DVD-Kritik: „Verdict Revised – Unschuldig verurteilt“, die zweite Runde

Inzwischen hat sich der Kurs von Universitätsprofessor Markus Haglund wohl soweit etabliert, dass er eine Mischung aus Forschungsprojekt und Pro-Bono-Anwaltskanzlei wurde. Jedenfalls suchen Haglund und seine Studenten Roger Andersson, Fia Jönsson, Belal Al-Mukthar und  Anna Sjöstedt, die inzwischen an ihrer Promotion arbeitet, immer noch nach Menschen, die wahrscheinlich unschuldig verurteilt im Gefängnis sitzen. Manchmal kommen die Fälle auch zu ihnen. Und dann versuchen sie den wahren Täter zu finden.
Die gut konstruierten Fälle der schwedischen Krimiserie „Verdict Revised – Unschuldig verurteilt“ (auch wenn für den krimierfahrenen Zuschauer der Täter oft ziemlich schnell offensichtlich ist) bieten einen ordentlichen Querschnitt durch die möglichen Delikte.
Meistens geht es natürlich um Mord, auch mal um fahrlässige Tötung, aber auch Vergewaltigung, Entführung, der Überfall auf ein Juweliergeschäft sind Straftaten mit denen Haglund und seine Studenten sich beschäftigen. Weil bereits von der Polizei ein Täter ermittelt und von einem Richter verurteilt wurde, scheiden die offensichtlichsten Spuren und Tatverdächtigen aus. Entsprechend überraschend entwickelt sich die Handlung, wenn in „Was ist los mit Markus?“ aus einem schnöden Überfall ein Familiendrama, oder in „Mutter hinter Gittern“ aus einer fahrlässigen Tötung wegen Tablettenmissbrauch ein ausgewachsenes Mordkomplott wird.
Auch in „Bücher und Mörder“ über eine ermordete Bestsellerautorin und „Der alte Mann und das Geld“ über einen ermordeten, vermögenden Geizhals und seinen spurlos verschwundenen Sohn, ist alles ganz anders, als es auf den ersten Blick scheint.
Gut, das ist für einen Krimi nichts außergewöhnliches, eher sogar eine Standardanforderung, aber hier sind den Machern von „Verdict Revised“ für eine 45-minütige Folge einige hübsche Plottwists gelungen.
Dagegen ist „In Todesangst“ erstaunlich schwach. Denn während der Geiselnahme verhalten sich alle doch etwas dumm. Der Geiselnehmer will nur mit Haglund reden. Die Geiseln, Roger, Fia, Belal und Tomas Thomén, der Institutsleiter und Punchingball von Haglund, verhalten sich, vor allem nachdem Fia angeschossen wird, merkwürdig passiv. Und die Polizei? Nun, sie belagert das Haus und der Einsatzleiter möchte es gerne auf die altmodische Art stürmen. Gut, dass Haglund am Ende auftaucht und in wenigen Sekunden die Situation entschärft. Das ist weder besonders glaubwürdig, noch spannend.
In der nächsten Folge „Der Tod macht Visite“ liegt Fia im Krankenhaus. Aber anstatt sich zu erholen, glaubt sie, dass ihre Zimmernachbarin ermordet wurde. Die Story ist zwar arg vorhersehbar, auch weil der Täter von Anfang an bekannt ist, aber dafür gibt es viel Krankenhaus-Atmosphäre und Fia und Roger kommen sich näher.
Im Gegensatz zur ersten Staffel, die gegen Ende zunehmend soapiger wurde, wird jetzt – zum Glück – fast vollkommen auf private Plots verzichtet und auch Haglund und seine Studenten sind meistens nicht persönlich in die Fälle involviert. Aber sie begeben sich mehrmals in Lebensgefahr. Mal wissentlich, mal unwissentlich.
Schade ist allerdings, dass Haglund in der zweiten Staffel von „Verdict Revised – Unschuldig verurteilt“ kaum noch auftaucht. Denn er ist, wundervoll garstig gespielt von Mikael Persbrandt (Kommissar Beck, In einer besseren Welt), der Grund, sich die Serie anzusehen. Aber in der zweiten, wieder aus zwölf Episoden bestehenden Staffel, schleicht er nur ab und zu durch sein Haus, bemüht sich möglichst stinkstiefelig zu sein und derangiert-betrunken auszusehen. Seine Rolle ist in fast allen Folgen so klein geraten, dass sie auch ohne Verluste wegfallen könnte.
Insgesamt ist „Verdict Revised – Unschuldig verurteilt“ eine grundsolide Serie, die sich, aufgrund ihrer Prämisse, etwas abseits der eingefahrenen Gleise bewegt und kurzweilig unterhält.
Nach dem momentanen Stand der Dinge endet die Serie mit diesen zwölf Fällen. Anscheinend waren die Kosten zu hoch und natürlich ist es schlecht, wenn der Hauptdarsteller die meiste Zeit durch Abwesenheit glänzt.

