Ein Blick in die Vergangenheit von Garth Ennis: „Hellblazer“ und „The Punisher“

Wer sich nach der Lektüre von „Jennifer Blood: Selbst ist die Frau“ fragt, woher dieser Garth Ennis kommt, kann einen Blick in seine ersten „Hellblazer“-Geschichten und seine „The Punisher“-Geschichten werfen.

1991 übernahm der damals Zwanzigjährige die von Alan Moore erfundene Serie „Hellblazer“. Im Mittelpunkt steht John Constantine, ein Dämonenjäger, starker Trinker und Raucher. In seiner ersten, aus sechs Heften bestehenden „Hellblazer“-Geschichte „Gefährliche Laster“ (die jetzt zusammen mit zwei weiteren Geschichten im ersten Band der „Hellblazer“-Garth-Ennis-Collection erschien) lässt Ennis John Constantine dann sterben.

Nun, gut. Nicht ganz. Aber er muss sich mit seiner eigenen Sterblichkeit beschäftigen. Denn er hat Lungenkrebs im Endstadium. Eine Operation bringt nichts und auch die ganze Zauberei hilft nicht dagegen.

In der zweiten Geschichte, die als „Der Pub, in dem ich geboren wurde“ und „Liebe tötet“ erschien, wird’s nostalgisch. Denn in seiner alten Stammkneipe erinnert Constantine sich mit seiner Freundin Kit an die in dem Pub verbrachten Stunden. Als kurz darauf Spekulanten den Pub abfackeln, stirbt auch die Besitzerin. Aber ihr Geist und der Geist ihres bereits früher verstorbenen Mannes wollen Rache.

Da ist die am Heiligabend spielende Weihnachtsgeschichte „Lord of the Dance“ eine nette Entspannung.

Gerade in der sechsteiligen Geschichte „Gefährliche Laster“ behandelt Garth Ennis erstaunlich erwachsen die Frage des eigenen Todes. Immerhin war er damals in einem Alter, in dem man normalerweise nicht an den eigenen Tod denkt. Aber so gelang ihm auch ein ungewöhnlicher Beginn seiner „Hellblazer“-Ära.

Bei den Zeichnungen von William Simpson, Mike Hoffman und Steve Dillon fällt auf, wie sehr sich der Zeichenstil für Comics in den vergangenen zwanzig Jahren änderte.

In dem achten Band der „Garth Ennis Collection“ von „The Punisher“ sind zwei eher ungewöhnliche „Punisher“-Geschichten enthalten. Denn in „Barracuda“ und „Mann aus Stein“ kämpft Frank Castle, der sich als gnadenloser Bekämpfer des Verbrechens „The Punisher“ nennt und auf dessen Konto unzählige tote Verbrecher gehen, gegen für ihn ungewöhnliche Verbrecher.

In „Barracuda“ ist sein Gegner nicht ein Drogenhändler oder Menschenschmuggler, sondern ein honoriger Unternehmer, der seine Aktionäre mit zwar legalen, aber unmoralischen Geschäften bereichert. Denn er manipuliert skrupellos den Strommarkt in Florida.

Neben den Kapitalisten kann der „Punisher“ Frank Castle sich im sonnigen Florida mit Barracuda, einem Muskelprotz, der keinen Schmerz empfindet, kloppen. Allerdings stehen die beiden Erzählstränge etwas unverbunden nebeneinander und die „Punisher“-Methode, erst mal alle Bösewichter zu töten, stößt hier an seine Grenzen.

In „Mann aus Stein“ geht es dann nach Afghanistan und die Geschichte erinnert eher an den Einsatz eines Spezialkommandos der Armee in feindlichem Gelände.

Sein Gegner ist ein hochrangiger Offizier der russischen Armee, der als Soldat über Leichen geht und ein wahrer Schlächter ist. Aber halt in Uniform.

Barracuda“ und „Mann aus Stein“ sind zwei gute, jeweils sechsteilige Geschichten, die gekonnt mit der „Punisher“-Formel spielen und auch das für „Punisher“-Fans nötige Level an Gewalt haben.

Garth Ennis/Will Simpson/Steve Dillon: Hellblazer – Gefährliche Laster (Garth-Ennis-Collection Band 1)

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini 2012

236 Seiten

29,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Gefährliche Laster, Teil 1: Der Anfang vom Ende (Dangerous Habits, Part One: The Beginning of the End, Hellblazer 41, Mai 1991)

Gefährliche Laster, Teil 2: Ein Tropfen harter Stoff (Dangerous Habits, Part Two: A drop of the hard stuff, Hellblazer 42, Juni 1991)

Gefährliche Laster, Teil 3: Einflussreiche Freunde (Dangerous Habits, Part Three: Friends in High Places, Hellblazer 43, Juli 1991)

Gefährliche Laster, Teil 4: Mein Weg (Dangerous Habits, Part Four: My Way, Hellblazer 44, August 1991)

Gefährliche Laster, Teil 5: Der Trick (Dangerous Habits, Part Five: The Sting, Hellblazer 45, September 1991)

Gefährliche Laster, Teil 6: Ab in die Hölle (Dangerous Habits, Part Six: Falling into Hell, Hellblazer 46, Oktober 1991)

Der Pub, in dem ich geboren wurde (The Pub where I was born, Hellblazer 47, November 1991)

Liebe tötet (Love kills, Hellblazer 48, Dezember 1991)

Lord of the Dance (Lord of the Dance, Hellblazer 49, Januar 1992)

Garth Ennis/Goran Parlov/Leandro Fernandez: The Punisher – Garth-Ennis-Collection 8

(übersetzt von Uwe Anton)

Panini, 2011

284 Seiten

24,95 Euro (Softcover)

39,00 Euro (Hardcover)

Originalausgabe/enthält

Barracuda, Part 1 – 6 (Punisher [MAX] 31 – 36), Mai – Oktober 2006

Man of Stone, Part 1 – 6 (Punisher [MAX] 37 – 42), November 2006 – April 2007

Hinweise

Wikipedia über Garth Ennis (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Garth Ennis (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner) „The Punisher – Garth Ennis Collection 7“ (Up is Down and Black is White, The Slavers, 2005/2006)

Meine Besprechung von Garth Ennis (Autor)/Adriano Batista/Marcos Marz/Kewber Baal (Zeichner) „Jennifer Blood – Selbst ist die Frau (Band 1)“ (Garth Ennis’ Jennifer Blood: A Woman’s Work is Never Done, 2012)

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