DVD-Kritik: Nichts ist koscher in „Alles koscher!“

Mahmud Nasir (Omid Djalili) ist Moslem. Kein besonders tiefgläubiger Moslem, sondern eher der in die englische Gesellschaft voll integrierte Feiertagsmoslem, der Fundamentalisten für ziemliche Idioten hält, das auch öffentlich sagt und seine Kontakte mit der Religion auf ein Minimum beschränkt.

Aber sein Sohn Rashid will Uzma heiraten. Sie ist die Tochter des pakistanischen Hasspredigers Arshad Al-Masri. Nasir muss daher wenigstens bei dem Besuch von Al-Masri ein vorbildlicher Moslem sein. Sonst wird Al-Masri niemals die Erlaubnis für die Heirat geben.

Nasir will alles tun, um den Heiratswunsch seines Sohnes zu erfüllen. Aber beim Ausräumen der Wohnung seiner kürzlich verstorbenen Mutter erfährt Nasir, dass er adoptiert wurde. Und es kommt noch schlimmer. Denn auf dem Amt findet er heraus, dass er ein Jude ist. Nasir ist schockiert. Er schlittert gleich in eine veritable Identitätskrise und will seinen im Sterben liegenden Vater kennen lernen. Dummerweise verlangt der Rabbi, glaubhafte Nachweise für Nasirs absolut nicht vorhandenes Judentum.

Nasir bittet seinen Nachbarn, den permanent schlecht gelaunten jüdischen Taxifahrer Lenny Goldberg (Richard Schiff), mit dem er gerade einen Kleinkrieg ausfechtet, um Hilfe. Goldberg führt ihn in das Judentum ein – und Nasir bringt sich, weil er jetzt zwischen zwei Religionen hin und her springt, in immer neue Schwierigkeiten, die den Machern der warmherzigen, zu sehr auf Versöhnung bedachten Culture-Clash-Komödie die Möglichkeit für ein Feuerwerk von Pointen geben. Dabei gibt es in jeder Szene oft mehrere verbale und visuelle Pointen, wenn sich zum Beispiel die Verwaltungsangestellte als querschnittgelähmt entpuppt oder immer wieder Frauen in Burkas durch das Bild laufen.

Das hat Tempo und Witz. Und der auf der Insel als Komiker bekannte Hauptdarsteller Omid Djalili gibt dem Affen ordentlich Zucker: wenn er sich durch sein Viertel flucht, vor dem Spiegel jüdische und muslimische Mimik ausprobiert, er auf einer Pro-Palästina-Demonstration vor den anderen Demonstranten zufällig seine Kippa enthüllt oder er sich mit seinem höchst rudimentärem Wissen über das Judentum auf einer Bar Mizwa integrieren und er auf der Bühne eine Geschichte improvisieren muss. Da wird „Alles koscher!“ immer wieder zu einer Einmannshow, bei der die anderen Schauspieler zu Statisten verblassen.

Und trotzdem wünschte ich mir am Ende mehr satirische Schärfe, eine Optik, die weniger an eine TV-Sitcom (die inzwischen ja auch sehr gut aussehen) erinnert und eine weniger episodische Erzählweise. So bleibt „Alles koscher!“ eine witzige Komödie mit einem konsensfähigem Aufruf zur Toleranz am Ende des Films.

Alles koscher! (The Infidel, GB 2010)

Regie: Josh Appignanesi

Drehbuch: David Baddiel

mit Omid Djalili, Richard Schiff, Archie Panjabi, Mina Anwar, Igal Naor, Amit Shah, Soraya Radford, Matt Lucas

DVD

Senator Home Entertainment

Bild: 1:1,78 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit David Baddiel, Josh Appagnanesi und Omid Djalili (21 Minuten), Videotagebuch mit David Baddiel (22 Minuten), Original Fake Trailer, Trailer

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

(Blu-ray identisch)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Alles koscher!“

Wikipedia über „Alles koscher!“ (deutsch, englisch)

The Jewish Chronicle: Interview mit David Baddiel

Simon O’Hare interviewt David Baddiel

The Guardian: Interview mit David Baddiel und Omid Djalili

Bonusmaterial

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