DVD-Kritik: Die „Serie in Schwarz“ für den Krimifan

Es begann mit der „Suite Noire“, einer seit 2007 in der Éditions La Branche von Jean-Bernard Pouy herausgegebenen Reihe von Kurzromanen (oder längeren Kurzgeschichten oder, lose gebraucht, Novellen), die sich am Noir orientieren und jedes Werk ist vom Titel her eine Hommage an einen oft bekannten Noir- oder Pulp-Roman. Deshalb dürfte Krimi-Fans bei vielen Titeln ein wohliger Schauer des Erkennens über den Rücken laufen.

Acht dieser Noirs wurden 2009 als „Suite Noire“ (Originaltitel) oder „Serie in Schwarz“ (Deutscher Titel) verfilmt und die so entstanden, jeweils einstündigen Filme sind für die Freunde des Schwarzen Humors und des Noirs ein Vergnügen. Denn alle Filme, von verschiedenen Regisseuren inszeniert und teils hochkarätig besetzt (so spielen Niels Arestup, Michel Aumont, Lubna Azabal, Sarah Biasini, Manuel Blanc und Francis Renaud mit), wirken, als ob das Team von „Alfred Hitchcock zeigt“ einen Betriebsausflug nach Frankreich gemacht hat. Außerdem haben die „Suite Noire“-Macher eine große Sympathie für Menschen und Milieus, die im normalen bundesdeutschen Krimi nicht vorkommen.

In „Nächste Ausfahrt Mord“ wird ein Vertreter zum Serienmörder. Der karrieregeile Biedermann muss einfach einen dummen Unfall vertuschen. In „Schießen Sie auf den Weinhändler“ bringt der genusssüchtige Weinhändler seine Frau um (denn beim Essen hört der Spaß auf) und engagiert eine junge Herumstreicherin, die etwas vom Essen versteht, als seine neue Köchin. Dummerweise ist sie überhaupt nicht von seinen Schlägen wegen falsch zubereiteter Mahlzeiten begeistert. In „Papas Musik“ will ein finanziell klammer Plattenproduzent seinem Sohn bei der Musikerkarriere helfen. Aber seinem Schicksal entkommt man nicht so einfach.

Das ist im Noir natürlich eine Binsenweisheit, die auch in „Nur DJs gibt man den Gnadenschuss“ auf die sozial engagierte Radiomoderatorin und ihren neuen, gerade aus dem Knast entlassenen Freund zutrifft. Was sie nicht weiß, ist, dass Manu sich an sie heranmacht, weil er von der Polizei dazu erpresst wird den linken Radiosender auszuspionieren. „Die Königin der Pfeifen“ ist die Transsexuelle Annabelle (Gab’s jemals in einem deutschen TV-Film eine Transe als Protagonistin? Ich glaube nicht.). Sie (ähem, er) will vor ihrer Geschlechtsumwandlung in Thailand noch ein richtig großes Ding durchziehen. Aber der Plan ist das eine, die Realität das andere.

Das Tamtam der Angst“ ist eine herrlich abgedrehte schwarze Komödie, über einen kleinen Buch-Illustrator, der von allen unterdrückt wird. Als er ein Buch über afrikanische Zaubersprüche illustrieren soll, beschließt er, die Flüche auszuprobieren. Mit durchschlagendem Erfolg. „Schönheit muss sterben“ ist ein in Marseille spielender PI-Krimi, in dem der Detektiv sich unwissentlich mit der High Society der Stadt anlegt. In „Die Stadt beißt“ kämpft eine Illegale, die als Prostituierte arbeitete, um ihr überleben.

Alle acht Filme folgen den Vorlagen ziemlich genau. Die Veränderungen verbessern die Geschichten oder sind dem anderem Medium geschuldet. So gibt es in „Schönheit muss sterben“ kein Voice-Over des Protagonisten, sondern der Vater des Privatdetektivs, ein toter Polizist, gibt seinem Sohn während seines ersten Auftrags gute Ratschläge.

