Kurzkritik: Die „Losers“ kämpfen am „Pass“

Juni 30, 2011

Der dritte „Losers“-Sammelband „Der Pass“ von Autor Andy Diggle und Zeichner Jock (der hier teilweise den Zeichenstift abgab), über eine Spezialeinheit der US-Army, die von ihren Arbeitgebern verraten wurde und die sich jetzt für den Verrat rächen will, besteht aus drei kürzeren Geschichten, von denen nur „Scheich dich!“ unmittelbar an den zweiten „Losers“-Sammelband „Die Insel“ anknüpft. In „Boomerang“ erfahren wir etwas über Aisha, das neueste Mitglied der Losers, und in „Der Pass“ wird der Einsatz geschildert, der dazu führte, dass 1998 aus einer Spezialeinheit des US-Militärs die „Losers“ wurden, sie offiziell für tot gelten und Clay, Jensen, Pooch und Cougar sich an ihren vorherigen Arbeitgebern, die sie während eines Einsatzes ermorden wollten, rächen wollen. Den Befehl dafür gab Max, ein geheimnisvoller Strippenzieher, den niemand kennt. Dieser Max scheint seine Hände in jedem schmutzigen Geschäft der vergangenen Jahrzehnte zu haben. Bei ihrer Jagd nach Max erfahren die „Losers“, dass sich dabei um eine CIA-Tarnidentität handelt, die offiziell nicht mehr benutzt wird.

Auch, oder gerade weil Andy Diggle und Jock, sich in „Der Pass“ Zeit nehmen im Rahmen von actionhaltigen Geschichten, wie einer Gefangenenbefreiung und einem Einsatz in Pakistan, mehr über die einzelnen Charaktere zu erzählen, macht der dritte „The Losers“-Sammelband als kleiner Schritt vom Wege Spaß.

Und wer die kurzweilige Verfilmung „The Losers“ von Sylvain White mit Jeffrey Dean Morgan, Zoe Saldana, Chris Evans, Idris Elba und Columbus Short kennt, kann sehen, wie die Entstehungsgeschichte der Losers von Pakistan (im Buch) nach Südamerika (im Film) verlegt wird, aber die wichtigsten Punkte der Geschichte erhalten blieben.

Andy Diggle (Autor)/Jock/Nick Dragotta/Alé Garza (Zeichner): The Losers: Der Pass – Band 3

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2011

172 Seiten

18,95 Euro

Originalausgabe

The Losers 13 – 19

Vertigo/DC Comics 2005

Hinweise

Homepage von Andy Diggle

Blog von Andy Diggle

Homepage von Jock

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jocks „The Losers: Goliath – Band 1“

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jock/Shawn Martinbroughs „The Losers: Die Insel – Band 2“

Bonusmaterial


TV-Tipp für den 30. Juni: Al Di Meola

Juni 30, 2011

MDR, 23.05

Al Di Meola

Ein Mitschnitt von einem Konzert, das Jazzgitarrist Al Di Meola mit dem „Al Di Meola Project“ (jaa, Jazzer sind oft etwas einfallslos bei ihren Bandnamen) 1988 in Ostberlin gab und das zuletzt vollständig vor 23 Jahren im TV gezeigt wurde.

Hinweise

Homepage von Al Di Meola

Wikipedia über Al Di Meola (deutsch, englisch)

MDR über die Sendung


DVD-Kritik: Takashi Miike goes Samurai mit „13 Assassins“

Juni 29, 2011

Wahrscheinlich haben sogar beinharte Takashi-Miike-Fans nicht alle seine Filme gesehen. Denn der ultraproduktive Regisseur drehte in den vergangenen zwanzig Jahren 85 Filme. Dabei ist, so die IMDB, ein Film in der Postproduktion und zwei werden gerade gedreht. Und, auch wenn es, wenigstens bei seinen bekanntesten Filmen, wie „Dead or Alive“ oder „Ichi, der Killer“, eine spürbare Lust nach ultrabrutaler, grotesk übersteigerter Comicgewalt gibt, hat er mit ruhigen Filmen, wie „Audition“, auch andere Seiten gezeigt. Sowieso hat er sich nie auf ein Genre festgelegt. Wobei wir vor allem seine Kriminal- und Horrrorfilme kennen. Immerhin liefen einige sogar im Kino und etliche wurden auf DVD veröffentlicht.

