Neu im Kino/Filmkritik: Wüste, Wüste, Wüste, viele Statisten, einige Stars und irgendwo ist das „Black Gold“ versteckt

Wüste, verfeindete Beduinenstämme, der beginnende Ölboom, tapfere Krieger, schöne Frauen, Kämpfe und Intrigen. Das klingt doch nach einem zünftigem Abenteuerfilm, den man sich wegen der Schauwerte im Kino ansehen sollte. So wie sich unsere Eltern (oder Großeltern) vor fünfzig Jahren David Leans „Lawrence von Arabien“ angesehen haben.

Jean-Jacques Annauds „Black Gold“ spielt allerdings in einer anderen Liga. Er erzählt, hm, die Geschichte von Prinz Auda (Tahar Rahim), der als Kind von Nesib, dem Emir von Hobeika (Antonio Banderas), als Faustpfand in Pflege genommen wurde. Denn Nesib hat sich mit Amar, dem Sultan von Salmaah (Mark Strong), auf einen fragilen Frieden geeinigt. Zwischen den beiden Stämmen soll ein Stück Wüste zum Niemandsland, das keinem Stamm gehört, werden. Damit Amar sich auch wirklich an den Friedensvertrag hält, nimmt Nesib dessen Söhne mit und würde sie, bei einer Vertragsverletzung, töten.

Als zwölf Jahre später eine texanische Ölfirma in genau diesem Niemandsland Öl entdeckt und es fördern will, gestattet Nesib, der viel Geld und damit in jeder Beziehung einen Fortschritt für sich und seinen Stamm wittert, die Förderung. Amar will dagegen das Niemandsland, entsprechend ihrem Friedensvertrag, als unberührtes Niemandsland belassen.

Nesib, der intrigant und bauernschlau ist (und sich damit für die Rolle des Bösewichts qualifiziert), verheiratet zuerst Auda mit seiner Tochter, Prinzessin Leyla (Freida Pinto), und schickt ihn anschließend zu Amar. Er soll seinen Vater überzeugen, die Ölforderung zuzulassen.

Allerdings hat Nesib nicht bemerkt, dass der Bücherwurm Auda ein eigenständiger Denker ist, der schon Pläne für die Zukunft des Landes entwickelt (auch er will, wie wir im Lauf des Films erfahren, dass die Beduinen die westlichen Errungenschaften bekommen), ein großer Krieger ist (er weiß, wie man Panzer in der Wüste besiegt) und seit Kindheitstagen in Leyla verliebt ist. Also eigentlich will Auda genau das tun, wozu Nesib ihn zwingen will. Außer natürlich, dass er dafür gegen Nesib kämpfen muss, weil dieser glaubt, dass Auda sich auf die Seite seines Vaters Amar geschlagen hat.

Und so entfaltet sich in der Wüste ein längliches Drama, das über weite Teile einfach nur Dummheit bei der Arbeit beobachtet und einen schon peinlichen Fortschrittsoptimismus huldigt, der, als Hans Ruesch seinen Roman „Der schwarze Durst“ in den Fünfzigern veröffentlichte, noch die Mehrheitsmeinung wiedergab. Heute hätte man auch wenigstens andeuten müssen, wohin die arabische Ölförderung führte.

Aber dann hätte man auch ein komplexeres Drehbuch haben müssen, das die Rollen von Gut (unser jugendlicher Held Auda), Böse (der intrigante Nesib) und konservativer Vergangenheitsglorifizierung (der Fortschrittsverweigerer Amar) nicht so plakativ verteilt und andere Finanziers gebraucht.

So sieht der von Tarak Ben Ammar und dem Emirat Katar (genaugenommen dem Doha Film Institute) finanzierte Film wie eine arabische Auftragsproduktion aus, die primär an einer Verklärung der Vergangenheit und, damit verbunden, einer Lobhuddelei auf die aktuellen Machthaber interessiert ist.

1975 produzierte Tarak Ben Ammar Claude Chabrols in Deutschland nicht verliehenen „Die Schuldigen mit den sauberen Händen“ (Les Magiciens) mit Franco Nero, Gert Fröbe, Jean Rochefort, Stefania Sandrelli, Gila von Weitershausen und dem Touristenhotel „Dar Djerba“. Chabrol sagte, er halte das Werk für einen seiner schlechtesten Filme und er habe ihn nur wegen der besonders günstigen Finanzierungsbedingungen gedreht.

Bei „Black Gold“ könnte es ähnlich sein. Denn eigentlich müssten Jean-Jacques Annaud („Am Anfang war das Feuer“, „Im Namen der Rose“, „Sieben Jahre im Tibet“), Antonio Banderas (zuletzt „Die Haut in der ich wohne“) und Mark Strong (tief Luft holen: „Dame, König, As, Spion“, „The Guard“, „The Way Back“, „Sherlock Holmes“, „Kick-Ass“, „Der Mann, der niemals lebte“, „RocknRolla“ und, uh, auch „Green Lantern“) sich nicht für so ein Werk hergeben.

Black Gold (Black Gold, Frankreich/Katar 2011)

Regie: Jean-Jacques Annaud

Drehbuch: Menno Meyjes, Jean-Jacques Annaud (Adaption), Alain Godard (Adaption)

LV: Hans Ruesch: The Great Thirst, 1957 (anscheinend auch als „South of the heart“ und „The Arab“ veröffentlicht. Deutscher Titel „Der schwarze Durst“)

mit Tahar Rahim, Freida Pinto, Antonio Banderas, Mark Strong, Riz Ahmed, Jamal Awar, Lotfi Dziri, Eriq Ebouaney, Mostafa Gaafar, Akin Gazi, Ziad Ghaoui , Corey Johnson, Liya Kebede

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Black Gold“

Rotten Tomatoes über „Black Gold“

Wikipedia über „Black Gold“

 

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