Kleinkram

August 31, 2011

Also, dann mal wieder etwas aufräumen:

Bei Tor gab’s eine Noir Week. Hier der Überblick. Für Krimifans wohl besonders interessant sind:

– The Big Rewatch of „The Big Sleep“

Heart of Darkness: Tragedy and „The Killer inside me“

Marlowe never sleeps

Akira Kurosawa’s „Stray Dog“

Noir comes to Main Street: „Shadow of a Doubt“

„Chinatown“: Noir meets the Family Drama

Genre in the Mainstream: The Noir of Jonathan Lethem’s „Gun, with Occasional Music“

– Five Classic Films stepped into Noir

Noir Films Perfected: „The Third Man“

From Chandler to Gibson: How Noir led to Cyberpunk

Bright Lights, Big City: John D. MacDonald’s Las Vegas

At Strange Angles: An Appreciation of „Dark City“

– But She’s only a Dream: „Laura“

– „Twin Peaks“: White Knight in a Dark Wood

– „Solyent Green“ and the Square Jaw of Law

– Favourite Noir Actors

– „Criminal“: Noir Comics, better with Age

– Remember Me: „Kiss me Deadly“

– „Death and the Compass“: Kabbalah meets Noir

– Writing Dystopian Noir Fiction

Hm, das war jetzt doch eigentlich alles…

BBC- und Guardian-Filmkritiker Mark Kermode fordert Blockbuster, die nicht unsere Intelligenz beleidigen. Denn weil jeder Blockbuster (also Filme wie „Transformers III“, „Piraten der Karibik“, „Pearl Harbor“) garantiert ihr Geld einspielen, sollten sie nicht totaler Müll sein:

They could make better movies if they wanted, and the opulent ripples of buoyant hard currency would still continue to lap at their fattening suntanned bodies. If they fail to entertain, engage and amaze you, then it is because they can’t be bothered to do better. And if you accept that, then you are every bit as stupid as they think you are.

This is no time to be nice to big-budget movies. This is the time for them to start paying their way, both financially and artistically.

Als Beispiel für einen Blockbuster mit Hirn nennt er „Inception“.

Der Text im Guardian ist ein ziemlich langer Ausschnitt aus Kermodes neuem Buch „The Good, The Bad and The Multiplex – What’s wrong with modern movies?“.

Empire verrät, wie man in zehn Schritten ein Experte für Gangsterfilme wird.

Wer nicht lesen will, muss hören: ein Interview mit Regisseur und Drehbuchautor JohnSayles über seinen neuen Film „Amigo“.


TV-Tipp für den 31. August: Vorname Carmen

August 31, 2011

ZDFkultur, 22.20

Vorname Carmen (Frankreich/Schweiz 1983, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Anne-Marie Miéville

Im Rahmen des bereits um 20.15 Uhr beginnenden „Carmen“-Themenabends wird auch, endlich wieder, Jean-Luc Godards sehr zugängliche (verglichen mit seinen anderen Spätwerken) Interpretation der Geschichte von Carmen gezeigt. Godard verlegte die Geschichte in die Gegenwart und er spielte in dem Film auch die Rolle des Regisseurs und Onkels von Carmen, der nie um einen bissigen Kommentar verlegen ist.

mit Maruschka Detmers, Jacques Bonnaffé, Myriem Roussel, Hippolite Girardot, Jean-Luc Godard

Hinweise

Wikipedia über Jean-Luc Godard (deutsch, englisch, französisch)

IMDB über Jean-Luc Godard

Kriminalakte gratuliert Jean-Luc Godard zum Geburtstag


Cover der Woche

August 30, 2011


TV-Tipp für den 30. August: My Blueberry Nights

August 30, 2011

Arte, 20.15

My Blueberry Nights (China/USA 2007, R.: Wong Kar-wai)

Drehbuch: Wong Kar-wai, Lawrence Block (nach einer Geschichte von Wong Kar-wai)

Elizabeth hat Liebeskummer. In einem kleinen New Yorker Café schüttet sie dem Kellner ihr Herz aus. Der verliebt sich in sie, aber sie macht sich auf eine Reise durch die USA. Auf ihrem Selbstfindungstrip begegnet sie anderen einsamen Seelen.

Lawrence Block war zwar irgendwie am Drehbuch beteiligt, aber letztendlich ist es ein Wong-Kar-wai-Film geworden.