In „Nur DJs gibt man den Gnadenschuss“ wird, zum Glück, aus der Undercover-Arbeit von Manu kein Geheimnis gemacht. In „Das Tamtam der Angst“ wird die Beziehung zwischen dem Zeichner und seiner Frau nachvollziehbar und, gerade weil die Macher immer auch eine rationale Erklärung für das Leid der von den Flüchen Betroffenen anbieten, hält der Film wunderschön die Balance zwischen Rationalismus und Aberglaube. In „Schießen Sie auf den Weinhändler“ ist, immerhin sehen wir die Schauspieler, der Aufbau der Geschichte von Anfang an klar. Der Film ist, wie „Nächste Ausfahrt Mord“, ein Fest für die Freunde des Schwarzen Humors. Und dann ist da noch „Das Tamtam der Angst“.

Als Bonusmaterial gibt es zu jedem Film ein kurzes Making of, in dem meistens der Regisseur einiges zum Film erklärt. Das ist wenig, aber fast immer informativ anzuhören.

Serie in Schwarz (Suite Noire, Frankreich 2009)

DVD

Edel Motion

Bild: 16:9

Ton: Deutsch, Französische (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Untertitelte Making ofs zu jedem Film

Länge: 540 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

enthält

Nächste Ausfahrt Mord (Vitrage à la corde)

Regie: Laurent Bohnik

Drehbuch: Laurent Bouhnik, Bibi Naceri

LV: Colin Thibert: Vitrage à la corde, 2007 (Nächste Ausfahrt Mord)

Schießen sie auf den Weinhändler (Tirez sur la caviste)

Regie: Emmanuelle Bercot

Drehbuch: Emmanuelle Bercot

LV: Chantal Pelletier: Tirez sur la caviste, 2007 (Schießen Sie auf den Weinhändler)

Papas Musik (La musique de papa)

Regie: Patrick Grandperret

Drehbuch: Patrick Grandperret, José-Louis Bocquet, Emilie Grandperret

LV: José-Louis Bocquet: La musique de papa, 2007 (Papas Musik)

Nur DJs gibt man den Gnadenschuss (On achève bien les disc jockeys)

Regie: Orso Miret

Drehbuch: Orso Miret

LV: Didier Daeninckx: On achève bien les disc jockeys, 2007 (Nur DJs gibt man den Gnadenschuss)

Die Königin der Pfeifen (La reine des connes)

Regie: Guillaume Nicloux

Drehbuch: Nathalie Leuthreau

LV: Laurent Martin: La reine des connes, 2007 (Die Königin der Pfeifen)

Das Tamtam der Angst (Envoyez la fracture!)

Regie: Claire Devers

Drehbuch: Jean-Louis Benoît, Claire Devers

LV: Romain Slocombe: Envoyez la fracture, 2007 (Das Tamtam der Angst)

Schönheit muss sterben (Le débarcadère des anges)

Regie: Brigitte Roüan

Drehbuch: Santiago Amigorena, Brigitte Roüan

LV: Patrick Raynal: Le débarcadère des anges, 2007 (Landungsbrücke für Engel)

Die Stadt beißt (Quand la ville mord)

Regie: Dominique Cabrera

Drehbuch: Dominique Cabrera

LV: Marc Villard: Quand la ville mord, 2007 (Die Stadt beißt)

Hinweise

Arte über die „Serie in Schwarz“

Homepage der „Suite Noire“ (englische Version)

Seite der Éditions La Branche über die „Suite Noire“

Meine Besprechung von Patrick Raynals „Suite Noire“-Buch „Landungsbrücke für Engel“ (Le débarcadère des anges, 2007)

Meine Besprechung von Colin Thiberts „Nächste Ausfahrt Mord“ (Vitrage à la corde, 2007)

Meine Besprechung von José-Louis Bocquets „Papas Musik“ (La musique de papa, 2007)

Meine Besprechung von Chantal Pelletiers „Schießen Sie auf den Weinhändler“ (Tirez sur la caviste, 2007)

One Response to DVD-Kritik: Die „Serie in Schwarz“ für den Krimifan

  1. […] Meine Besprechung der Verfilmungen „Serie in Schwarz“ […]

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