TV-Tipp für den 31. Oktober: Hotel Bela – George Romero

Oktober 31, 2011

Arte, 23.40

Hotel Bela – George Romero (D 2010)

In der ersten Folge von „Hotel Bela“ trifft „Die Ärzte“-Schlagzeuger Bela B. Zombie-Urvater George A. Romero („Die Nacht der lebenden Toten“ undsoweiter) im Hotel in Lissabon. Romero will dort seinen neuen Film vorstellen. Bela B…

Wiederholungen

Freitag, 11. November, 03.45 Uhr (Taggenau!)

Donnerstag, 17. November, 04.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über die Doku

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „George A. Romero und seine Filme“ (2010)

 


James Sallis lotet die Grenzen des Genres aus

Oktober 30, 2011

 

Fast zeitgleich erschienen bei uns die letzten beiden Romane von Krimiautor James Sallis. „Dunkles Verhängnis“ ist der in den USA bereits 2007 erschienene dritte Band der Turner-Trilogie, „Der Killer stirbt“ ist ein auch in den USA dieses Jahr erschienenes Einzelwerk und in beiden Werken lotet Sallis die Grenzen des Kriminalromans aus. Denn für ihn ist, wie er mir in einem Interview sagte, der Kriminalroman ein Gefäß, in das er seine Themen fülle und es dann so weit wie möglich dehne, ohne es zu zerbrechen. Deshalb hat er auch keine Probleme damit, Krimiautor genannt zu werden. Er nimmt für seine Romane eine klassische Genregeschichte und entfernt immer mehr genreübliche Versatzstücke, bis er zum emotionalem Kern der Geschichte vorgedrungen ist. Insofern lesen sich „Dunkles Verhängnis“ und „Der Killer stirbt“ wie das literarische Äquivalent zu abstrakter Malerei oder, immerhin schrieb Sallis auch Bücher über Jazzgitarristen und er ist selbst Musiker, zum dem Avantgarde-Jazz, in dem die Musiker die Melodie nur noch andeuten und den Rest den Zuhörenden überlassen.

Gleichzeitig verknappt er seine schon immer ziemlich kurzen Geschichten immer weiter. War schon der erste Turner-Roman „Dunkle Schuld“ mit 304 Seiten nicht besonders lang, sind „Dunkle Vergeltung“ mit 240 Seiten und „Dunkles Verhängnis“ mit 192 Seiten noch kürzer geraten. Er habe immer mehr weggestrichen und schon Angst gehabt, dass am Ende nichts mehr übrig bleibe, sagte Sallis mir in einem Gespräch. Oder wie er in „Dunkles Verhängnis“ schreibt: „Manchmal muss man einfach sehen, wie viel Musik man noch machen kann, mit den Mitteln, die einem bleiben.“

Am Ende blieb dann doch noch einiges übrig, obwohl der Krimiplot, in dem Kleinstadtpolizist Turner einem des Mordes verdächtigem Freund hilft, höchstens noch die halbherzig mitgeschleifte dramaturgische Klammer ist.

Auch in „Der Killer stirbt“ ist der letzte Mordauftrag des Killers, die Suche des Killers nach dem Killer, der vor ihm einen missglückten Anschlag auf das Ziel verübte und der Suche nach dem Grund für den Mordauftrag an einem Biedermann und die Jagd der Polizei nach dem Killer nur das Hintergrundrauschen für eine weitere Meditation über das Leben. Dabei ist der Killer ein quasi anonymer Mann, der sich so in seinen Tarnidentitäten verloren hat, dass er kein eigenes Leben führte. Jetzt, am Ende seines Lebens, an das er sich nur noch mühsam erinnert, fragt er sich, was von ihm übrig bleiben wird. „Sein Leben war nicht dokumentiert. Wenn er irgendwann starb, würde nichts zurückbleiben.“

Diese Frage, was übrigbleibt treibt James Sallis in „Dunkles Verhängnis“ und „Der Killer stirbt“ an. Entsprechend gelungen sind auch die deutschen Covers der Turner-Romane mit Bildern von einem Autofriedhof. In den USA trägt der Sammelband mit den drei Turner-Romanen den aussagekräftigen Titel „What you have left“.

Dass Krimifans, die nur auf der Suche nach der schnellen Ablenkung sind, mit James Sallis wenig anfangen können, ist klar. Dafür ist es dann doch zu sehr Literatur.

