Chefs gejagt) waren vergangenes Jahr das bessere „A-Team“. Trotzdem dürfte das magere Einspielergebnis das letzte Wort über weitere Einsätze der „Losers“ gesprochen haben.

Die im Original bereits zwischen 2003 und 2006 veröffentlichte Comicserie geht dagegen weiter. Der zweite „The Losers“-Band „Die Insel“ ist im wesentlichen ein Luftholen nach dem ersten Einsatz, als sie auf der Suche nach Beweisen für die Untaten der CIA und ihres Auftraggebers Max den Hafen von Houston in einen äußerst sanierungsbedürftigen Zustand versetzten, und eine Vorbereitung für den dritten Band.

So erfahren wir zunächst, wie die „Loser“ die Auszeit verbringen und nach weiteren Hinweisen über Max suchen. Dann brechen sie in die Karibik auf. Denn dort hat Max in einer Villa etwas für ihn sehr Wichtiges versteckt und die Loser wissen, dass etwas, das für Max wertvoll ist, auch für sie wertvoll ist.

Die Insel“ ist, wie schon der erste „Losers“-Band, ein feiner Action-Comic, bei dem die amerikanischen Geheimdienste mal wieder schlecht wegkommen. Denn für sie zählt ein Menschenleben wenig, eine Intrige viel.

Ein Zitat von US-Präsident Abraham Lincoln beschließt „Die Insel“: „Gewisse Unternehmen haben sich etabliert, und eine Ära der Korruption wird folgen. Und die Vermögenden im Lande werden alles tun, um diesen Zustand zu verlängern, indem sie die Voreingenommenheit der Menschen zu ihrem Vorteil nutzen, bis der Wohlstand sich in wenigen Händen angesammelt hat und die Republik zerstört ist.“

Was das Zitat für die „Loser“ und ihren Gegner Max bedeutet, werden wir im dritten „Losers“-Band, der für Mitte Mai angekündigt ist, erfahren.

Andy Diggle (Autor)/Jock (Zeichnungen)/Shawn Martinbrough (Zeichner): The Losers: Die Insel (Band 2)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics/Vertigo, 2010

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

The Losers, Vol. 7 – 12

DC Comics, 2004

Hinweise

Homepage von Andy Diggle

Blog von Andy Diggle

Homepage von Jock

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jocks „The Losers: Goliath“

In der feinen TV-Action-Serie „Human Target“ holt Bodyguard Christopher Chance für andere die Kastanien aus dem Feuer. Gespielt wird Chance von Mark Valley, der mir als Christopher Chance wesentlich besser gefällt als als Anwalt Brad Chase in „Boston Legal“. Zur TV-Serie wurde auch die Comicserie wiederbelebt.

Denn die TV-Serie basiert auf einem von Len Wein erfundenem Charakter, der bereits 1972 seinen ersten Auftritt hatte. Chance war eine Mischung aus Privatdetektiv und Bodyguard, der zum Erfüllen seiner Aufträge die Identität seines Auftraggebers (aka des potentiellen Opfers eines Anschlags) annahm.

Für die Serie wurde dann einiges geändert. Immerhin hätte Chance sich dann in jeder Folge verkleiden müssen. Deshalb ist er jetzt ein ehemaliges Mitglied einer Geheimorganisation, das den Alias „Christopher Chance“ angenommen hat (vor ihm gab es bereits andere „Christopher Chances“), jetzt für Geld das menschliche Schutzschild für seine Klienten spielt und sie so vor Anschlägen schützt oder aus der Bredouille herausholt. Weil er die Gefahr liebt, nimmt er am liebsten lebensgefährliche Aufträge an.

Der Comic „Kopfgeld für den Paten“ erzählt mit den Charakteren und in der Welt der TV-Serie ein weiteres Abenteuer von Christopher Chance, das ihn um den gesamten Globus führt. Denn der alternde und vom schlechten Gewissen geplagte Pate Angelo Morelli will kurz vor seinem Tod (Krebs!) als Kronzeuge aussagen. Chance soll ihn sicher von seinem Versteck in der Nähe von Paris nach Washington bringen. Auf ihrer Reise will Morelli für seine Aussage allerdings noch die in Paris, Vatikan, Venedig, einer abgelegenen Hütte in den Alpen und Hongkong versteckten Beweise einsammeln. So wird der eh schon gefährliche Auftrag für Christopher Chance, weil sie von Mafia-Killern erbarmungslos gejagt werden, zu einer klassischen Selbstmordmission.

Für Fans der TV-Serie (zu denen ich gehöre) ist „Kopfgeld für den Paten“ ein weiteres spannendes Abenteuer mit Christopher Chance, seinen beiden Freunden, Detective Laverne Winston und Guerrero, einer schönen Frau (aka „Babe of the Week“) und viel Action, die das Budget einer „Human Target“-Serienfolge gesprengt hätte (obwohl die einzelnen Folgen normalerweise nicht vor Ort gedreht werden).

Len Wein (Autor)/ Bruno Redondo (Zeichner): Human Target: Kopfgeld für den Paten (Band 1)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics, 2011

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Human Target, Vol. 1 – 6

DC Comics, 2010

Hinweise

Kriminalakte über die TV-Serie „Human Target“

Thrilling Detective über Christopher Chance

Die Verfilmung von „Jonah Hex“ war ein Desaster, das niemand sehen wollte. Der Film war, so hört man, auch außergewöhnlich schlecht und, wie schon der Trailer zeigt, sehr fern von der Vorlage. Eigentlich hat man nur die Landschaft (Wilder Westen), den Namen des Helden und sein verunstaltetes Gesicht übernommen.