Auch sein halbwegs neuester Film „13 Assassins“ erlebt bei uns nur eine DVD-Premiere; was schade ist, weil der japanische Kinohit bildgewaltig eine Samurai-Geschichte erzählt, die, wie es so schön heißt, auf wahren Ereignissen beruht.

1844 wird der Samurai Shinzaeman vom Ältestenrat beauftragt Lord Naritsugu, den Halbbruder des Shogun und Anwärter auf einen Sitz im Rat, zu ermorden. Das ist, weil Lord Naritsugu als Verwandter des Shogun zu den Unberührbaren gehört, eine ungeheuerliche Intrige, aber Lord Naritsugu ist ein durchgeknallter Psychopath, dem es Spaß macht, Menschen zu demütigen, foltern und zu ermorden und der, wenn er an der Macht ist, aus reiner Lust am Kampf das Land in einen Krieg stürzen wird.

Shinzaeman sammelt eine kleine Gruppe von Samurais um sich und in einem Hinterhalt fordern sie, die titelgebenden „13 Assassins“ (auf deutsch „13 Attentäter“), Lord Naritsugu und seine Armee zum Kampf heraus.

13 Assassins“ ist ein sich am klassischen Abenteuerfilm orientierendes Samurai-Abenteuer. Entsprechend klar unterscheiden sich die Guten und die Bösen. Lord Naritsugu kann es in Punkto Bosheit mit jedem James-Bond- oder Hollywood-Bösewicht aufnehmen. Die Samurai sind tapfer bis über die Selbstaufgabe hinaus. Sonst würden sie auch nicht bei dieser Selbstmordmission mitmachen. Es gibt den klassischen Comic Relief, der als Witzbold immer das letzte Wort hat.

Vor allem bei dem fast fünfzigminütigem Schlusskampf gibt es heftige, gut choreographierte Schwertkämpfe und das alles wird von Takashi Miike angenehm unblutig (jedenfalls im Vergleich zu einigen seiner anderen Werke) inszeniert. „13 Assassins“ ist zwar kein Film für die ganze Familie, aber die halbe Familie darf schon zusehen und sich an Filme wie Akira Kurosawas „Die sieben Samurai“ (ohne je dessen philosophische Tiefe zu erreichen) erinnern. Außerdem, was das Retro-Feeling unterstützt, hat Miike „13 Assassins“ auch klassisch inszeniert. Da gibt es kein modisches Geruckel, keine Wackelkamera und keine Zehntelsekundenschnitte. Stattdessen Panoramaaufnahmen von der Landschaft und dem Dorf, in dem der Kampf stattfindet, und ruhige Einstellungen bei den Gesprächen im Rat und wenn Shinzaeman die Samurais rekrutiert.

Takashi Miike passt halt seinen Stil dem Genre und der Geschichte an. Und „13 Assassins“ ist eben klassisches Abenteuerkino mit einem überlebensgroßem Bösewicht, einer Armee ihm treu ergebener Untertanen und ebenso überlebensgroßen tapferen Kämpfern für die gerechte Sache. Das ist ziemlich unterhaltsam, aber auch arg vorhersehbar.

Oh, „13 Assassins“ ist auch ein Remake von einem Samurai-Film von 1961, der jetzt auch auf DVD veröffentlicht wurde.

Auf der sehr dürftig ausgestatteten DVD sind die „Internationale Fassung“ und einige Trailer.

