TV-Tipp für den 30. Juni: Isle of Wight Festival

Juni 29, 2012

ZDFkultur, 20.00

Isle of Wight Festival

Für die Jüngeren gibt es ab 13.55 Uhr Klänge vom „Hurricane 2012“-Festival. Unter anderem Die Ärzte, The Cure, Blink 182, The Stone Roses, New Order und Sportfreunde Stiller.

Für die Älteren gibt es ab 20.15 Uhr Konzerte vom diesjährigen „Isle of Wight“-Festival. Dabei sind Bruce Springsteen, Tom Petty, Pearl Jam, Noel Gallagher’s High Flying Birds, Feeder, Ash, Primal Scream und den Stranglers.

Das ganze gibt es auch im Livestream.

Unnütze Bonusinformation: ZDFkultur ist zum ersten Mal dabei. Ich vermute Mal, dass auch das ZDF zum ersten Mal dabei ist.


Kurzkritik: Martin Compart: Die Lucifer-Connection

Juni 29, 2012

Gill, der Sicherheitsberater mit der farbigen Vergangenheit zwischen allen möglichen Geheimdiensten, ist zurück. Nachdem er in „Der Sodom-Kontrakt“ in Europa gegen eine Bande Kinderschänder vorging, geht es jetzt um mehr. Dabei beginnt für ihn alles ganz harmlos mit einer verschwundenen Katze, die er für den jungen Michael sucht.

Zur gleichen Zeit, wenige Kilometer entfernt, sucht die großbusige, sexhungrige, superschlaue, schlagkräftige und blonde Leiterin der Mordkommission Alexa Bloch nach dem Mann, der in einem Massengrab in der Nähe von Dortmund afrikanische Kinder, die niemand vermisst, vergrub. Die Spur führt in Satanistenkreise, deren Mitglieder überaus vermögend und mächtig sind.

Auch Gill, der mit seinen halbseidenen Freunden, die verschwundene Katze findet, stört die Satanisten. Als Alexa von dem Anführer der Satanisten nach Afrika verschleppt wird, machen sie sich, in schönster „Expendables“-Tradition, schwer bewaffnet auf den Weg in den Dschungel.

Selbstverständlich ist „Die Lucifer-Connection“ purer Pulp, bei dem die Wirklichkeit bis zur Kenntlichkeit überzeichnet wird. Aber während mir Gills erster Einsatz verdammt gut gefiel, hat „Die Lucifer-Connection“ doch deutliche Längen. Denn anstatt geschwind zur Tat zu schreiten und zuerst in Deutschland und später in Afrika, die Satanisten zu bekämpfen, ergehen sich Gill und seine Freunde immer wieder in endlosen Tiraden über die schlechte Welt und man glaubt, dass Gill und seinen Kumpels an der Pommesbude neben der sattsam bekannten „Tatort“-Pommesbude der Kölner Kommissar Ballauf und Schenk abhängen.

Gerade weil Compart einige hübsch perfide Ideen hat und die Wut über die Gegenwart in jeder Zeile spürbar ist, ärgerte mich beim Lesen das die Geschichte nicht voranbringende Stammtischgegröhle.

Denn ein guter Pulp-Roman hat 200 Seiten. „Die Lucifer-Connection“ kommt auf 400 engbedruckte Seiten.

Martin Compart: Die Lucifer-Connection

Evolver Books, Wien, 2011

400 Seiten

16,80 Euro

Hinweise

Blog von Martin Compart (dort gibt es auch Infos zu den realen Hintergründen der „Lucifer-Connection“)

Meine Besprechung von Martin Comparts „Der Sodom-Kontrakt“

Meine Besprechung von Martin Comparts „G-man Jerry Cotton“ (2010)

 


TV-Tipp für den 29. Juni: Thelma & Louise

Juni 29, 2012

3sat, 22.25

Thelma & Louise (USA 1991, R.: Ridley Scott)

Drehbuch: Callie Khouri

Hausfrau Thelma und ihre Freundin, die Kellnerin Louise, brechen zu einem Wochenende ohne Männer auf. In einer Bar wird ein Mann zudringlich. In Notwehr erschießt Louise ihn. Weil ihnen das aber niemand glaubt, fliehen Thelma und Louise nach Mexiko. Verfolgt von der Polizei.

Ein feministisches Roadmovie, ein Kassen- und Kritikererfolg und inzwischen ein Klassiker.

Callie Khouri erhielt für ihr Drehbuch unter anderem den Oscar, einen Golden Globe und den Preis der Writers Guild of America. In ihren späteren Werken konnte sie an diesen Erfolg nicht anknüpfen.

mit Susan Sarandon, Geena Davis, Harvey Keitel, Michael Madsen, Brad Pitt

Wiederholung: Samstag, 30. Juni, 03.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Thelma & Louise“

Wikipedia über „Thelma & Louise“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Thelma & Louise“ (Final shooting script, 5. Juni 1990) von Callie Khouri


Neu im Kino/Filmkritik: Keine Hoffnung, nirgends in den „Small Town Murder Songs“

Juni 28, 2012

Small Town Murder Songs“ ist ein sperriger Film. Ein Film, der seinen Charakteren ihre Geheimnisse lässt, der vieles nur andeutet und keine Identifikationsfigur hat. Der Kleinstadtpolizist Walter (Peter Stormare) erscheint auf den ersten Blick wie der etwas hinterwäldlerisch-gutmütige Onkel, der allerdings in der Gemeinde misstrauisch beäugt wird. Denn hinter der Fassade brodelt es. Vor kurzem verprügelte er einen Mann. Seitdem versucht er noch drängender, im Glauben Halt zu finden. Oder sind für ihn die Gebete und die Gespräche, die fast schon penetrant vor sich her getragene Gläubigkeit, nicht die Suche nach Erlösung, sondern nur eine Möglichkeit, bei seiner jetzigen Frau zu bleiben und wieder ein respektiertes Mitglied der Mennoniten-Gemeinde zu werden?

Dieses geregelte Leben, in dem Feindschaften liebevoll gepflegt werden, nicht viele Worte gemacht werden (Man kennt sich ja seit Ewigkeiten) und Walter hilflos mitansehen muss, wie die eigene Verwandtschaft mit halbseidenen Geschäften Geld verdient, wird von einem Mordfall unterbrochen. Dem ersten seit Ewigkeiten. Am See wird, nach einem anonymen Telefonanruf, die nackte Leiche einer jungen, unbekannten Frau gefunden.

Walter verdächtigt schnell Steve (Stephen Eric McIntyre, „The Lookout“ [Die Regeln der Gewalt], „High Life“) als Mörder. Steve spannte Walter vor einem halben Jahr seine Freundin Rita (Jill Hennessy, „Law & Order“, „Crossing Jordan“) aus. Deshalb ist auch unklar, ob Steve, ein in kriminelle Aktivitäten verwickelter Posterboy für die White-Trash-Galerie, der Walter betont respektlos behandelt, wirklich etwas mit dem Mord zu tun hat oder Walter ihn nur verdächtigt, um sich so ein bisschen zu rächen.

Die Macher nennen „Small Town Murder Songs“, vollkommen zutreffend ein „gothic tale of crime and redemption“, das von „No Country for Old Men“ und „In Cold Blood“ (Kaltblütig) beeinflusst ist. Aber während in der Truman-Capote-Verfilmung „In Cold Blood“ das Böse von Außen in die friedliche Gemeinde kam, ist es in „Small Town Murder Songs“ ein integraler Bestandteil der Gemeinschaft und es gibt für Walter und die anderen Männer keine Erlösung.

Daran ändern auch die als strukturierendes Element eingestreuten religiösen Sprüche, die noch an Gass-Donnellys erste Idee, den Film als eine Abfolge von unverbundenen Szenen zu erzählen, die Roots-Rock-Musik der Indieband Bruce Peninsula und die streng durchkomponierten, atmosphärischen Landschaftsaufnahmen von Brendan Steacy nichts.

Obwohl Ed Gass-Donnellys Charakterstudie in Kanada spielt, reiht er sich in die düsteren US-amerikanischen Heimatfilme der letzten Jahre, wie der in Missouri spielenden Daniel-Woodrell-Verfilmung „Winter’s Bone“, die die Verwüstungen des Kapitalismus und der Bush-Ära im Hinterland, in dem die Moderne anscheinend nie angekommen und jede Hoffnung auf ein besseres Leben, den amerikanischen Traum, verloren ist, ein.

Small Town Murder Songs (Small Town Murder Songs, Kanada 2010)

Regie: Ed Gass-Donnelly

Drehbuch: Ed Gass-Donnelly

mit Peter Stormare, Aaron Poole, Martha Plimpton, Jill Hennessy, Stephen Eric McIntire, Ari Cohen, Jackie Burroughs

Länge: 75 Minuten

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Small Town Murder Songs“

Rotten Tomatoes über „Small Town Murder Songs“

Wikipedia über „Small Town Murder Songs“

Scope.tv: Interview mit Ed Gass-Donnelly

Und Ed Gass-Donnelly im O-Ton


TV-Tipp für den 28. Juni: Van der Valk und die Reichen

Juni 28, 2012

Das Vierte, 20.15

Van der Valk und die Reichen (D/F 1973, R.: Wolfgang Petersen)

Drehbuch: Robert Muller

LV: Nicholas Freeling: King of the rain country, 1966 (Bluthund)

Der niederländische Kommissar Van der Valk sucht im Milieu der Reichen den verschwundenen Juniorchef eines Konzerns im Milieu. Besonders fasziniert ist er von der Frau des Verschwundenen.

