Neu im Kino/FIlmkritik: Denzel Washington und Ryan Reynolds müssen das „Safe House“ verlassen

Der junge, idealistische CIA-Angestellte Matt Weston (Ryan Reynolds) langweilt sich in seinem Job. In Kapstadt bewacht er ein Safe House. Schon seit gefühlten Ewigkeiten. Denn bislang geschah nichts aufregendes. Das ändert sich als Tobin Frost (Denzel Washington), ein seit langem flüchtiger CIA-Agent, der sich jetzt mit höchst zwielichtigen Geschäften durchschlägt und, weil er von einer Armee gut ausgerüsteter Männer, die ihn umbringen wollen, verfolgt wird, in amerikanische Obhut begeben hat, bei ihm als gut bewachter Gast eingeliefert wird.

Während Frosts CIA-Bewacher gerade aus ihm einige Informationen herausfoltern wollen, wird das Safe House überfallen. Weston kann mit dem Gefangenen Frost, auf den er laut Dienstvorschrift aufpassen soll, flüchten.

Auf ihrer Flucht quer durch Südafrika haben sie immer noch ihre schießwütigen Verfolger an der Hacke, das CIA-Rettungsteam ist zwar unterwegs, muss aber erst eingeflogen werden, und ob Weston seinen Vorgesetzten vertrauen kann, weiß er nicht. Frost jedenfalls behauptet, dass ein CIA-Maulwurf das Safe House verraten habe.

Klingt doch spannend? So richtig schön paranoides Actionfutter für den Polit-Thriller-Fan. Aber „Safe House“ ist, trotz „Bourne“-Anleihen, eine ziemliche Enttäuschung. Das liegt allerdings weniger an der komplett vorhersehbaren Story, deren größte Überraschung letztendlich die Abwesenheit von Überraschungen ist. Denn dass der als superböse eingeführte Tobin Frost einer der Guten ist, dürfte nur jemand überraschen, der zuletzt im Kino war, als Afroamerikaner noch Neger hießen und immer den Bösewicht spielen mussten. Immerhin wird Frost von Denzel Washington gespielt – und er spielt ihn auch mit spürbarer Lust. Den wirklichen Bösewicht – das sind die Freuden des Type-Castings – habe ich schon bei seinem ersten Auftritt erkannt.

Nein, das Scheitern von „Safe House“ liegt an der durch die „Bourne“-Filme trendy gewordenen Wackelkamera und den Sekundenschnitten, die Tony Scott in dem Denzel-Washington-Film „Mann unter Feuer“ perfektionierte und damit seinen nächsten Film „Domino“ komplett ruinierte. Beides ist meistens für die Geschichte vollkommen überflüssig und, anstatt in die Geschichte hineingezogen zu werden, bleibt man als Beobachter, weil man sich ständig fragt, was man in diesem Schnitt- und Wackelchaos denn nun gerade sieht, außen vor. Dann entsteht statt einem angenehm-produktivem Gefühl von Desorientiertheit, Paranoia und erhöhter Wachsamkeit, wie in den „Bourne“-Filmen, einfach nur Frust über die Regie, die es nicht schafft, eine Geschichte zu erzählen, ohne sich ständig in den Vordergrund zu spielen.

Und so fabriziert Daniel Espinosa („Easy Money“) aus einem okayen 08/15-Thriller ein Ärgernis, das nur dank der hochkarätigen Besetzung im Kino läuft.

Safe House (Safe House, USA 2012)

Regie: Daniel Espinosa

Drehbuch: David Guggenheim

mit Denzel Washington, Ryan Reynolds, Vera Farmiga, Brendan Gleeson, Sam Shepard, Ruben Blades, Nora Arnezeder, Robert Patrick, Liam Cunningham, Tracie Thoms,

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Safe House“

Rotten Tomatoes über „Safe House“

Wikipedia über „Safe House“

 

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