13 Assassins (Jûsan-nin no shikaku, Japan 2010)

Regie: Takashi Miike

Drehbuch: Daisuke Tengan (nach einem Drehbuch von Kaneo Ikegami)

mit Kôji Yakusho, Takayuki Yamada, Yûsuke Iseya, Gorô Inagaki, Masachika Ichimura, Mikijiro Hira, Hiroki Matsukata, Ikki Sawamura, Arata Furuta, Tsuyoshi Ihara

DVD

Ascot-Elite

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Japanisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Originaltrailer, Deutscher Trailer, Promotrailer, Wendecover (Die angekündigten „Deleted Scenes“ habe ich nicht gefunden.)

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Japanische Homepage zum Film (englische Version)

Amerikanische Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Wikipedia über „13 Assassins“

Schnittberichte: Vergleich Internationale – Japanische Fassung


DVD-Kritik: Der grandiose Director’s Cut von „Carlos – Der Schakal“

Juni 29, 2011

Von Olivier Assayas Biopic „Carlos – Der Schakal“ war ich vor etwas über einem halben Jahr begeistert. Ich kannte zwar nur die dreistündige Kinoversion und nicht die fast doppelt solange TV-Version, aber ich sah mir den Film zweimal an.

Entsprechend neugierig war ich jetzt auch auf die 330-minütige TV-Version, aus der Assayas die kürzere Kinoversion destillierte. Es waren, wie bei Wolfgang Petersens Kriegsfilm „Das Boot“ von Anfang an, mehrere Versionen geplant. Insofern ist dieser „Director’s Cut“ auch kein normaler „Director’s Cut“ sondern ein eigenständiges, aus drei Teilen bestehendes Werk.

Im ersten Teil zeichnen Assayas, der auch das Drehbuch schrieb und sein Co-Autor Dan Franck den Aufstieg von Ilich Ramirez Sánchez zum bekannten Terroristen Carlos (grandios verkörpert von Édgar Ramirez in der Rolle seines Lebens; jedenfalls bis jetzt) nach. Er beginnt mit dem Einstieg von Carlos in die „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ (PFLP) und endet kurz vor dem Beginn seiner bekanntesten Aktion: der Geiselnahme der OPEC-Minister in Wien.

Im zweiten Teil wird dann, wie im Kinofilm, diese Geiselnahme und die anschließende Flucht im Flugzeug detailliert über fast eine Stunde nachgezeichnet. Danach ist Carlos auf dem Höhepunkt seines Ruhms, er hat Ärger mit Wadi Haddad (dem Anführer der PFLP) und Carlos versucht, nachdem Haddad ihn aus seiner Gruppe verstößt, eine eigene Gruppe zu gründen. Der zweite Teil endet mit Haddads Tod und der ersten Begegnung von Carlos und Magdalena Kopp.

Im dritten Teil steht dann die Liebe zwischen Carlos und Magdalena im Mittelpunkt. Gleichzeitig versucht er weiterhin seine Gruppe aufzubauen und er wird zunehmend zu einem Spielball der Geheimdienste.

Dieser dritte Teil war mir in der Kinoversion zu hektisch und ohne roten Faden. Schon damals vermutete ich, dass Assayas hier viel geschnitten hatte. So war es auch. Es gibt zwar im ersten Teil noch weitere Aktionen, wie die Geiselnahme der Japanischen Roten Armee in Den Haag und die beiden, eher komödiantischen und, zum Glück, missglückten Panzerfaust-Anschläge auf El-Al-Maschinen auf dem Pariser Flughafen Orly. Aber diese Unterschiede fallen kaum ins Gewicht. Ebenso die wenigen Ergänzungen im zweiten Teil. Im dritten und längsten Teil des Biopics gibt es dann viele neue Szenen und damit einen neuen und viel besseren dritten Teil, der jetzt genau die Kohärenz hat, die dem Abstieg von Carlos in der Kinoversion fehlte.

Deshalb sollte jeder, der bislang nur die Kinoversion kennt, sich unbedingt den viel besseren Director’s Cut ansehen.