Mit Norah Jones, Jude Law, Rachel Weisz, David Strathairn, Natalie Portman

Wiederholung: Mittwoch, 31. August, 14.45 Uhr

Hinweise

Homepage von Lawrence Block

Unbedingt kaufen müssen Sie das von mir herausgegebene Buch „Lawrence Block – Werkschau eines New Yorker Autors“ (KrimiKritik 5, Nordpark-Verlag)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Telling Lies for Fun and Profit – A Manual for Fiction Writers” (1994)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Spider, spin me a web – A Handbook for Fiction Writers” (1995)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks: “All the flowers are dying” (2005)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Lucky at Cards” (2007)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Abzocker“ (Grifter’s Game, 2004; frühere Ausgaben: Mona, 1961; Sweet slow death, 1986)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks “Verluste” (Everybody dies, 1998)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Killing Castro“ (Originalausgabe unter dem Pseudonym Duncan Lee als „Fidel Castro Assassinated“, 1961)

Meine Besprechung von Lawrence Blocks „Falsches Herz“ (The Girl with the long green Heart, 1965)

Lawrence Block in der Kriminalakte

Wikipedia über „My Blueberry Nights“ (deutsch, englisch)

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film (nicht so umfangreich)

Film-Zeit über „My Blueberry Nights“


Ivo Ritzer sucht das „Fernsehen wider die Tabus“

August 29, 2011

Lange Zeit war das Fernsehen das ungeliebte Schmuddelkind. Dumme Unterhaltung für die Massen, und vom Feuilleton genau deshalb weitgehend ignoriert. Das hat sich in den vergangenen Jahren mit Serien wie den „Sopranos“, „The Wire“, „Sex and the City“, „24“ und den „Desperate Housewives“, geändert. Fernsehen ist jetzt, wenn man den Kulturkritikern glauben will, der moderne Gesellschaftsroman und mit ihren Grenzüberschreitungen (Sex! Gewalt! Sprache!! Amoralische Helden.) auch subversiv. Es ist Unterhaltung für gebildete Menschen, während gleichzeitig das Kino immer mehr zum lärmend-infantilen Kindergarten verkommt.

Doch ist das US-Fernsehen, auf den sich der Diskurs über die Qualität des Fernsehens konzentriert und, was angesichts der Marktmacht und weltweiten Verbreitung auch nachvollziehbar ist, wirklich so tabubrechend, wie es sich gerne gibt?

In dem reichhaltig bebilderten Essay „Fernsehen wider die Tabus – Sex, Gewalt, Zensur und die neuen US-Serien“ geht Ivo Ritzer dieser Frage, gerüstet mit dem kulturwissenschaftlichen Analyseapparat, nach.

Außerdem erklärt er den rechtlichen Rahmen, in dem in den USA Serien produziert und im Fernsehen verwertet werden. Kurz gesagt gibt es ein frei empfangbares Fernsehen, in dem bestimmte Jugendschutzrichtlinien gelten (die sich vor allem an nackter Haut [ich sage nur Nipplegate] und obszöner Sprache [„Fuck“ geht gar nicht. Aber „Frack“ geht] orientieren) und dem Bezahlfernsehen, das sich nicht darum kümmern muss. Allerdings wurden einige Serien, die zuerst im Bezahlfernsehen und später im freien Fernsehen gezeigt wurden, für die Zweitverwertung bearbeitet. So wurde bei „Sex and the City“ jedes „fucking“ durch ein „freaking“ ersetzt und damit natürlich auch die gesamte Tonlage der Serie verändert.

Ebenso wurde auf DVD, einer weiteren Verwertungsmöglichkeit, dann die „unzensierte“ Fassung genommen. Wobei „Zensur“ hier locker gebraucht wird, denn natürlich waren die Folgen nicht zensiert, sondern die Produzenten hatten beschlossen, eine harmlosere Fassung zu zeigen. Das zeigte sich in den vergangenen Jahren besonders deutlich bei Spielfilmen, die für die Kinoauswertung in den USA für die PG-13-Freigabe um profane Sprache, nackte Haut und auch Gewaltdarstellungen erleichtert werden, die anschließend auf der unzensierten DVD, manchmal auch als „Director’s Cut“ beworben, finden und im schlimmsten Fall nur im Zeigen eines nackten Busens (was uns Deutsche nicht weiter aufregt) und eines Schimpfwortes besteht (siehe „Zwölf Runden“, „Stirb langsam 4.0“ oder John Waters‘ „A Dirty Shame“, der beim Erstellen der harmlosen Version sichtlich seinen Spaß hatte).

Das relativiert den tabubrechenden Gestus der von den Feuilleton-Kritikern so hochgelobten Serien, die in den USA auch beachtliche Quoten erreichen und in Deutschland fast alle mehr oder weniger grandios gefloppt sind, erheblich, ohne deren erzählerischen, schauspielerischen und inszenatorischen Qualitäten zu mindern.