James Sallis: Dunkles Verhängnis

(übersetzt von Kathrin Bielfeldt und Jürgen Bürger)

Heyne, 2011

192 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Salt River

Walker & Company, New York, 2007

James Sallis: Der Killer stirbt

(übersetzt von Jürgen Bürger und Kathrin Bielfeldt)

Liebeskind, 2011

256 Seiten

18,90 Euro

Originalausgabe

The Killer is dying

Walker & Company, New York, 2011

Hinweise

Homepage von James Sallis

Thrilling Detective über Turner

Eindrücke vom Berlin-Besuch von James Sallis

Meine ‘Besprechung’ von James Sallis’ „Deine Augen hat der Tod“ (Death will have your eyes, 1997)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Driver“ (Drive, 2005)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Schuld“ (Cypress Groove, 2003)

Meine Besprechung von Jams Sallis‘ „Dunkle Vergangenheit“ (Cripple Creek, 2006)

James Sallis in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 30. Oktober: Der dritte Mann

Oktober 30, 2011

SWR, 23.35

Der dritte Mann (GB 1949, R.: Carol Reed)

Drehbuch: Graham Greene

LV/Buch zum Film: Graham Greene: The third man, 1950 (Der dritte Mann)

Wien, kurz nach dem Krieg: Holly Martins kann es nicht glauben. Sein toter Freund Harry Lime soll ein skrupelloser Geschäftemacher sein. Holly will Harrys Unschuld beweisen.

Na, den Film kennen wir – das kaputte Wien, die grandiosen Leistungen der Schauspieler, die Verfolgung durch die Wiener Kanalisation, die Zither-Melodie von Anton Karas – und sehen ihn immer wieder gern.

Mit Joseph Cotten, Orson Welles, Alida Valli, Trevor Howard, Bernard Lee, Erich Ponto, Paul Hörbiger

Hinweise

Fanseite über Graham Greene

Wikipedia über Graham Greene (deutsch, englisch)

Wikipedia über „Der dritte Mann“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Graham Greenes Roman „Brighton Rock“ und den beiden Verfilmungen


TV-Tipp für den 29. Oktober: Ein Freund gewisser Damen – The Walker

Oktober 29, 2011

Eins Festival, 20.15

Ein Freund gewisser Damen – The Walker (USA 2007, R.: Paul Schrader)

Drehbuch: Paul Schrader

Carter Page III ist ein schwuler Südstaatenschönling und Begleiter der Damen der politischen High Society von Washington, D. C.. Er hält sich aus allem heraus, bis er seiner besten Freundin, der Senatorengattin Lynn Lockner ein Alibi gibt. Denn sie ist gerade über die Leiche ihres ermordeten Geliebten gestolpert.

In der grandiosen Charakterstudie „The Walker“ spielt Woody Harrelson den Charakter, den Schrader-Fans bereits aus „Taxi Driver“ (damals Robert De Niro), „American Gigolo – Ein Mann für gewisse Stunden“ (Richard Gere) und „Light Sleeper“ (Willem Dafoe) kennen: der Drifter, der die Gesellschaft von außen betrachtet und wegen einer für ihn unerreichbaren Frau seine Position als Beobachter aufgibt. Wie diese Filme ist „The Walker“ auch eine Analyse einer bestimmten Gesellschaftsschicht: hier der politischen Kaste in Washington, D. C., die sich in Räumen bewegt und verhält, als ob die Zeit kurz nach dem Bürgerkrieg stehen geblieben wäre.

Ein toller altmodischer Film, der seine deutsche Premiere auf der Berlinale erlebte, später, trotz der namhaften Besetzung, nur auf DVD veröffentlicht wurde und seine TV-Premiere im Ersten zur Geisterstunde (senderinterne Sprachregel: Prime-Time für gute Filme) erlitt.

Mit Woody Harrelson, Kristin Scott Thomas, Lauren Bacall, Ned Beatty, Moritz Bleibtreu, Mary Beth Hurt, Lily Tomlin, Willem Dafoe

Hinweise

Wikipedia über „The Walker“

Film-Zeit über The Walker“

Movies Online: Interview mit Paul Schrader über „The Walker“

Close-Up Film: Interview mit Paul Schrader über „The Walker“


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Prinzessin von Montpensier“ verzaubert

Oktober 28, 2011

Normalerweise tendiert mein Interesse bei Historienfilmen gegen Null. Aber wenn Bertrand Tavernier, der Regisseur von so Perlen wie „Der Uhrmacher von St. Paul“, „Der Saustall“, „Um Mitternacht“, „Auf offener Straße“, „Der Lockvogel“ und „In the electric Mist“, sich ins Frankreich des Jahres 1562 und den damaligen Glaubenskrieg begibt, dann bin ich natürlich interessiert. Auch wenn die Geschichte nach reinstem Kitsch klingt.

