Neu im Kino/Filmkritik: In „The Help“ erzählt die Haushaltshilfe ihre Geschichte; jedenfalls irgendwie

Eine Geschichte über schwarze Hausmädchen als Überraschungshit der Sommers? Damit hatte niemand gerechnet. Dann belegte „The Help“ in den USA drei Wochen lang den ersten Platz der Kinocharts und ich fragte mich, warum so viele Amerikaner in diesen Film gehen. Nachdem ich die Geschichte von Skeeter gesehen hatte, wusste ich warum.

Die aus einer begüterten Südstaatenfamilie stammende Eugenia ‚Skeeter‘ Phelan (Emma Stone) kommt, nachdem sie vier Jahre an der Universität studierte, zurück nach Jackson, Mississippi. Dort will sie, in den frühen sechziger Jahren, ihre Karriere als Journalistin beginnen. Gleichzeitig hat sie inzwischen einen Blick von außen auf ihre Heimat und das gelangweilte Leben ihrer Schulfreundinnen, einer Gruppe reicher Südstaatlerinnen. Daher fällt ihr auch der Umgang mit den Hausmädchen auf, die in den Häusern der Weißen die Kinder großziehen, keine Rechte haben und noch nicht einmal die Toilette benutzen dürfen.

Sie beschließt für eine New Yorker Zeitschrift, die Geschichte der Hausmädchen zu erzählen.

Gleichzeitig erlebt Skeeter, nach einem missglückten Start, ihre erste Liebe zu Stuart (Chris Lowell), sie sucht wieder ihren Platz im Kreis ihrer alten Freundinnen, die ihre Kinder großziehen lassen, sich reihum zu geselligen Nachmittagen treffen und plötzlich erscheint diese zutiefst bigotte und rassistische Gesellschaft als heimelige gute alte Zeit, irgendwo zwischen „Onkel Toms Hütte“ und „Vom Winde verweht“, mit einem Hauch John-F.-Kennedy-Glorie.

Da hilft es auch nicht, dass das ärmliche Leben der Afroamerikaner, wie sie von den Weißen benutzt und wegen Nichtigkeiten, manchmal auch einem falschen Verdacht, nach jahrelanger treuer Tätigkeit entlassen werden, ziemlich realistisch gezeichnet wird. Denn die Dienstmädchen bleiben nur passive Nebenfiguren, die von der weißen Heldin für ihre Karriere benutzt werden und ihr bei ihrer Emanzipation von ihren Eltern und ihren Freundinnen helfen.

So bleibt in diesem Hollywood-Film dann doch alles im gewohnten Rahmen: es gibt einen verklärenden Blick zurück in die Vergangenheit, eine milde Kritik am Rassismus, die heute niemandem mehr weh tut, schöne Bilder, gute Musik und die Liebesgeschichte einer jungen, emanzipierten Frau, die mit ihrem leicht burschikosen Katherine-Hepburn-Touch schnell zur Sympathieträgerin für das große Publikum wird.

Die afroamerikanischen Haushaltshilfen bleiben dagegen, obwohl der Film nach ihnen benannt wurde, wieder nur Staffage.

Und gerade weil „The Help“ keine Fragen und Verbindungen zur Gegenwart herstellt, sondern alles brav historisiert, kann der Film einfach als gut erzähltes, altmodisches Erzählkino genossen werden.

Genau deshalb sahen sich wohl so viele Menschen in den USA die Bestsellerverfilmung an und auch bei uns dürften die Zuschauerzahlen gut sein, denn für das Mainstream-Publikum stimmen die Zutaten und die Mischung. „The Help“ ist kein schlechter Film, es ist nur ein ziemlich verlogen-kitschiger Film.

The Help (The Help, USA 2010)

Regie: Tate Taylor

Drehbuch: Tate Taylor

LV: Kathryn Stockett: The Help, 2009 (Gute Geister)

mit Emma Stone, Viola Davis, Octavia Spencer, Cicely Tyson, Bryce Dallas Howard, Jessica Chastain, Sissy Spacek, Chris Lowell, Mike Vogel, Aunjanue Ellis, Mary Steenburgen

Länge: 146 Minuten

FSK: ohne Altersbeschränkung

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Help“

Rotten Tomatoes über „The Help“

Wikipedia über „The Help“ (deutsch, englisch)

Spiegel: Tobias Nagl über „The Help“

Homepage von Kathryn Stockett

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2 Responses to Neu im Kino/Filmkritik: In „The Help“ erzählt die Haushaltshilfe ihre Geschichte; jedenfalls irgendwie

  1. […] Tate Taylor: The Help (meine Besprechung von „The Help“) […]

  2. […] ist nach „The Tree of Life“, “Eine offene Rechnung” (mit Sam Worthington) und „The Help“ die Entdeckung des letzten Kinojahres, Chloë Grace Moretz kennen wir aus „Kick-Ass“ und […]

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