Neu im Kino/Filmkritik: „Die Prinzessin von Montpensier“ verzaubert

Normalerweise tendiert mein Interesse bei Historienfilmen gegen Null. Aber wenn Bertrand Tavernier, der Regisseur von so Perlen wie „Der Uhrmacher von St. Paul“, „Der Saustall“, „Um Mitternacht“, „Auf offener Straße“, „Der Lockvogel“ und „In the electric Mist“, sich ins Frankreich des Jahres 1562 und den damaligen Glaubenskrieg begibt, dann bin ich natürlich interessiert. Auch wenn die Geschichte nach reinstem Kitsch klingt.

Die 16-jährige Marie de Mézieres (Mèlanie Thierry) liebt den furchtlosen, sexuellen Abenteuern aufgeschlossene Kämpfer Henri de Guise (Gaspard Ulliel). Die Vermählung zwischen den beiden Familien ist auch schon lange vereinbart. Aber dann wird ihr Vater überredet, seine Tochter mit dem Prinzen von Montpensier zu verheiraten. Eine solche Heirat sei im Interesse von beiden Familie.

Der Künftige von Marie, Philippe, der Prinz von Montpensier (Grégoire Leprince-Ringuet), ist ebenfalls ein tapferer Kämpfer, aber im Gegensatz zu Henri de Guise ist er ein krankhaft eifersüchtiger Chorknabe, der sich erst nach der Heirat in seine Frau verliebt.

Marie fügt sich ihrem Schicksal und wird die Prinzessin von Montpensier.
Als sie Henri wieder trifft, zuerst in ihrem Schloss, später am Hof in Paris, brechen die alten Gefühle wieder auf – und ihr Mann verschlimmert mit seiner Eifersucht die Situation.

Der Comte de Chabannes (Lambert Wilson), der das Vertrauen des Prinzen von Montpensier genießt und der, während der Gemahl sich an verschiedenen Gefechten beteiligte, Marie unterrichtete, versucht zu vermitteln. 

Diese Geschichte ist für Tavernier der dramaturgische Faden um ein episches Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Er zeigt, immer wieder, wie damals Politik mit Heiraten gemacht wurde, der ersten Nacht mit der Braut, von dem Zwiespalt zwischen Aberglaube, Religion und den Naturwissenschaften, welche Konventionen das Leben bestimmten und wie das Leben am Hof, auf dem Land war und auf dem Schlachtfeld war. Dabei erscheint das in dem Film gezeichnete Bild der Vergangenheit realistisch – und gleichzeitig ist es doch, dank der Inszenierung
und der Musik von Philippe Sarde, ein sehr zeitgenössischer Film. Außerdem sind die in dem Film angesprochenen Themen heute teils immer noch, teils wieder aktuell. 

Nachdem Taverniers letzter Film „In the electric Mist“ nur auf DVD erschien, läuft „Die Prinzessin von Montpensier“ wenigstens in einige ausgewählten Kinos. Hier in Berlin läuft der Film im Babylon Mitte in der „Original mit Untertitel“-Fassung. Das ist, obwohl der Film seine volle Pracht nur auf der großen Leinwand entfaltet, ein Kinostart, der wohl vor allem als Werbung für die DVD dient.

Die Prinzessin von Montpensier (La Princesse de Montpensier, F 2010)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: Jean Cosmos, Francois-Olivier Rousseau, Bertrand Tavernier

LV: Madame de la Fayette, La Princesse de Montpensier,1662

mit Mélanie Thierry, Lambert Wilson, Grégoire Leprince-Ringuet, Gaspard Ulliel, Raphael Personnaz

Länge: 140 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die Prinzessin von Montpensier“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul“

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