Neu im Kino/Filmkritik: Silly, awesome „Real Steel“

Das war jetzt genau der richtige Film für meine Stimmung“, meinte ich nachdem ich „Real Steel“ gesehen hatte. Das sagt allerdings mehr über meine Stimmung, als über die Qualitäten des Films aus, der als zitatenreicher Mix aus Underdog- und Vater-Sohn-Geschichte wahrlich keine Preise für innovatives Geschichten erzählen verdient und auf einer ziemlich bescheuerten Prämisse basiert, die auch nach dem Genuss etlicher „Transformers“-Filme und B-Movie-Gurken wie „Robo Warriors“ nicht glaubwürdiger wirkt. Denn in naher Zukunft gibt es keine Boxkämpfe mehr. Also: keine Boxkämpfe mehr, in denen Menschen sich die Birne einhauen. Jetzt gibt es Roboterkämpfe, in denen Roboter, die in den Kämpfen mehr oder weniger von Menschen gesteuert werden, sich die Schutzbleche abkloppen, Gliedmaße abschlagen (da fliegt dann schon einmal ein Arm oder ein Bein in die johlende Masse) und spätestens wenn der Kopf weggeschlagen wird, ist der Kampf zu Ende und ein Roboter reif für eine ordentliche Generalüberholung.

Der Ex-Profiboxer Charlie Kenton (Hugh Jackman) reist durch das amerikanische Hinterland und kommt mehr schlecht als recht über die Runden. Er hat einige Freunde und viele Schulden und er ist ein Posterboy für den „Sympathischen Loser des Jahres“. Als er erfährt, dass seine Ex-Frau gestorben ist und er jetzt das Sorgerecht für ihren elfjährigen Sohn Max (Dakota Goyo), den er bislang nicht gesehen hat (soviel zu „Vater des Jahres“), will er im Gericht nur kurz auftauchen und, mit einem Hinweis auf seinen Lebenswandel, das Sorgerecht ablehnen. Aber als er sieht, dass seine Schwester Debra (Hope Davis), die Max adoptieren möchte, den vermögenden Marvin Barnes (James Rebhorn) geheiratet hat, wittert er die Chance auf einen Batzen Geld. Charlie sagt Barnes, dass er das Sorgerecht gegen eine ordentliche Menge Geld nach dem Sommer, den er gemeinsam mit seinem Sohn verbringen will, abtreten werde.

Charlie will Max bei seiner ihn loyal unterstützenden Freundin Bailey (Evangeline Lilly), deren Vater sein Trainer war und die jetzt eine Boxroboterreparaturwerkstatt hat, abgeben und sich auf den Weg zum nächsten Roboterkampf machen. Aber Max hat seinen eigenen Kopf, ist ein Fan der Roboterkämpfe und schon hat der Kindskopf Charlie ein gewaltiges Problem. Vor allem, nachdem Max, der viel erwachsener als sein Vater ist, auf einem Schrottplatz einen alten Trainingsroboter entdeckt (der so menschlich wie E. T. wirkt [Hm, Steven Spielberg ist Executive Producer von „Real Steel“.]) und ihn auf Kämpfe schicken will. Auch gegen den scheinbar übermächtigen Zeus, den Champion der Roboterkämpfe.

Bei „Real Steel“, der keinen Hehl aus seinen Vorbildern macht, erstaunt immer wieder, wie gut es Shawn Levy gelingt, scheinbar disparate Plotelemente und Stile in einen typischen Boxerfilm à la „Rocky“ zu integrieren. Die Reise durch das Hinterland und die Vater-Sohn-Geschichte in „Real Steel“ imitiert durchaus gekonnt die Beziehung zwischen Ryan O’Neal und seiner Tochter Tatum O’Neal in „Paper Moon“. „The Wrestler“ und die Endzeit-Filme in der „Mad Max“-Tradition (mit der üblichen Portion Heavy Metal als Hintergrundgeräusch) haben unbestreitbar für die Nicht-Liga-Roboterkämpfe als Vorbild gedient, die Verteilung von Gut und Böse (Zeus wird von einem Japaner gesteuert und einer Russin finanziert) ist arg klischeehaft, die Botschaft erwartbar platt und bei den brutalen Roboterkämpfen möchte man, obwohl „Real Steel“ doch als Familienfilm gedacht war, kein Kind in den Film schicken.

Aber dennoch macht „Real Steel“, dank der Schauspieler, dem angenehm altmodischem Americana-Feeling (etwas mehr entsprechende Musik hätte mir gefallen) und dem straffen Erzähltempo, wirklich Spaß und die Effekte dienen, wie es sein sollte, der Geschichte. Daher fiebert man dann bei den Kämpfen auch mit.

Und warum ist so ein Film für die „Kriminalakte“ interessant?

Nun, die Vorlage stammt von Richard Matheson, einem Pulp-Autor (Horror, Krimi und Science-Fiction), der auch in Hollywood als Lieferant von Geschichten – Romane und Kurzgeschichten – und Drehbuchautor seine Spuren hinterließ. Sein bekanntestes Werk ist der Science-Fiction-Roman „I am Legend“ (einmal verfilmt mit Vincent Price, einmal mit Charlton Heston, einmal mit Will Smith). Aber auch bei Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Verfilmung „Der grauenvolle Mr. X“, Steven Spielbergs „Duell“, Terence Youngs „Kalter Schweiß“ und und zahlreichen Episoden der „Unglaubliche Geschichten“ (The Twilight Zone) steht sein Name im Vorspann.

Auch „Steel“, so der Titel von Mathesons Kurzgeschichte, von der für „Real Steel“ nur die Prämisse und einige Storyelemente sehr frei übernommen wurden, wurde für die „Twilight Zone“ verfilmt.

Real Steel (Real Steel, USA 2011)

Regie: Shawn Levy

Drehbuch: John Gatins (nach einer Geschichte von Dan Gilroy und Jeremy Leven)

LV: Richard Matheson: Steel, 1956 (Kurzgeschichte, zuerst publiziert in Fantasy & Science Fiction, Mai 1956)

mit Hugh Jackman, Dakota Goyo, Evangeline Lilly, Anthony Mackie, Kevin Durant, Hope Davis, James Rebhorn

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Wikipedia über „Real Steel“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Real Steel“

Richard Matheson in der Kriminalakte

Bonusmaterial

Das „Real Steel“-Teaserplakat

 

Die erste Verfilmung von „Steel“

2 Responses to Neu im Kino/Filmkritik: Silly, awesome „Real Steel“

  1. […] John Houghs Film, der nach einem Roman und Drehbuch von Richard Matheson (zuletzt die Vorlage für „Real Steel“), entstand, ist ein richtig altmodisch-zünftiger Geisterhaus-Thriller. Denn in dem […]

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