Mit Robert Brack „Unter dem Schatten des Todes“

Am Ende von „Blutsonntag“ flüchtete Klara Schindler, Journalistin und Kommunistin, nach einem missglückten Attentat auf einen Polizisten aus Deutschland.

Am Anfang von „Unter dem Schatten des Todes“ langweilt sie sich in Kopenhagen, bis ihr KPD-Verbindungsmann sie beauftragt nach Berlin zu fahren und die Hintergründe des Reichtstagsbrandes vom 27. Februar 1933 herauszufinden. Denn die Kommunisten glauben nicht an die Nazi-Version, dass Marinus van der Lubbe ein Einzeltäter ist. Sie glauben, dass die Nazis den Brand gelegt haben.

Klara wird, weil die Grenze bereits zu ist, als englische Journalistin eingeschleust. In Berlin beginnt sie mit ihren Ermittlungen. Schnell zweifelt sie daran, dass van der Lubbe die Tat allein begangen hat und sie erfährt immer mehr über van der Lubbe, das dem offiziellen Bild des geistig behinderten Täters widerspricht.

Unter dem Schatten des Todes“ ist der tolle dritte Kriminalroman mit Klara Schindler, in dem Robert Brack nah an den Fakten Ereignisse aus der Vergangenheit neu beleuchtet. In „Und das Meer gab seine Toten wieder“ ging es um den Selbstmord einer Hamburger Polizistin und die Machtkämpfe um die inzwischen vollkommen unbekannte weibliche Kriminalpolizei. In „Blutsonntag“ um den Altonaer Blutsonntag vom 17. Juli 1932, an dem die SA und SS, von der Polizei geschützt, durch das Arbeiterviertel marschierten. Dabei wurden 18 Menschen ermordet. Den Hamburgern könnte dieses Datum noch etwas sagen. Der Reichtstagsbrand und die umstrittene Frage der Täterschaft dürfte dagegen allgemein bekannt sein. Fast schon Schulwissen.

Letztes Jahr schrieb Bernward Schneider mit „Flammenteufel“ einen erschreckend langweiligen und schlecht konstruierten Kriminalroman über diese Tat. Dagegen hat Robert Brack mal wieder alles richtig gemacht und das Berlin des Jahres 1933 entsteht vor unserem geistigen Auge in all seinen Facetten. Und seine Erklärung, wer wie den Reichstagsbrand legte, ist eine sehr nachvollziehbare Spekulation. Damit unterscheidet er sich, wie er in seinem Nachwort sagt, nicht von den wissenschaftlichen Arbeiten der Historiker: „alle Historiker, die sich damit befasst haben, entlarven sich früher oder später als Geschichtenerzähler.“

Unter dem Schatten des Todes“ ist ein feiner historischer Kriminalroman. Etwas anderes hätte ich von Robert Brack auch nicht erwartet.

Robert Brack: Unter dem Schatten des Todes

Nautilus, 2012

224 Seiten

12,90 Euro

Hinweise

Homepage von Robert Brack

Meine Besprechung von Robert Bracks „Schneewittchens Sarg“ (2007)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Und das Meer gab seine Toten wieder” (2008)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Psychofieber” (1993, Neuausgabe 2008)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Blutsonntag“ (2010)

 

2 Responses to Mit Robert Brack „Unter dem Schatten des Todes“

  1. Krimis als Zeitreisen…

    In den letzten Wochen sind einige Krimis erschienen, die den Leser auf Zeitreisen schicken, sei es in die Vergangenheit oder in die Zukunft. Robert Bracks Kriminalroman „Unter dem Schatten des Todes“ beginnt Ende Februar 1933 mit dem Reichstagsbrand. D…

  2. Ich habe Respekt vor den Autoren, die unsere Geschichte in so einer Form aufarbeiten und damit einer breiten Masse zugänglich machen. Ein genialer, authentischer Roman.

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