Neu im Kino/Filmkritik: „Brand“ verliebt sich in die falsche Frau

Bereits in den ersten Minuten seines Noirs „Brand“ zeichnet Autor und Regisseur Thomas Roth („Falco – Verdammt wir leben noch!“, die „Trautmann“-Filme und mehrere „Tatorte“) ein bürgerliches Milieu, das wir aus Claude Chabrols Filmen kennen.

Brand (Josef Bierbichler) ist ein erfolgreicher Schriftsteller, der schon lange nichts mehr veröffentlicht hat, und der jetzt täglich im Krankenhaus seine im Sterben liegende Frau (Erika Deutinger) besucht. Die gefeierte Schauspielerin hat Krebs im Endstadium und Brand kann mit ihrem Sterben nur umgehen, indem er ihren Verfall fotografiert. Sie ist damit nicht einverstanden, aber sie weiß auch, dass ihr Mann nur so mit ihrem Tod umgehen kann.

Als er in einem Krankenhauszimmer eine Tote fotografiert, hört er jemand kommen. Er versteckt sich in der Dusche und beobachtet eine junge Krankenschwester, beim Verrichten ihrer Notdurft. Während dieser für ihn unglaublich peinlich-demütigenden Szene (denn Brand will sie nicht beobachten, aber er kann sich auch nicht bemerkbar machen) verliebt er sich in Angela (Angela Gregorivic). Sie erwidert seine Avancen. Immerhin ist er eine bekannte Persönlichkeit des kulturellen Lebens und sie ist zwar verheiratet, aber auch sie möchte aus ihrer Ehe flüchten. Denn ihr türkischstämmiger Mann Celik (Denis Moschitto) ist krankhaft eifersüchtig. Außerdem ist er Polizist – und das ist auch schon die größte Überraschung in dem arg minimalistischem Film, der dem altbekannten Noir-Plot, in dem ganz normaler Mann sich in die falsche Frau verliebt, einen neuen Dreh gibt. Denn in „Brand“ kann das Liebespaar von der Polizei keine Hilfe erwarten. Im Gegenteil.

Davon abgesehen bewegt sich Roth in seinem neuen Spielfilm zu sehr in den von Claude Chabrol in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder beschrittenen Pfaden. Aber während bei Chabrol die Kritik an der Bourgeoisie immer wieder von ätzendem Humor und der Lust am Demaskieren einer Gesellschaftsschicht garniert wurde, hält Roth sich zurück. Die Stimmung ist melancholisch, es wird wenig geredet, alles erscheint grau in grau und sogar der Sex ist nicht lebensbejahend. Dafür muss Brand auf dem Balkon stehend erleiden, wie seine Geliebte von ihrem Mann in ihrer Wohnung förmlich vergewaltigt wird, während Celiks Kollege, in der Einfahrt stehend, mit gutem Blick auf den Balkon, auf ihn wartet.

Wenn es mehr solcher Szenen, das Erzähltempo etwas schneller gewesen und es doch noch die eine oder andere überraschende Wendung gegeben hätte, hätte mir dieser Noir besser gefallen. So aber ist „Brand“ nur die optisch fein herausgeputzte Ösi-Variante eines durchschnittlichen Claude-Chabrol-Films.

Brand (Österreich/Deutschland 2011)

Regie: Thomas Roth

Drehbuch: Thomas Roth

mit Josef Bierbichler, Angela Gregovic, Erika Deutinger, Denis Moschitto, Karlheinz Hackl, Heribert Sasse, Manuel Ruby

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Brand“

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: