Neu im Kino/Filmkritik: Bescheuerte Idee, herziger Film: „Lachsfischen im Jemen“ mit Ewan McGregor, Emily Blunt, Amr Waked und Kristin Scott Thomas

Es gibt einen terroristischen Anschlag und einige Tote, aber „Lachsfischen im Jemen“ ist kein Krimi und auch kein Thriller, sondern eine Romantic Comedy mit einem ordentlich Schuss politischer Satire. Vor allem Kristin Scott Thomas darf hier als absolut ich- und problemzentrierte Pressesprecherin des englischen Premierministers brillieren („Sie ist verbal aggressiv und im Grunde einfach unangenehm. Sie besitzt keinerlei ausgleichende, versöhnliche Qualitäten“, sagt Kristin Scott Thomas, der die Rolle sichtbar gefiel.) und sie würde, wenn sie öfters im Bild wäre, Ewan McGregor locker den Film stehlen. Denn Ewan McGregor spielt den im Fischereiministerium angestellten Wissenschaftler und internationalen Lachsexperten Dr. Alfred Jones, dessen höchstes Glück im Angeln besteht. Nicht das gefährliche Hochseeangeln, sondern das Angeln in ruhig vor sich hin plätschernden englischen Bächen und, seltener, Flüssen.

Als Harriet Chetwode-Talbot (Emily Blunt) ihm vorschlägt, dass er auf Wunsch von Scheich Muhammed ibn Zaidi bani Tihama (Amr Waked) im Jemen das Fischen von Lachs ermöglichen soll, hält er es, aus streng wissenschaftlicher Sicht, für eine vollkommen hirnverbrannte Idee und erklärt Mrs. Chetwode-Talbot mit einer schnell hingekritzelten Skizze, dass der an kalte Gewässer gewöhnte nordeuropäische Lachs niemals im heißen Jemen überleben kann. Für sie ist die Skizze allerdings eine Machbarkeitsstudie. Denn der Scheich hat genug Geld, um es in dieses Projekt zu stecken.

Mit sanfter Gewalt, wozu der nimmermüde Optimismus von Miss Chetwode-Talbot, das gewinnende Charisma des Scheichs und, vor allem, die Pressesprecherin Patricia Maxwell, die das Projekt fördert, weil sie eine positiven Schlagzeile aus dem arabischen Raum will und dies in der Verwaltung mit dem nötigen Druck rücksichtslos durchsetzt, wird Dr. Alfred Jones zuerst in das Projekt gedrängt und dann, als er es schließlich durchführen will, wegen der geänderten politischen Großwetterlage, aus seinem Job gedrängt. Aber das geschieht erst viel später.

Lasse Hallström („Gilbert Grape“, „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, „Chocolat“) erzählt diese Geschichte nach einem Drehbuch von Simon Beaufoy („Ganz oder gar nicht“, „Slumdog Millionär“, „127 Hours“) als herzige RomCom, die nie überbordend schmalzig wird, einige herrliche politische Spitzen hat und gut unterhält.

Das „Lachsfischen im Jemen“ wird die Welt nicht verändern, aber es ist ein schönes, kurzweiliges Feelgood-Movie, das, gut besetzt, bestes englisches Unterhaltungskino der gehobenen Klasse ist.

 

Lachsfischen im Jemen (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Regie: Lasse Hallström

Drehbuch: Simon Beaufoy

LV: Paul Torday: Salmon Fishing in the Yemen, 2006 (Lachsfischen im Jemen)

mit Ewan McGregor, Emily Blunt, Kristin Scott Thomas, Amr Waked, Catherine Steadman, Tom Mison, Rachael Stirling, Tom Beard

Länge: 112 Minuten

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lachsfischen im Jemen“

Rotten Tomatoes über „Lachsfischen im Jemen“

Wikipedia über „Lachsfischen im Jemen“


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