Felix Huby sagt „Adieu, Bienzle“

Mit dem ganz schwachen Abschiedsfall „Bienzle und sein schwerster Fall“ löste Ernst Bienzle am 25. Februar 2007 seinen letzten „Tatort“-Fall. Sowieso scheint Bienzle-Erfinder Felix Huby ab etwa der Jahrtausendwende die Bienzle-“Tatorte“ einfach so herausgehauen zu haben. Die zuletzt erschienenen Bienzle-Romane, wie „Bienzle und das ewige Kind“, obwohl es die Romanfassung des Bienzle-“Tatorts“ „Bienzle und der Tod in der Markthalle“ war, und jetzt „Adieu, Bienzle“, sind besser und erinnern mich an die ganz frühen Bienzle-Romane aus den siebziger und achtziger Jahren.
In „Adieu, Bienzle“ steht Kommissar Ernst Bienzle kurz vor seiner Pensionierung. Die Kollegen bereiten schon die Abschiedsfeier vor. Bienzle ist davon nicht sonderlich begeistert und was er im Ruhestand tun soll, weiß er auch noch nicht. Vielleicht deshalb stürzt er sich in dem Ort Felsenbronn in einen Mordfall.
Wenige Stunden vor ihrem Tod rief ihn seine 85-jährige Tante Gerlinde, bei der er als Jugendlicher viele Sommer verbrachte, an und sprach ihm auf die Mailbox: „Ernst, ich brauch dich. Ich hab Angst. Vielleicht hab ich was Dumm’s g’macht! Bitte, ruf mich so schnell wie möglich an.“
Kurz darauf starb sie. Ihr Hausarzt hält es, angesichts ihres Alters und der Umstände, für einen natürlichen Tod. Bienzle glaubt, nach dem Anruf, an einen Mord. Er ordnet eine Obduktion an und beginnt mit seinen Ermittlungen, die ihn tief in die Vergangenheit führen. Er glaubt, vor allem nachdem er einen alten Brief entdeckt, dass das Motiv für den Mord in den ersten Nachkriegsjahren liegt. Aber warum sollte sie jetzt dafür umgebracht werden?
„Adieu, Bienzle“ ist, bis auf das schwache Ende, ein rundum geglückter Bienzle, der sich flott lesen lässt, ein stimmiges, leicht sentimentales Bild vom dörflichen Leben in den vierziger und fünfziger Jahren (als Bienzle seine Tante in den Sommerferien besuchte) und den Erinnerungen der damals Jungen und Erwachsenen an ihre Jugend und ersten Erwachsenenjahre zeichnet. Dabei schwingt, vor allem wenn Bienzle eine Jugendfreundin wieder trifft, auch das Gefühl von falsch getroffenen Entscheidungen und verpassten Chancen mit.
Auf dem Cover steht „Kommissar Bienzles letzter Fall“, aber das muss noch lange nicht heißen, dass „Adieu, Bienzle“ der letzte Bienzle-Roman ist. Denn als Pensionär kann er ja auch noch den ein oder anderen Fall lösen – oder Felix Huby geht in der Vergangenheit zurück und erzählt ältere Bienzle-Fälle. Zum Beispiel seinen ersten Mordfall.

Felix Huby: Adieu, Bienzle
Fischer Verlag, 2011
224 Seiten
8,99 Euro

Hinweise

Homepage von Felix Huby

Meine Besprechung von Felix Hubys „Fast wie von selbst – Ein Gespräch mit Dieter de Lazzer“ (2008)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Null Chance” (2009)

Meine Besprechung von Felix Hubys “Bienzle und das ewige Kind” (2009)

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One Response to Felix Huby sagt „Adieu, Bienzle“

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