Verdict Revised – Unschuldig verurteilt: Staffel 2 (Oskyldigt dömd, Schweden 2009)
Erfinder: Johann Zollitsch
mit Mikael Persbrandt (Markus Haglund), Sofia Ledarp (Fia Jönsson), Helena af Sandeberg (Anna Sjöstedt), Francisco Sobrado (Belal Al-Mukthar), Leonard Terfelt (Roger Andersson), Marie Richardson (Ulrika Stiegler), Anja Lundkvist (Caroline Gustavsson), Magnus Mark (Tomas Thomén)

DVD
Edel:motion
Bild: Pal 16:9 (Widescreen)
Ton: Deutsch, Schwedisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 521 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jhare

Die Fallbesprechungen im zweiten „Verdict Revised“-Seminar
Lockvogel (Stora skuggan)
Regie: Daniel di Grado
Drehbuch: Thomas Borgström

Die Farbe des Todes (Alba Femina)
Regie: Daniel di Grado
Drehbuch: Thomas Borgström, Sara Heldt

Gefangen oder tot (Hotad Åklagare)
Regie: Daniel di Grado
Drehbuch: Thomas Borgström, Sara Heldt

Was ist los mit Markus (Nowak & Nowak)
Regie: Daniel di Grado
Drehbuch: Thomas Borgström, Sara Heldt

Mutter hinter Gittern (Goda grannar)
Regie: Niklas Ohlson
Drehbuch: Thomas Borgström, Sara Heldt

Bücher & Mörder (Stalkern)
Regie: Niklas Ohlson
Drehbuch: Thomas Borgström, Sara Heldt

Der Nigger (Kinnaberg)
Regie: Niklas Ohlson
Drehbuch: Thomas Borgström, Sara Heldt

In Todesangst (Gisslan)
Regie: Niklas Ohlson
Drehbuch: Sara Heldt

Der Tod macht Visite (Nattrond)
Regie: Richard Holm
Drehbuch: Thomas Borgström

Der alte Mann und das Geld (Pengafällan)
Regie: Richard Holm
Drehbuch: Thomas Borgström, Sara Heldt

Armes reiches Mädchen (Kidnapped)
Regie: Richard Holm
Drehbuch: Thomas Borgström, Sara Heldt

Mittsommertod (Okänt Vittne)
Regie: Richard Holm
Drehbuch: Thomas Borgström, Sara Heldt

Hinweise

Wikipedia über „Verdict Revised – Unschuldig verurteilt“ (deutsch, englisch, schwedisch)

ZDFneo über „Verdict Revised – Unschuldig verurteilt“

FAZ: Hannes Hintermeier über „Verdict Revised – Unschuldig verurteilt“ (18. Juli 2011)

Evolver: Marcel Feige über „Verdict Revised – Unschuldig verurteilt“ (30. Oktober 2011)

Meine Besprechung von „Verdict Revised – Unschuldig verurteilt: Staffel 1“

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