Der zweite von drei „Van der Valk“-Film mit Frank Finlay ist ein extrem selten gezeigtes Frühwerk von Wolfgang Petersen,

Freelings Roman wurde mit dem Edgar ausgezeichnet.

mit Frank Finlay, Judy Winter, Helmut Käutner, Hans H. Dickow

Wiederholung: Freitag, 29. Juni, 07.00 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Nicolas Freeling (deutsch, englisch)

Das Vierte über „Van der Valk und die Reichen“ (immerhin einige Filmbilder und ein Teaser)


Neu im Kino/Filmkritik: „The Amazing Spider-Man“ erzählt, mal wieder, wie alles begann

Juni 27, 2012

Es soll ja Menschen geben, die die letzten zehn Jahre in einem Paralleluniversum lebten und daher noch nie einen Superheldenfilm gesehen oder davon gehört haben. Für die ist die Geschichte von „The Amazing Spider-Man“ sicher absolut neu, fantastisch und faszinierend.

Die anderen haben in den vergangenen Jahren schon gefühlte tausendmal gesehen, wie ein Normalo zum Superhelden wird, am Ende des Films dann auch tapfer sein Schicksal schultert und, wenn die Kasse stimmte, weitere Abenteuer erleben durfte.

Sie haben auch Sam Raimis fantastischen „Spider-Man“ gesehen – und gegen diese Comicverfilmung hat Marc Webb Version der Origin-Story von Spider-Man, die er in „The Amazing Spider-Man“ erzählt, schlechte Karten. Immerhin reden wir nicht von „Hulk“.

Webb bemühte sich, der sattsam bekannten Geschichte neue Facetten abzugewinnen und eine Mischung aus eigenständiger Geschichte, Referenzen an die „Spider-Man“-Comics und Hommagen an Sam Raimis „Spider-Man“-Film zu kreieren. Doch gerade wenn er von Raimis Version abweicht, entscheidet er sich meist für die dramaturgisch schwächere Option, also die mit dem geringeren Konfliktpotential, oder er löst den Konflikt schnell in Wohlgefallen auf.

So ist Peter Parker in dem neuen „Spider-Man“-Film ein Schüler, der, nachdem sein Vater, ein Wissenschaftler, mit seiner Mutter spurlos verschwunden ist, bei seinen Großeltern aufwächst. Er ist irgendwie der Nerd der Schule. Als er im Keller eine Aktentasche seine Vaters mit einem Forschungsbericht findet, wird er neugierig. Er sucht den Kontakt zu Dr. Curt Connors (Rhys Ifans), dem Forschungskollegen seines Vaters, der bei OsCorp, mitten in Manhattan, in einem Hochsicherheitsforschungslabor arbeitet.

In dem Labor entdeckt Parker an einer Tür das Symbol, das auch auf der Akte stand. Er betritt das schlampig gesicherte Labor (er sieht, wie ein Mitarbeiter eine Kombination auf einen Touchscreen tippt und das ist die einzige Sicherung. Keine Codekarten. Keine Fingerabdrücke. Kein Irisscan. Nur gute alte Technik im neuen Design [wobei das vielleicht auch Absicht war und wir im zweiten Teil erfahren, warum das so gemacht wurde]) und er wird von einer Spinne gebissen.

Die Umwandlung von Parker zu Spider-Man geschieht atemberaubend schnell und Parker hat auch keine Probleme mit dem Akzeptieren seiner neuen Fähigkeiten.

Nachdem er indirekt für den Tod seines Onkels verantwortlich ist, beginnt er den Mörder zu suchen. Dabei räumt er, im „Kick-Ass“-Modus, auch unter den New Yorker Verbrechern auf.

Er verliebt sich in Gwen Stacy (Emma Stone), der Tochter des Polizeichefs (Denis Leary), der ihn gnadenlos jagt. Parker gesteht ihr nach dem ersten gemeinsamen Abendessen, dass er Spider-Man ist.

Und irgendwann probiert Connors die Wunderformel an sich aus und mutiert, ratzfatz, zur Eidechse, die sich in der Kanalisation versteckt und blindwütig durch Manhattan tobt.

Und wem das jetzt zu episodisch klingt, dem muss ich sagen, dass der Film genauso episodisch ist und viel zu viele Aktionen keine Folgen haben. Fast, als habe man einfach die besten Szenen aus mehreren Drehbüchern von James Vanderbilt („Zodiac“, „The Losers“), Alvin Sargent („Paper Moon“, „Nuts“,„Spider-Man 2“, „Spider-Man 3“) und Steve Kloves (fast alle „Harry Potter“-Drehbücher, „Wonder Boys“ und, auch als Regisseur, „The Fabulous Baker Boys“) zusammengeklebt und dann schnell die gröbsten Unstimmigkeiten ausgebügelt.

