Wie war das „Filmjahr 2011“?

Eine eindeutige Antwort darauf gibt das von der Filmzeitschrift „Film-Dienst“ herausgegebene „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2011“ nicht. Immerhin hat die Redaktion sich, wie in den vorherigen Jahren, dazu entschlossen „Die besten Kinofilme des Jahres 2011“ zu nennen. Es sind „Another Year“ von Mike Leigh, „Black Swan“ von Darren Aronofsky, „Eine dunkle Begierde“ von David Cronenberg, „Der Gott des Gemetzels“ von Roman Polanski, „Janet Eyre“ von Cary Joji Fukunaga, „Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod“ von Alex de la Iglesia, „Meek’s Cutoff“ von Kelly Reichardt, „Melancholia“ von Lars von Trier“, „Nader und Simin – Eine Trennung“ von Asghar Farhadi, „Schlafkrankheit“ von Ulrich Köhler, „The Tree of Life“ von Terence Malick und „Unter Dir die Stadt“ von Christoph Hochhäusler.

Außerdem sind, wie in den vorherigen Ausgaben, alle Filme (wozu auch extrem viele Dokumentarfillme gehören), die 2011 in deutschen Kinos, im Fernsehen und auf DVD/Blu-ray erstmals gezeigt wurden, alphabetisch aufgelistet und kritisch kommentiert. Besonders gelungene DVD- und Blu-ray-Ausgaben, auch von älteren Filmen, werden vorgestellt. Es gibt Listen mit den Preisträgern von verschiedenen Festivals, einen Rückblick auf das Kinojahr 2011 und einen thematischen Teil, der dieses Jahr die etwas seltsame Diskussion des Verbands der deutschen Filmkritik zur Qualität der Berlinale und die „Kinderfilm-Aktion 2012“ dokumentiert. Gerade letztere gibt einen guten Überblick über den derzeitigen Stand des deutschen Kinder- und Jugendfilms, der zwar, auch dank üppiger Werbeetats, mit „“Konferenz der Tiere“, „Hanni & Nanni“, „Wickie und die starken Männer“, „Das fliegende Klassenzimmer“ und „Das Sams“ kommerziell erfolgreich, aber wenig über die heutige Gesellschaft und die Situation von Jugendlichen verraten. Denn Originalstoffe, wie früher mit „Nordsee ist Mordsee“ und „Yasemin“ (beide von Hark Bohm) oder „Flussfahrt mit Huhn“ und „Der Sommer des Falken“ (beide von Arend Agthe, der für dieses Buch auch interviewt wurde), die etwas über die Gegenwart aussagen und ihr Publikum fanden, gibt es nicht.

Und das Fernsehen produziert Märchenfilme. Denn da stimmt die Quote.

Das gesamte Elend des öffentlich-rechtlichen Denkens fasst ZDF-Redakteurin Dagmar Ungureit zusammen: „Das ZDF sieht sich zuallererst in der Verantwortung des Zuschauers. Leider haben wir oft die Erfahrung gemacht, dass wir, wenn wir originären Stoffe im Programm haben, nicht viele Zuschauer bekommen, wenn wir diese spielen, und auch die Erfahrung beim KI.KA ist leider, dass die Zuschauer weniger einschalten als bei bekannten Titeln. Wenn ein größeres Publikum zahlreich dabei wäre, wären wir die letzten, die diese Titel nicht zahlreicher mitproduzieren würden. Da wir den Zuschauern Geschichten zeigen möchten, die sie auch sehen wollen, sind wir irgendwann dazu übergegangen, verstärkt Marken und Klassiker zu adaptieren, Titel, die beim Zuschauer etwas auslösen.“

Nun, so kann man auch zu einer kulturellen Verödung beitragen. Denn eigentlich sollte das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das nicht auf Werbeeinnahmen, sondern auf eine Akzeptanz beim Publikum (was nicht gleichbedeutend mit Quote ist) angewiesen ist, kulturell wertvolle Filme machen, die auch Fragen behandeln, die Kinder und Jugendliche heute beschäftigen und auch von Erwachsenen ohne Brechreiz und mit gutem Gewissen angesehen werden können.

Film-Dienst (Herausgeber): Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2011

Schüren, 2012

592 Seiten

22,90 Euro

Hinweise

Homepage des Film-Dienstes

Homepage des Verbandes der deutschen Filmkritik

Meine Besprechung vom „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

Meine Besprechung vom „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2009“

Meine Besprechung vom „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2010“

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