Über Ritzer Schlußpointe, dass in Wirklichkeit Serien wie „Human Target“ (das mir gefiel) und „Hawaii 5-0“ (das ich für grottenschlecht halte) subversiv seien, muss ich noch einmal nachdenken:

Es ginge demnach weder darum, im Sinne einer nostalgischen Altlinken mit dem Pathos der Transgression vermeintlich Tabuisiertes zu attackieren noch im Sinne einer reaktionären Neurechten in der Rückkehr zu vormodernen Tabus den eigentlichen Tabubruch zu lokalisieren. Vielmehr wäre die Ohnmacht gegenüber der (Simulations-)Macht zu akzeptieren und zum Schein an ihrem Spiel zu partizipieren. Genau dadurch könnte sie zu überlisten sein: im Durchschauen der Systemlogik, das keine Utopie als Horizont mehr reklamiert.

In diesem Sinne wären eher ‚harmlose‘, das heißt jugendfreie und ‚unterkomplexe‘, pseudo-narrative Network-Serien wie ‚Hawaii Five-0 (2010f.; CBS), ‚Human Target‘ (2010f,; Fox) oder ‚Nikita‘ (2010f; CWT) progressiv; in ihrer narzisstischen Fetischisierung der Oberfläche.“

Insgesamt ist „Fernsehen wider die Tabus“ eine gelungene Zusammenfassung des derzeitigen Standes des US-Fernsehens und er liefert auch eine gute Interpretationsfolie.

Ivo Ritzer: Fernsehen wider die Tabus – Sex, Gewalt, Zensur und die neuen US-Serien (Kultur & Kritik 3)

Bertz + Fischer, 2011

136 Seiten

9,90 Euro

Hinweise

Seite von Ivo Ritzer

Jungle World: Ivo Ritzer über „Tabus schauen“ (ein gekürzter Auszug aus „Fernsehen wider die Tabus“)

 

 


TV-Tipp für den 29. August: Dreileben

August 29, 2011

ARD, 20.15

Dreileben: Etwas Besseres als den Tod (D 2011, R.: Christian Petzold)

Drehbuch: Christian Petzold

Wiederholung: Mittwoch, 31. August, Eins Festival, 20.15 Uhr

ADR, 21.45

Dreileben: Komm mir nicht nach (D 2011, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Markus Busch, Dominik Graf

Wiederholung: Donnerstag, 1. September, Eins Festival, 20.15 Uhr

ARD, 23.30

Dreileben: Eine Minute Dunkel (D 2011, R.: Christoph Hochhäusler)

Drehbuch: Christoph Hochhäusler

Wiederholung: Freitag, 2. September, Eins Festival, 20.15 Uhr und 23.30 Uhr

Dominik Graf (59), Christian Petzold (50) und Christoph Hochhäusler (39) stritten sich über ihre filmischen Vorstellung und beschlossen, einfach anhand dreier eigener Filme, die sich aufeinander beziehen sollten, ihre verschiedenen Sichtweisen zu demonstrieren. Das klingt jetzt so richtig verkopft. Dabei dürfte es für uns Zuschauer ein richtiges Vergnügen sein. Denn nachdem die drei Regisseure die Prämisse formuliert hatten (ein Frauenmörder soll nach Dreileben, einem Ort im Thüringer Wald, geflüchtet sein), drehte jeder seinen eigenen Film, der mal mehr, mal weniger ein Krimi ist.

Das Fernsehen nennt diese konzentrierte Ausstrahlung von drei Neunzigminütern an einem Abend sicher „Ereignis“ und das ist es auch. Aber gleichzeitig werden die Filme etwas lieblos an einem Montagabend im Sommer weggesendet. Denn eigentlich hätte man doch mal den sonntäglichen „Tatort“ für etwas anderes ausfallen lassen können.

Hinweise

ARD über „Dreileben“

Spiegel Online über „Dreileben“ (zur TV-Ausstrahlung, und, etwas unbegeistert, auf der Berlinale)

Der Tagesspiegel über „Dreileben“

FAZ über „Dreileben“ (Überschrift: „Drei Regisseure retten das deutsche Fernsehen“ – Geht’s nicht auch eine Nummer kleiner?)

epd Film über „Dreileben“

Cargo: Ein Bericht von den „Dreileben“-Dreharbeiten

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominig Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte

 

 


TV-Tipp für den 28. August: King Kong und die weiße Frau

August 28, 2011

BR, 23.45

King Kong und die weiße Frau (USA 1933, R.: Ernest B. Schoedsack, Merian C. Cooper)

Drehbuch: James Ashmore Creelman, Ruth Rose

Story/Originalentwurf: Edgar Wallace, Merian C. Cooper

Auf einer Südseeinsel entdeckt eine Filmcrew einen riesigen Affen und bringt ihn nach New York.

Auch heute noch beeindruckender Klassiker des Monsterfilms.

Mit Fay Wray, Robert Armstrong, Bruce Cabot, Frank Reicher, Sam Hardy

Hinweise

Wikipedia über „King Kong“ (deutsch, englisch)

Filmsite über “King Kong”

The Stop Button über “King Kong”

Senses of Cinema über “King Kong”


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