„Outlaw“: Jack Reacher besucht Despair – und die Bewohner finden das gar nicht witzig

Schon der deutsche Titel „Outlaw“ erinnert an einen Western und auch die Ausgangssituation kennen wir aus zahlreichen Western. Mitten im Nirgendwo sind zwei Dörfer (naja, sehr kleine Dörfer) in Colorado und aus dem einen Dorf wird der Fremde umstandslos hinausgeworfen. Weil der Fremde allerdings Jack Reacher ist, bedeutet das Ärger. Denn er lässt sich das nicht gefallen und das Verhängnis, jedenfalls für die Bewohner von Despair, nimmt seinen Lauf.

Der von Lee Child erfundene Serienheld Jack Reacher ist ein ehemaliger Elitesoldat, der mit möglichst wenig Gepäck durch die USA reist und sich von niemandem Befehle erteilen lässt. Er will herausfinden, warum die Einwohner von Despair ihn so dringend loswerden wollen. Seine einzige Verbündete ist Vaughan, die im benachbarten Hope Polizistin ist, und anscheinend ganz froh über diesen Fremden, der seine Nase in fremde Angelegenheiten steckt, ist.

Nachdem Lee Child auf den ersten Seiten den Konflikt etablierte, lässt er sich viel Zeit, in der unklar ist, ob Thurman, dem die riesige örtliche Recyclingfirma gehört und der als einziger Arbeitgeber der unumschränkte Herrscher von Despair ist, wirklich etwas verbirgt oder Reacher einfach nur ein neugierig-nervender Tramp ist. Aber weil wir nach elf Romanen Lee Child und Jack Reacher kennen, wissen wir, dass all die kleinen Hinweise und Merkwürdigkeiten, wie verschwundene Leichen, in Dokumenten nicht auftauchende junge Männer, die nach Despair reisen, aber niemals offiziell den Ort verlassen, eine bei Despair stationierte Spezialeinheit der Militärpolizei, die eine geheime Militäreinrichtung bewacht, die Vereidigung eines ganzen Dorfes zu Hilfssheriffs, um Reacher zu jagen, den das natürlich nicht von weiteren Besuchen in Despair abhält, nur die Vorbereitung für ein furioses Finale sind.

In „Outlaw“ plündert Lee Child dafür etliche Western-Topoi, die er mit aktuellen Entwicklungen verknüpft. Deshalb kann sein neuester Jack-Reacher-Roman, für die Älteren, locker als „Mein großer Freund Shane“, nur ohne Kinder, oder, für die Jüngeren, als „Cowboys & Aliens“, nur ohne die Verbrüderung gegen die Aliens, verkauft werden. In jedem Fall ist es spannende Unterhaltung mit einem etwas zu apokalyptischem Ende.

Lee Child: Outlaw

(übersetzt von Wulf Bergner)

Blanvalet, 2011

448 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Nothing to Loose

Bantam Press, 2008

Hinweise

Homepage von Lee Child

Wikipedia über Lee Child (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lee Childs „Tödliche Absicht“ (Without fail, 2002)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Abschussliste“ (The Enemy, 2004)

Meine Besprechung von Lee Childs „Sniper“ (One Shot, 2005)

Meine Besprechung von Lee Childs (Herausgeber) „Killer Year – Stories to die for…from the hottest new crime writers“ (2008)

Lee Child in der Kriminalakte

 

 

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4 Responses to „Outlaw“: Jack Reacher besucht Despair – und die Bewohner finden das gar nicht witzig

  1. […] Kleine Biester 5 (5)    Matthias Wittekindt: Scheeschwestern 6 (9)    Jo Nesbø: Die Larve 7 (-)    Lee Child: Outlaw 8 (1)    Deon Meyer: Rote Spur 9 (10)    Rainer Gross: Kettenacker 10 (4)    Joe R. […]

  2. […] diese Schlägerei nicht in einem anderen Jack-Reacher-Thriller? Und die Explosion nicht in “Outlaw” (Nothing to Lose, 2008)? Naja, […]

  3. […] Meine Besprechung von Lee Childs “Outlaw” (Nothing to Loose, 2008) […]

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