Neu im Kino/Filmkritik: „The Artist“ verzaubert

Auf die Frage, worauf er bei „The Artist“ am meisten stolz sei, sagt Regisseur und Autor Michel Hazanavicius: „Dass es den Film überhaupt gibt! Und dass er der Vision ähnelt, die ich ursprünglich hatte.“
Das kann jeder Regisseur bei jedem Film sagen, aber bei „The Artist“ stimmt es wirklich. Denn auf dem Papier klingt „The Artist“ wie das reinste Kassengift: Schwarz-Weiß und dann auch noch ohne Dialoge. Ein Stummfilm eben, der vom Ende des Stummfilms und dem Beginn des Tonfilms anhand der Liebe zwischen einem Stummfilmstar und einem Starlet, das zu einem der ersten Tonfilmstars wird, erzählt. Wen soll so etwas interessieren?
Wenn man aber die ersten Minuten von „The Artist“ sieht, ist man sofort gefangen in dieser Welt, in der alles wichtige durch das Spiel der Schauspieler und die Musik von Ludovic Bource gesagt wird.
Hazanavicius, der vorher mit „The Artist“-Hauptdarsteller Jean Dujardin die in Frankreich sehr erfolgreichen, bei uns nur auf DVD erschienenen „OSS 117“-Sixties-Agentenkomödien inszenierte, erzählt die herzige Liebesgeschichte mit viel Liebe zum Detail in einer beschwingten Mischung aus Sentiment und Realismus. Denn auch wenn er, historisch nicht ganz akkurat, vom durch eine neue Technik bedingtem Auf- und Abstieg der Stars in Hollywood erzählt, ist es auch in jeder Sekunde eine Liebeserklärung an die Traumfabrik und das Kino.
Dabei trägt er, wie Martin Scorsese in seinem ähnlich gelagerten „Hugo Cabret“ (Sehbefehl! Kinostart am 9. Februar), zur Selbstvergewisserung der Filmemacher und zum Dialog über das, was uns im Kino und bei Filmen wichtig ist, bei.
Denn „The Artist“ ist einer der Filme, die zeigt, was man im Kino immer mehr vermisst. Es sind nicht die tollen Spezialeffekte, 3D-Spielereien, Wackelkamera und Schnittgewitter, sondern ergreifende Geschichten von Charakteren, deren Schicksal uns interessiert. Und dafür braucht man keine knalligen Farben oder Dialoge.
Insofern hat „The Artist“ einfach alles, was zu einem guten Film gehört.
Er ist sogar so gut, dass er auf zahlreichen Jahresbestenlisten auftauchte (hab ihn auch schon mal für meine Jahresbestenliste notiert), für zwölf BAFTA-Awards, sechs Golden Globes (drei erhielt das Melodram) und jetzt für zehn Oscars nominiert wurde. Und dabei ist „The Artist“ ein französischer Film…

The Artist (The Artist, Frankreich 2011)
Regie: Michel Hazanavicius
Drehbuch: Michel Hazanavicius
mit Jean Dujardin, Bérénce Bejo, John Goodman, James Cromwell, Penelope Ann Miller, Missi Pyle, Malcolm McDowell, Uggy (Palm Dog Award Cannes 2011 als bester Hundedarsteller)
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Artist“

Rotten Tomatoes über „The Artist“

Wikipedia über „The Artist“ (deutsch, englisch, französisch)

Cannes: Presseheft für „The Artist“ (sehr schönes Teil!)

Drehbuch „The Artist“ von Michel Hazanavicius

Kino-Zeit: Interview mit Michel Hazanavicius zu „The Artist“

BR: Interview mit Michel Hazanavicius zu „The Artist“

Einige Impressionen von der Premiere in Berlin

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2 Responses to Neu im Kino/Filmkritik: „The Artist“ verzaubert

  1. […] The Artist von Michel Hazanavicius (meine Besprechung von „The Artist“) […]

  2. […] Mit Jean Dujardin, Laurent Lucas, Agnès Blanchot, Jean-Pierre Cassel […]

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