Von Superhelden, Polizisten und einer Revolutionärin: „Powers“ und „Scarlet“

Obwohl Autor Brian Michael Bendis und Zeichner Michael Avon Oeming bereits vor über zehn Jahren mit „Wer ermordete Retro Girl?“ die erste längere Geschichte aus der „Powers“-Welt vorlegten und dafür den Eisner Award als Beste Neue Serie erhielten, wirkt sie erstaunlich aktuell. Denn zwischen all den anderen neuen Comics, Verfilmungen und TV-Serien, in denen Superhelden ein Teil des alltäglichen Lebens sind und sie sich an mehr oder weniger viele Regeln halten müssen, fällt diese Hardboiled-Geschichte, die in einer Welt, in der es Superhelden gibt, nicht weiter auf.

In einer Großstadt muss Detective Christian Walker den Mord an Retro Girl, einer enorm beliebten Superheldin aufklären. Aber Walker hat auch seine Geheimnisse und er ist ein echter Hardboiled-Cop.

Diese Mischung aus Noir, Hardboiled und Superhelden-Comic ist durchaus ansprechend. Aber die Marotte, die Bendis damals wahrscheinlich für cool hielt, in die Dialoge immer wieder Wiederholungen einzubauen, ist arg störend. Damals sagte Bendis, dass er den Stil von David Mamet, Richard Price und Aaron Sorkin bewundere. Trotzdem wäre hier etwas weniger Mamet-Kopie und mehr Hardboiled-Lakonie gut gewesen.

Neben der Geschichte „Wer ermordete Retro Girl?“ gibt es in dem ersten „Powers“-Sammelband auch eine satte Portion Bonusmaterial: die „Powers“-Strips, die vor dem ersten „Powers“-Heft in den „Comic Shop News“ erschienen, eine Cover-Galerie mit den Original- und verworfenen Titelbildern, das Sketchbook und es wird enthüllt, welche Zeichner die vielen neuen Superhelden für die Superhelden-Befragungen von Walker während seiner Ermittlungen in dem Comic „Wer ermordete Retro Girl?“ entwarfen. Auch Ed Brubaker steuerte einen Schurken bei.

Zehn Jahre später, erfand Brian Michael Bendis, zusammen mit Zeichner Alex Maleev, mit „Scarlett“ eine Serie, die mit „Kinder der Revolution“, einer Sammlung der ersten fünf „Scarlett“-Hefte (mehr gibt es bislang noch nicht), einen vielversprechenden Start hinlegt.

Scarlett Rue ist in Portland, Oregon, in einem leicht in die Zukunft verlegten Polizeistaat eine junge Punkerin. Ihr Freund Gabriel wird von einem Polizisten ermordet und anschließend für die Öffentlichkeit zum gefährlichen Drogenhändler gemacht. Gabriels Mörder wird vor Gericht freigesprochen.

Sie beschließt, sich zu rächen. Ihre erste Taten machen sie schnell zur Volksheldin gegen das repressive Regime. Sie wird zur Anführerin einer Revolution.

Während bei „Powers“ die sich in repetitiven Passagen ergehenden Dialoge immer wieder störten, auch weil der Held so pseudocool und eher blöd wirkte, verzichtet Bendis in „Scarlett“, zum Glück, auf dieses Stilmittel. Und dass Scarlett öfters die Leser direkt anspricht, stört nicht, sondern bereichert die Geschichte um eine zusätzliche Dimension.

Politisch ist „Scarlett“ weitgehend eine Revolutionssaga für die Globalisierungskritiker und die Occupy-Bewegung; – wenn sie denn endlich ihren Stuhlkreis verlassen und wirklich die Machtfrage stellen würde.

Bis dahin, in den Worten der rothaarigen Heldin: „Ich bin Scarlett. Und falls diese Welt bis auf die Grundfesten niederbrennen muss, bevor diese ganzen Arschlöcher lernen, sich nicht mehr wie Arschlöcher aufzuführen, dann funktioniert das genau so.“

Brian Michael Bendis (Autor)/Michael Avon Oeming (Zeichner): Powers: Wer ermordete Retro Girl? (Band 1)

(übersetzt von Joachim Körber)

Panini, 2012

196 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

Powers: Who killed Retro Girl?

Jinxworld, 2000/2012

Brian Michael Bendis (Autor)/Alex Maleev (Zeichner): Scarlet: Kinder der Revolution (Band 1)

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Panini, 2011

164 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Scarlet 1 – 5

Jinxworld, Juli 2010 – März 2011

Hinweise

Wikipedia über Brian Michael Bendis

Jinxworld/Homepage von Brian Michael Bendis

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