Neu im Kino/Filmkritik: Eine „Fright Night“ in der Vorstadt

Wahrscheinlich ist es ein persönliches Problem: Bei 3D-Filmen werde ich immer wieder aus der Filmwirklichkeit herausgerissen und immer wieder daran erinnert, dass ich nur einen Film sehe. Bei einem 2D-Film kann ich problemlos in die Filmwirklichkeit eintauchen.

Auch bei „Fright Night“, das ich in der 3D-Version gesehen habe, hatte ich dieses Problem.

Der Film ist ein Remake von Tom Hollands Vampirkomödie „Die rabenschwarze Nacht“ von 1985. Kein vollkommen unbekannter Film, aber auch kein Überklassiker und vor allem kein Film, den alle kennen. Das hat immerhin den Vorteil, dass man den Film von Craig Gillespie locker als vollkommen eigenständigen Film betrachten kann.

Charley Brewster (Anton Yelchin) lebt mit seiner Mutter Jane (Toni Collette) in einer anonymen Vorstadt von Las Vegas; der Spielerstadt, die in den vergangenen zwanzig Jahren von 258.000 Bewohnern auf über 558.000 Bewohner wuchs und in der nicht auffällt, wenn jemand ohne sich zu verabschieden verschwindet. Als in Charleys Klasse zwei Klassenkameraden nicht mehr zum Unterricht erscheinen, ist das allen bis auf Ed (Christopher Mintz-Plasse), einem nerdigen Ex-Freund von Charley, egal.

Ed erpresst Charley, mit ihm das Haus der verschwundenen Schulkameraden zu besuchen. Sie tun’s und während sie durch das leere Haus schleichen, erzählt Ed, dass Charleys neuer Nachbar Jerry (Colin Farrell) ein Vampir sei, er sich die Verschwundenen geschnappt habe und dass es, neben den bekannten Dingen wie Kreuze, Knoblauch und Sonnenlicht noch einen weiteren Schutz gegen Vampire gebe: sie können nur dann ein Haus betreten, wenn sie eingeladen werden.

Diese Regel führt später, wenn Jerry das Haus der Brewsters betreten will, er dafür um ein Bier bittet, an der offenen Tür verharrt und auf die Einladung wartet, die Charley nicht ausspricht, zu einer schönen Szene.

Das ist spannend, witzig und bestätigt ohne Worte, dass der neue Nachbar ein Vampir ist. Oder vielleicht auch nur ein besonders höflicher Mann.

Doch solche Szenen sind in „Fright Night“ eher rar gesät. Denn schon kurz darauf beißt Jerry Ed und alle Zweifel darüber, ob der neue Nachbar ein Vampir ist, sind beseitigt. Ab diesem Moment läuft die Geschichte ziemlich gradlinig auf ihr Ende zu.

Dabei mutiert Jerry schnell zum ausschließlich blutrünstigem Vampir, der einfach alles beißt und aussagt, was ihm zwischen die Zähne gerät. Das macht ihm zu einem bedrohlichen Gegner für Charley, der zunächst allein (denn natürlich glaubt ihm niemand, dass der neue Nachbar ein Vampir ist) und später mit dem Las-Vegas-Vampirexperten Peter Vincent (David Tennant), den Kampf gegen Jerry aufnimmt. Aber besonders verführerisch – wir erinnern uns an Graf Dracula – ist dieser Vampir, der schon einmal ein Haus in die Luft jagt oder größere Verkehrsunfälle provoziert, nicht.

Fright Night“ ist eine enttäuschende Vampirkomödie, bei der nie deutlich wird, warum sie gedreht wurde. Da hilft es auch nicht, dass Colin Farrell und David Tennant sichtlich Spaß an ihren exzentrischen Rollen haben.

Fright Night (Fright Night, USA 2011)

Regie: Craig Gillespie

Drehbuch: Marti Noxon (nach dem Drehbuch und Film „Fright Night“ von Tom Holland)

mit Anton Yelchin, Colin Farrell, Toni Collette, David Tennant, Imogen Poots, Christopher Mintz-Plasse, Dave Franco, Chris Sarandon (der auch im Original dabei war)

Länge: 106 Minuten

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Fright Night“

Wikipedia über „Fright Night“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Marti Noxon (20. Juli 2010)

Click Online: Interview mit Marti Noxon (31. August 2011)

Hier der Trailer zum Original, das am Montag, den 10. Oktober, um 02.50 Uhr (Taggenau!) auf Kabel 1 als „Fright Night“ läuft

 

 

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