DVD-Kritik: „Exam“ oder Acht Menschen kämpfen um einen Job

Acht Menschen, vier Männer und vier Frauen, die sich nicht kennen, die alle, bis auf einen, in den Dreißigern und aus unterschiedlichen Kulturen sind, sind in einem von der Außenwelt abgeschlossenem Raum. Sie haben sich für einen verdammt gutbezahlten Job beworben und jetzt stehen sie vor der letzten Prüfung. Sie sollen eine Frage beantworten, die auf der Rückseite des vor ihnen liegenden Papiers steht und auf die es nur eine Antwort gibt. Für diese auf den ersten Blick leichte Aufgabe haben sie achtzig Minuten Zeit.

Dummerweise steht, als sie das Blatt umdrehen, dort keine Frage. Es ist ein weißes Blatt Papier.

Nach einem kurzen Zögern beginnen sie, sich miteinander zu unterhalten. Gemeinsam versuchen sie die Frage herauszufinden. Doch wie sehr können sie sich vertrauen? Und was ist die Aufgabe, die sie erfüllen sollen?

Stuart Hazeldine erzählt in seinem Debütfilm „Exam“ diese Geschichte einer Einstellungsprüfung, in der acht Menschen um eine Stelle konkurrieren und sie, auch bedingt durch die Situation und die Unsicherheit über die Anforderungen des künftigen Arbeitgebers (vulgo des Spielleiters), Konkurrenten sind, die nur kurzzeitige Bündnisse eingehen. Insofern geht es hier weniger darum, die These, dass der Mensch ein Tier sei, zu belegen, sondern darum, neunzig Minuten spannende, weitgehend unblutige Unterhaltung zu liefern. Und das gelingt Hazeldine auch hundertprozentig.

Dagegen ist das Auswahlverfahren der Firma, sozusagen eine perfide Variante des Assessment-Centers, bei dem die Teilnehmer zuerst die Aufgabe herausfinden müssen, nicht so toll. Denn wenn am am Ende dem Kandidaten, der den Test bestanden hat, erklärt wird, warum er den Job erhält, hören wir eine wirre Erklärung, die ungefähr so durchdacht wie die haarsträubende Botschaft von Fritz Langs Science-Fiction-Stummfilmklassiker „Metropolis“, dass das Herz der Mittler zwischen Hand und Hirn sei, ist.

Im Rückblick wird dann auch das umstandslose Entfernen einzelner Bewerber, wenn sie, teilweise sogar unwissend, gegen eine der am Anfang vom Prüfungsleiter formulierten Regeln verstoßen, höchst irrational. Denn dem Unternehmen scheint es bei ihrem Auswahlverfahren nicht um das Finden des besten Mannes für den Job, sondern um das stupide Exekutieren eines Programms zu gehen. Dafür werden dann sogar Folterungen, ernsthafte Verletzungen und der mögliche Tod eines Teilnehmers in Kauf genommen. Jedenfalls verzieht der im Prüfungszimmer anwesende Wachmann nie seine Miene und er wird auch nur auf Befehl seines Vorgesetzten aktiv.

Also liebe Multis: Dieser Test ist nicht zur Nachahmung empfohlen.

Exam (Exam, GB 2009)

Regie: Stuart Hazeldine

Drehbuch: Stuart Hazeldine (nach einer Geschichte von Simon Garrity und Stuart Hazeldine)

mit Adar Beck, Gemma Chan, Nathalie Cox, John Lloyd Fillingham, Chuk Iwuji, Pollyanna McIntosh, Luke Mably, Jimi Mistry, Colin Salmon, Chris Carey

DVD

Euro Video

Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Exam“

Digital Spy: Intervie mit Stuart Hazeldine und Jimi Misty über „Exam“ (3. Januar 2010)

The Skinny: Interview mit Stuart Hazeldine über „Exam“ (5. Januar 2010)

Electric Sheep: Interview mit Stuart Hazeldine über „Exam“ (8. Januar 2010)

What Cuture: Interview mit Stuart Hazeldine über „Exam“ (7. Juni 2010)

Indie London: Interview mit Stuart Hazeldine über „Exam“

 

 

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One Response to DVD-Kritik: „Exam“ oder Acht Menschen kämpfen um einen Job

  1. […] Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung. […]

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