In den Comics ist Jonah Hex ein zynischer Kopfgeldjäger, der nicht lange fackelt. In dem zweiten „Jonah Hex“-Sammelband „Rächende Colts“ sind sechs weitere von den aktuellen „Jonah Hex“-Autoren Jimmy Palmiotti und Justin Gray geschriebene Abenteuer enthalten, in denen Jonah Hex etliche Bösewichter umbringt. Die amoralischen Geschichten sind dabei in jeder Beziehung vom Spaghetti-Western inspiriert.

In den USA schreiben Jimmy Palmiotti und Justin Gray fleißig weitere „Jonah Hex“-Geschichten. Das 67. Heft ist gerade erschienen. Bei uns scheinen die Verkaufszahlen, wie fast immer bei Western, eher mau gewesen zu sein. Denn bislang hat Panini noch keine weiteren „Jonah Hex“-Sammelbände angekündigt.

Jimmy Palmiotti (Autor)/Justin Gray (Autor)/Luke Ross (Zeichner): Jonah Hex – Rächende Colts (Band 2)

(übersetzt von Christian Heiss)

Panini Comics/DC Comics, 2010

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Jonah Hex 7: Eine Hochzeit und fünfzig Begräbnisse (One Wedding and fifty Funerals, Juli 2006)

Jonah Hex 8: Verschließe niemals die Augen (Never turn a blind Eye, August 2006)

Jonah Hex 9: Der vertriebene Fluch (Gettin‘ un-haunted, September 2006)

Jonah Hex 10: Alligatormenü (Gator Bait, Oktober 2006)

Jonah Hex 11: Ein Baum zum Hängen (The hangin‘ Tree, November 2006)

Jonah Hex 12: Blutspuren im Schnee (Bloddstained Snow, Dezember 2006)

Hinweise

Blog von Jimmy Palmiotti

Meine Besprechung von „Jonah Hex: Zeit zu sterben (Band 1)“

Irgendwie war Brian Azzarellos Western-Serie „Loveless“ von Anfang an vermurkst. Es begann mit Wes Cutter, der nach dem Bürgerkrieg in seinen Heimatort, das Südstaatenkaff Blackwater, zurückkehrte, um sich für erlittenes Unrecht zu rächen. Nachdem er hinterrücks erschossen wird, will seine Frau Ruth ihn rächen – und, wie man bei dem Titel „Stunde der Abrechnung“ zu recht vermuten kann, tut sie das auch gnadenlos. Diese Abrechnung umfasst die erste Hälfte des Sammelbandes. In der zweiten Hälfte sind drei kurze Geschichten abgedruckt, die 1906, 1927 und 1934 in den Südstaaten spielen und, weil sie gar nicht mehr den Anspruch erheben, Teil eines großen, Jahrzehnte umspannenden Erzählung zu sein, sind sie als Einzelgeschichten wesentlich besser als die vorherige Western-Geschichte.

Die deutlich vom Italo-Western inspirierte Serie „Loveless“ endet mit der „Stunde der Abrechnung“ so unbefriedigend, wie sie mit „Blutrache“ begann.

Brian Azzarello (Autor)/Danijel Zezelj (Zeichner)/Werther Dell’edera (Zeichner): Loveless – Stunde der Abrechnung (Band 4)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics/Vertigo, 2010

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Loveless, Vol. 19 – 24

Vertigo 2007/2008

Hinweise

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Weitaus gelungener als „Loveless“ ist die ebenfalls von Brian Azzarello erfundene Serie „100 Bullets“ die mit „Das dreckige Dutzend“ zielstrebig auf ihr Ende zusteuert. Dabei wird die Prämisse, mit der die Serie „100 Bullets“ begann („Was würdest du tun, wenn jemand dir die Möglichkeit gibt, dich für ein großes Unrecht zu rächen, ohne dass du dafür von der Justiz bestraft wirst?“), nicht mehr weiter beachtet. Stattdessen bereiten sich die Minutemen, eine Killertruppe, die in Atlantic City vernichtet werden sollte, aber an verschiedenen Orten untertauchen konnte, und der Trust, eine Vereinigung von 13 einflussreichen Familien, auf ihren letzten Kampf vor. Dabei war die geplante Vernichtung der Minutemen nur ein Schachzug im Kampf der Trust-Familien untereinander.

Im dreizehnten und letzten „100 Bullets“-Sammelband kommt dann der Kampf zwischen den Minutemen und dem Trust zum Ende und wir dürften auch alle, jetzt teilweise noch rätselhaften Hintergründe erfahren. Dann ist auch die Zeit für eine große umfassende Besprechung, die viele Spoiler enthalten wird.

Bis dahin kann ich nur sagen: „Das dreckige Dutzend“ ist ein weiterer überzeugender Band einer grandiosen Krimiserie, die chronologisch gelesen werden sollte.

Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): 100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics/Vertigo, 2011

132 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

100 Bullets, Vol. 84 – 88

Vertigo, 2007/2008

Hinweise

Wikipedia über „100 Bullets“ (deutsch, englisch)
Britische Fanseite zu „100 Bullets“

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

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