Die 16-jährige Marie de Mézieres (Mèlanie Thierry) liebt den furchtlosen, sexuellen Abenteuern aufgeschlossene Kämpfer Henri de Guise (Gaspard Ulliel). Die Vermählung zwischen den beiden Familien ist auch schon lange vereinbart. Aber dann wird ihr Vater überredet, seine Tochter mit dem Prinzen von Montpensier zu verheiraten. Eine solche Heirat sei im Interesse von beiden Familie.

Der Künftige von Marie, Philippe, der Prinz von Montpensier (Grégoire Leprince-Ringuet), ist ebenfalls ein tapferer Kämpfer, aber im Gegensatz zu Henri de Guise ist er ein krankhaft eifersüchtiger Chorknabe, der sich erst nach der Heirat in seine Frau verliebt.

Marie fügt sich ihrem Schicksal und wird die Prinzessin von Montpensier.
Als sie Henri wieder trifft, zuerst in ihrem Schloss, später am Hof in Paris, brechen die alten Gefühle wieder auf – und ihr Mann verschlimmert mit seiner Eifersucht die Situation.

Der Comte de Chabannes (Lambert Wilson), der das Vertrauen des Prinzen von Montpensier genießt und der, während der Gemahl sich an verschiedenen Gefechten beteiligte, Marie unterrichtete, versucht zu vermitteln. 

Diese Geschichte ist für Tavernier der dramaturgische Faden um ein episches Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Er zeigt, immer wieder, wie damals Politik mit Heiraten gemacht wurde, der ersten Nacht mit der Braut, von dem Zwiespalt zwischen Aberglaube, Religion und den Naturwissenschaften, welche Konventionen das Leben bestimmten und wie das Leben am Hof, auf dem Land war und auf dem Schlachtfeld war. Dabei erscheint das in dem Film gezeichnete Bild der Vergangenheit realistisch – und gleichzeitig ist es doch, dank der Inszenierung
und der Musik von Philippe Sarde, ein sehr zeitgenössischer Film. Außerdem sind die in dem Film angesprochenen Themen heute teils immer noch, teils wieder aktuell. 

Nachdem Taverniers letzter Film „In the electric Mist“ nur auf DVD erschien, läuft „Die Prinzessin von Montpensier“ wenigstens in einige ausgewählten Kinos. Hier in Berlin läuft der Film im Babylon Mitte in der „Original mit Untertitel“-Fassung. Das ist, obwohl der Film seine volle Pracht nur auf der großen Leinwand entfaltet, ein Kinostart, der wohl vor allem als Werbung für die DVD dient.

Die Prinzessin von Montpensier (La Princesse de Montpensier, F 2010)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: Jean Cosmos, Francois-Olivier Rousseau, Bertrand Tavernier

LV: Madame de la Fayette, La Princesse de Montpensier,1662

mit Mélanie Thierry, Lambert Wilson, Grégoire Leprince-Ringuet, Gaspard Ulliel, Raphael Personnaz

Länge: 140 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die Prinzessin von Montpensier“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul“


TV-Tipp für den 28. Oktober: Nachtschicht: Blutige Stadt

Oktober 28, 2011

ZDFneo, 21.50

Nachtschicht: Blutige Stadt (D 2009, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

In ihrem sechsten Einsatz jagt das Team des KDD (Kriminaldauerdienst, oder die Nachtschicht der Hamburger Polizei) einen Killer, der sich „Q“ nennt und als erstes einen türkischen Reiseunternehmer hinrichtet. Die Spur führt zum Revierleiter Neumann.

„Nachtschicht“ ist eine der wenigen Serien, für die sich die TV-Gebühren lohnen.

Mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Uwe Kockisch, Maja Maranow, Sibel Kekilli, Pierre Semmler, Simon Schwarz

Wiederholung: Samstag, 29. Oktober, 04.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia  über „Nachtschicht“

Lexikon   der deutschen  Krimi-Autoren über Lars Becker


TV-Tipp für den 27. Oktober: Celebrity

Oktober 27, 2011

Arte, 21.55

Celebrity (USA 1998, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Der verheiratete Klatschreporter Lee (Kenneth Branagh als Woody-Allen-Ersatz) ist auf der Suche nach dem Glück in der Welt des Scheins.

Mediensatire, die Woody Allen mal wieder in Schwarzweiß drehte und bei der etliche Stars mitspielten.

mit Kenneth Branagh, Judy Davis, Joe Mantegna, Leonardo DiCaprio, Charlize Theron, Melanie Griffith, Winona Ryder, Hank Azaria, Famke Janssen, Bebe Neuwirth, Michael Lerner, Gretchen Mol, J. K. Simmons, Jeffrey Wright

Hinweise

Wikipedia über „Celebrity“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Kriminalakte über Woody Allen


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