Und wer die lange Version kennt, kann dann auf die gekürzte Version verzichten. Ihr fehlt dann doch der Reichtum der langen, mit dem Golden Globe als beste Miniserie ausgezeichneten Version.

Carlos – Der Schakal (Carlos, Frankreich/Deutschland 2010)

Regie: Olivier Assayas

Drehbuch: Olivier Assayas, Dan Franck

mit Édgar Ramírez, Nora von Waldstätten, Alexander Scheer, Christoph Bach, Julia Hummer, Aljoscha Stadelmann, Jule Böwe, Ahmat Kaabour, Udo Samel

DVD

Warner Home Video

Bild: 16:9 (1:2,35)

Ton: Deutsch, Originalfassung (Französisch, Spanisch, Englisch, Arabisch)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit Édgar Ramirez (auf deutsch), Nora von Waldstätten, Christoph Bach, Alexander Scheer, Olivier Assayas (auf englisch), zwei Kinotrailer, zwei TV-Spots

Länge: 330 Minuten (Director’s Cut), 180 Minuten (Kinofassung)
FSK: ab 16 Jahre

(Blu-ray identisch)

Die Kinofassung kann auch als Single-Disc-Edition gekauft werden. Aber das wäre Geldverschwendung.

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Carlos“

Wikipedia über Illich Ramirez Sánchez (Carlos) (deutsch, englisch)

The Crime Library: Patrick Bellamy über Carlos

Meine Besprechung der Kinofassung von „Carlos – Der Schakal“

Nachtrag 21. Juli 2011: Schnittberichte: Vergleich Kinofassung – Director’s Cut


TV-Tipp für den 29. Juni: Kopf der Woche: Dracula

Juni 29, 2011

 

ZDFkultur, 20.15

Kopf der Woche: Dracula

Das nenne ich einen ausgewachsenen Themenabend: bis Mitternacht gibt es Information über Graf Dracula und den Vampirismus:

20.15 Uhr: Dracula – Pages From A Virgin’s Diary (Tanzfilm von Guy Maddin nach dem Roman von Bram Stoker, Can 2002)

21.30 Uhr: Twilight Fieber (D 2010, Regie: Martin Uhrmeister)

22.30 Uhr: Heiliges Blut – Blutige Begierde (D 2001, Regie: Thomas Schmitt)

23.20 Uhr: True Horror: Dracula (GB 2009)

und danach kommt vielleicht eine Fledermaus in unser Schlafzimmer geflogen.

Hinweise

ZDFkultur über „Kopf der Woche: Dracula“

Wikipedia über Dracula


Cover der Woche

Juni 28, 2011


TV-Tipp für den 28. Juni: Schmalspurganoven

Juni 28, 2011

RBB, 22.30

Schmalspurganoven (USA 2000, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Ray will eine Bank ausrauben. Zusammen mit seinen dämlichen Kumpels graben sie von ihrem Tarngeschäft aus einen Tunnel in die Bank, während Rays Frau in dem Tarngeschäft selbstgebackene Kekse verkauft und sie sich vor Kunden nicht retten kann. Ray und seine Gang sind dagegen nicht so erfolgreich.

Mal wieder ein Krimi von Woody Allen; oder doch eine Komödie? In jedem Fall ein Woody-Allen-Film.

Die ‚Schmalspurganoven‘ schulden der europäischen Tradition absolut nichts – der Film hat seine Vorbilder eher in den Komödien der 30er Jahre, deren Plots und Figuren genau so naiv dahergekommen sind. Was damals natürlich viel besser funktionierte.“ (Claudius Seidel, SZ, 4. Dezember 2000)

mit Woody Allen, Tracey Ullman, Hugh Grant, Tony Darrow, George Grizzard, Elaine May, Michael Rapaport

Hinweise

Wikipedia über „Schmalspurganoven“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Kriminalakte über Woody Allen

 


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