Neu im Kino/Filmkritik: „The Guard“ oder Polizeiarbeit, die irische Art

Garda Sergeant Gerry Boyle (Brendan Gleeson) ist Kleinstadt-Polizist im County Galway und er hat schon alles gesehen. Naja, alles, was es so normalerweise in der westirischen Provinz gibt. Entsprechend gelangweilt reagiert er zuerst auf einen Autounfall von einigen Jugendlichen und nachdem er die am Unfallort gefundenen Drogen probiert, sieht der Tag auch schon viel besser aus. Auch als er einen Erschossenen entdeckt, lässt er sich nicht aus seinem Trott reißen.

Die kurz darauf anberaunte große Sitzung aller westirischen Polizisten, die von einem FBI-Agenten über einen anstehenden großen Drogendeal informiert werden, ist für ihn nur ein weiteres Zeit vergeudendes Treffen, das er immerhin dafür nutzen kann, den FBI-Agenten Wendell Everett (Don Cheadle) ordentlich zu beleidigen. Denn dieser kommt nicht nur aus den USA (schon schlimm), ist einer der typischen geschniegelten, alles besser wissenden FBI-Agenten (noch schlimmer), sondern auch noch ein Farbiger.

Aber als Boyle die Bilder der Drogenschmuggler sieht, ändert sich alles. Denn einer von ihnen ist der in seinem Revier gefundene und bislang namenlose Ermordete.

Notgedrungen müssen Boyle und Everett zusammen arbeiten. Denn dieses Mal stimmt die Spur des FBI. Die Drogenhändler Francis Sheehy-Skeffington (Liam Cunningham), Liam O’Leary (David Wilmot) und Clive Cornell (Mark Strong), der als Ersatzmann für den Toten eingesprungen ist und von seinen Kollegen und dem ganzen Verbrecherscheiß ziemlich genervt ist, wollen in Boyles Revier einen Drogendeal durchführen.

Während „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“ in seinem Hauptplot eher lässig den Konventionen des Buddy-Movies folgt, in dem zwei ungleiche Partner sich zusammenfinden müssen und dabei einige Verbrecher verhaften (oder gleich umbringen, weil die Bösewichter sich nicht verhaften lassen wollen), schweift John Michael McDonagh (dem Bruder von „Brügge sehen…und sterben?“-Macher Martin McDonagh) in seinem schwarzhumorigem Spielfilmdebüt immer wieder ab. Vor allem Boyles Privatleben zwischen einsamen Abenden vor dem Fernseher und Sex im Hotelzimmer mit Prostituierten (beides natürlich immer mit Alkohol abgeschmeckt) und seine Beziehung zu seiner sterbenden Mutter werden ausführlich, teilweise auf Kosten des Krimiplots, gezeichnet.

The Guard“ ist halt wie ein Abend in einem irischen Pub. Etwas ziellos, aber voller guter und oft haarsträubender Geschichten, mit viel Sentiment, etwas Sex und einer ordentlichen Portion Gewalt. Nur das Pint muss man schon selbst mitbringen.

The Guard – Ein Ire sieht schwarz (The Guard, Großbritannien/Irland 2010)

Regie: John Michael McDonagh

Drehbuch: John Michael McDonagh

Musik: Calexico

mit Brendan Gleeson, Don Cheadle, Mark Strong, Liam Cunningham, David Wilmot, Rory Keenan, Fionnula Flannagan, Katarina Cas

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“

Wikipedia über „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“

 

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