DVD-Kritik: Sam Peckinpahs Krieg: „Steiner – Das eiserne Kreuz“

Was es bedeutet als Soldat an der Front zu stehen, zeigt Sam Peckinpah in seinem Hohelied auf den einfachen Soldaten „Steiner – Das eiserne Kreuz“, das damals einer der größten Kinohits der siebziger Jahre war. Dabei waren anscheinend schon die Dreharbeiten des 15 Millionen D-Mark teuren Films in Jugoslawien der reinste Krieg und standen finanziell immer wieder auf der Kippe. Denn Wolf C. Hartwig, der mit seiner Produktionsgesellschaft Rapid für die „Schulmädchen-Report“-Filme verantwortlich war, wollte jetzt einen ernsten Film mit Hollywood-Beteiligung produzieren. Die Verfilmung von Willi Heinrichs Debütroman „Das geduldige Fleisch“ über den deutschen Soldaten Steiner und seine Erlebnisse an der Ostfront während des Rückzugs, sollte, wie später die Produktionen von Bernd Eichinger, ein deutscher Kriegsfilm für den Weltmarkt werden. Für die Bestsellerverfilmung wurden die Stars James Coburn, James Mason, David Warner und Maximilian Schell für die Hauptrollen und eine Riege bekannter deutscher Schauspieler, wie Vadim Glowna, Klaus Löwitsch, Arthur Brauss und Burkhardt Driest, verpflichtet. Die Regie sollte Sam Peckinpah übernehmen – und wahrscheinlich erhielt man damals noch nicht so viele Informationen aus Hollywood. Denn Sam Peckinpah verwandelte die Dreharbeiten in Jugoslawien, wenig überraschend für alle, die ihn kannten, in ein Schlachtfeld. Vor und hinter der Kamera. In dem Bonusmaterial der jetzt veröffentlichten, restaurierten und erstmals ungekürzten Veröffentlichung des Films gibt es dazu zahlreiche Geschichten der damals Beteiligten. Sie erzählen auch, wie Hartwig (der nicht interviewt wurde) sich immer wieder Geld besorgte und kurz vor dem Ruin stand. Er versprach auch Unmengen an Statisten und Material und lieferte dann nicht. So musste ein Großangriff mit drei Panzern gedreht werden. Und Sam Peckinpah inszenierte den Film, den er im Kopf hatte.

Dabei hatte er bei „Steiner – Das eiserne Kreuz“ sogar den Endschnitt und das Ergebnis ist ein auch heute noch überwältigender Kriegsfilm. Die Geschichte, der Kampf zwischen Feldwebel Steiner (James Coburn) und Hauptmann Stransky (Maximilian Schell), ist dabei nur die dramaturgische Klammer für einen illusionslosen Blick auf das Soldatenleben, ein komplexes Beziehungsgeflecht zwischen den einzelnen Charakteren und ihrer widerstreitenden Weltanschauungen.

Die Offiziere organisieren den Rückzug und sehen das Kriegsende und die Niederlage nur als Vorbereitung für den nächsten Krieg an. Neu an der Front ist Stransky. Er hat sich an die Ostfront versetzen gelassen, um dort das Eiserne Kreuz zu erhalten. Für den preußischen Adligen wäre das Eiserne Kreuz die Krönung seiner militärischen Laufbahn und bei seiner Familie und Freunden die endgültige Auszeichnung. Für Steiner ist die Auszeichnung dagegen nur noch ein Stück Blech – und er hat keine Lust seine Männer für die Ambitionen eines Endsieg-gläubigen Feiglings sterben zu lassen.

Diese Geschichte packt Peckinpah in Bilder und Szenen, die im Gedächtnis bleiben. Bei den Kampfszenen, die oft im Nebel oder Rauch stattfinden, ist es die Art, wie er die Zeitlupe verwendet und die ihn sehr deutlich von den vielen glücklosen Nachahmern unterscheidet. Bei den intimen Szenen ist es das Spiel der Schauspieler, ihre Dialoge, ihre Gesten und, wie in den Kampfszenen, der Schnitt.

Gleichzeitig unterläuft Peckinpah von der ersten bis zur letzten Sekunde, obwohl er auf den ersten Blick die Erwartungen eines Kriegsfilms erfüllt, die Konventionen des Kriegsfilms.

