Neu im Kino/Filmkritik: Juan Carlos Fresnadillo, Clive Owen und die „Intruders“

Spoilerwarnung: Diese Besprechung enthält Spoiler und, weil sich meine Kritik hauptsächlich auf das Ende bezieht, wird das natürlich auch verraten; – wobei: wenn man das Ende kennt, kann man sich vielleicht genauer auf die Konstruktion einlassen, die Zeichen deuten und so einen besseren Film, freilich ohne die große Überraschung am Ende, genießen.
Na, egal, wie auch immer, nach dem Trailer geht’s mit der Besprechung los.

Als der Film zu Ende war, war ich tief enttäuscht. Denn das Ende ruinierte den atmosphärischen Gruselfilm.
Jetzt, mit etwas Abstand und intensiverem Nachdenken über den Film und das Ende, ist „Intruders“ von Juan Carlos Fresnadillo („Intacto“, „28 Weeks Later“) gar nicht so schlecht, aber auch nicht wirklich gut.
In England findet Mia (Ella Purnell) in einem schwer erreichbaren Loch in einem Baum ein Kästchen, in dem alte Aufzeichnungen sind. Sie beginnt sie fasziniert zu lesen und ein Dämon, das Schattengesicht, tritt in ihr Leben. Er will von ihr Besitz ergreifen und sie vielleicht sogar töten. Jedenfalls hat sie eine höllische Angst vor der dunklen, unheimlichen Bedrohung, die sich in den dunklen Ecken ihres Zimmers versteckt. Ihr Vater John Farrow (Clive Owen), der sehr verständnisvoll auf ihre Ängste eingeht, will ihr helfen. Denn niemand außer ihr sieht Schattengesicht und auch als sie eine Überwachungskamera in ihrem Zimmer installieren, sieht niemand den Eindringling, sondern nur John mit sich selbst kämpfen.
In Spanien sieht der kleine Juan (Izán Corchero) ebenfalls Schattengesicht. Seine Mutter Luisa (Pilar López de Ayala) versucht ihm zu helfen. Aber er hat weiterhin Angst. Sie wenden sich an einen jungen katholischen Priester Antonio (Daniel Brühl), der ihnen helfen will. Er erwägt sogar einen Exorzismus.
Fresnadillo erzählt parallel, und damit etwas redundant, diese beiden Geschichten und hemmt damit immer wieder den Erzählfluss. Denn bis zum Ende ist unklar, wie sie miteinander zusammenhängen und wie der Vater und die Mutter in ihrem Land die Eindringlinge (immerhin heißt der Film „Intruders“ und nicht „Intruder“) besiegen könnten.
Dennoch funktioniert der Film über weite Strecken als sanfter Horrorfilm, in dem es um die Versuche von Eltern geht, ihre Kinder zu schützen und bei den Kindern um die Faszination, aber auch Angst, vor dem Unbekannten.
In den letzten Minuten wird allerdings plötzlich deutlich, dass die Ereignisse in Spanien und England nicht gleichzeitig spielen. Der spanische Junge ist John (Clive Owen) und weil seine Mutter Schattengesicht nicht besiegen konnte, flüchten sie nach England. Dort belegt der Junge Schattengesicht mit einem Fluch, der dazu führt, dass der Geist ihn nicht mehr bedrohen kann, und er versteckt seine Aufzeichnungen und den Bannfluch in einem Baum.
Hmpf.
Aber damit hört die Erklärung der Drehbuchautoren nicht auf. Schattengesicht ist nämlich kein übernatürlicher Dämon, sondern er war der aus dem Gefängnis entlassene Mann von Luisa. Als er in einer Regennacht über das Baugerüst bei ihnen einbrach, flüchtete Juan vor ihm, es kam zu einem Kampf und der Eindringling stürzte in den Tod.
Dass der Junge dieses Ereignis verdrängt und es mit einem Geist erklärt, ist noch halbwegs verständlich, obwohl die Mutter sich dann doch etwas seltsam verhält. Immerhin weiß sie, vor was ihr Kind Angst hat.
Doch damit hören die Autoren und der Regisseur in ihrem Erklärungs- und Rationalisierungswahn nicht auf. Denn die besonders starke Liebe zwischen dem Vater John und seiner Tochter führt dazu, dass sie die Ängste ihres Vaters (der nicht weiß, dass sie seine Schatulle entdeckt hat) auf sich überträgt. Das ist nur noch gaga.
So wird aus zwei durchaus vielversprechenden Geschichten, die jede für sich als „Twilight Zone“-Geschichte funktionieren würde, am Ende eine herbe Enttäuschung.
Außerdem führt der Titel auf die falsche Fährte. Denn es gibt nur einen Eindringling.

Intruders (Intruders, USA/England/Spanien 2011)
Regie: Juan Carlos Fresnadillo
Drehbuch: Nicolás Casariego, Jaime Marques
mit Clive Owen, Carice van Houten, Daniel Brühl, Kerry Fox, Ella Purnell, Izán Corchero, Pilar López de Ayala, Lolita Chakrabarti, Mark Wingett

Hinweise
Deutsche Hompeage zum Film
Film-Zeit über „Intruders“
Rotten Tomatoes über „Intruders“
Wikipedia über „Intruders“

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