 

Die „Special Edition“ auf Blu-ray

 

Digital restauriert, uncut und mit gut zwei Stunden Bonusmaterial. Da bekommt der Peckinpah-Fan schon bei der Ankündigung feuchte Augen. Denn die bisherigen deutschen Ausgaben von „Steiner – Das eiserne Kreuz“ waren gekürzt, enthielten nur die deutsche Tonfassung und kein nennenswertes Bonusmaterial.

Das Bonusmaterial für die „Special Edition“ wurde von Peckinpah-Fan Mike Siegel, der auch die wunderschöne Doppel-DVD „Passion & Poetry – The Ballad of Sam Peckinpah“ (Kaufbefehl!) veröffentlichte, erstellt. Dabei griff er auf Interviews, die er für „Passion & Poetry“ führte (und dort nur in Ausschnitten veröffentlichte), und seine eigene umfangreiche Peckinpah-Sammlung zurück. Das Kernstück ist dabei die 45-minütige Doku „Leidenschaft & Poesie: Sam Peckinpahs Krieg“. Dazu gibt es weitere Ausschnitte aus dem Interview mit Vadim Glowna und viel historisches Material, wie O-Töne der Stars, einige geschnitte Szenen (wozu auch eine Szene mit James Coburn und Senta Berger gehört) und Werbespots, die Sam Peckinpah mit James Coburn in Japan drehte.

Da fehlt nur noch die 48-minütige Super-8-Fassung für das Heimkino. Aber das dürfte, obwohl manche Super-8-Fassungen eine gute Kurzfassung des Films sind, der einzige Wermutstropfen sein.

Insgesamt ist das jetzt die definitive Ausgabe von Sam Peckipahs Kriegsfilmklassiker „Steiner – Das eiserne Kreuz“.

Hinweise zur Blu-ray- und DVD-Veröffentlichung: In der Erstauflage ist in der deutschen Tonspur zwischen Minute 41 und 47 der Ton asynchron zum Bild. Weil in den Minuten gekämpft wird, ist es nicht so schlimm (vor allem wer sich die Originalfassung ansieht), aber Kinowelt tauscht die Blu-rays auch um (einfach Mail an info[@]kinowelt.de bzw. fehlerhafte Blu-ray mit Zustelladresse an Kinowelt schicken).

In der für Mitte Juli angekündigten korrigierten Auflage ist der Fehler behoben.

Am 8. September 2011 erscheint der Kriegsfilmklassiker auf DVD.

Steiner – Das eiserne Kreuz (Cross of Iron, D/GB 1977)

Regie: Sam Peckinpah

Drehbuch: Julius J. Epstein, Walter Kelley, James Hamilton

LV: Willi Heinrich: Das geduldige Fleisch, 1955

mit James Coburn, Maximilian Schell, James Mason, David Warner, Klaus Löwitsch, Vadim Glowna, Fred Stillkrauth, Roger Fritz, Dieter Schidor, Durkhard Driet, Michale Nowka, Senta Berger, Arthur Braus, Véronique Vendell, Mikael Slavco Stimac

Blu-ray (Special Edition)

Kinowelt

Bild: 1,85:1 1080/24p Full HD

Ton: Deutsch Mono (DTS-HD Master Audio), Englisch (Mono LPCM)

Untertitel:Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Leidenschaft und Poesie: Sam Peckinpahs Krieg, On Location (Interviews mit Sam Peckinpah, James Coburn, David Mason, Maximilian Schell, David Warner), Krüger küsst Kern, Briefe von Vadim & Sam, Vadim & Sam: Vater & Sohn, Schnittreste, Steiner in Japan, Mikes Homemovies: Steiner trifft Kiesel wieder, Trailer Deutschland, TV-Spot USA, Trailer USA/England

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Steiner – Das eiserne Kreuz“ (deutsch, englisch)

DVD Beaver: Bildvergleich der verschiedenen Veröffentlichungen des Films

Homepage von Willi Heinrich

Meine Besprechung von Mike Siegels „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs „Gefährten des Todes“

Sam Peckinpah in der Kriminalakte

 

 

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6 Responses to DVD-Kritik: Sam Peckinpahs Krieg: „Steiner – Das eiserne Kreuz“

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    DVD-Kritik: Sam Peckinpahs Krieg: „Steiner – Das eiserne Kreuz“ | Kriminalakte

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