Denn dass Parker in das Labor eingebrochen ist, wird später nicht mehr thematisiert. Auch nicht, warum es dieses große Spinnenlabor gibt. In Raimis Film geschah es bei einem Schulausflug und gehörte in die Kategorie „Shit happens“.

Der Bösewicht des Films, der Wissenschaftler Curt Connors, wird erst sehr spät zum Bösewicht, der als Mad Scientist austauschbar bis zur letzten Minute bleibt.

In Raimis „Spider-Man“-Film war der Bösewicht der Vater seines besten Freundes. In dem neuen „Spider-Man“-Film hat Parker keine Freunde und der Konflikt zwischen seiner Freundin und ihrem Vater ist eher behauptet als real.

Und dass er seiner Freundin gleich seine Identität als Spider-Man verrät und sie es umstandslos akzeptiert, ist, nun, nicht gerade spannungsfördernd.

Sowieso zieht er bei jeder sich passenden Gelegenheit, möglichst vor viel Publikum, seine Maske so oft ab, dass man irgendwann das Gefühl hat, dass er sie gar nicht mehr anziehen muss.

Ach ja, den Mörder seines Onkels findet er nicht. Irgendwann hat er dann ja auch, dank des durch New York tobenden The Lizard, etwas anderes zu tun.

Und so plätschert der Film zwischen den einzelnen Set-Pieces weitgehend spannungsfrei bis zum Ende vor sich hin – und während des Abspanns gibt es dann noch einen Hinweis auf den zweiten Teil, der so sicher wie das Amen in der Kirche kommt, aber erschreckend lieblos präsentiert wird.

Das „Real 3D“ hätte man sich sparen könne. Die meiste Zeit ist der 3D-Effekt überflüssig und stört nicht sonderlich, aber meistens sieht’s einfach falsch aus.

Insgesamt erinnert „The Amazing Spider-Man“ eher an „Spider-Man 3“, als an „Spider-Man 1“. Immerhin ist er deutlich besser als „Green Lantern“.

Denn, das muss ich auch zugegen, so schlecht, wie ich den Film jetzt gemacht habe, ist er auch nicht. Aber Raimis Version ist, jedenfalls in der Erinnerung, einfach viel besser.

In der Fortsetzung von „The Amazing Spider-Man“ erfahren wir dann auch vielleicht, warum Peter Parkers Vaters spurlos verschwunden ist. Dann würden die Macher wirklich neue Wege beschreiten.

The Amazing Spider-Man (The Amazing Spider-Man, USA 2012)

Regie: Marc Webb

Drehbuch: James Vanderbilt, Alvin Sargent, Steve Kloves (nach einer Geschichte von James Vanderbilt)

LV: Charakter von Stan Lee und Steve Ditko

mit Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Denis Leary, Campbell Scott, Irrfan Khan, Martin Sheen, Sally Field, C. Thomas Howell, Stan Lee (Schulbibliothekar)

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (beantragt)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Amazing Spider-Man“

Rotten Tomatoes über „The Amazing Spider-Man“

Wikipedia über „The Amazing Spider-Man“ (deutsch, englisch)

 


Myron Bolitar und die liebe Familie

Juni 27, 2012

Als Myron Bolitar vor fast zwanzig Jahren in „Das Spiel seines Lebens“ (Deal Breaker, 1995) die literarische Bühne betrat, waren der Sportagent und der für seine Klienten im Notfall auch als Quasi-Privatdetektiv arbeitende Ex-Sportler und sein unglaublich reicher, unglaublich schnöseliger und unglaublich taffer Freund Windsor Horne Lockwood III, genannt Win, eine Frischzellenkur für das Genre. Denn die beiden Sonnyboys schlugen sich witzelnd durch labyrinthische Plots und, auch wenn in anderen Serien der Held vielleicht einmal im Sportmilieu ermittelte, spielte noch keine Serie ausschließlich in verschiedenen Sportmilieus.

Nach dem siebten Bolitar-Roman „Darkest Fear“ (2000) schickte Harlan Coben seinen Helden in den Ruhestand und schrieb mehrere, sehr erfolgreiche Einzelromane. Erst sechs Jahre später durfte Myron Bolitar mit „Ein verhängnisvolles Versprechen“ (Promise Me, 2006) wieder Bösewichter jagen. In diesem spannenden Roman wurde er verdächtigt, einen Teenager ermordet zu haben.

In „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009) half er seiner Freundin Terese Collins – und legte sich mit einer sehr mächtigen Organisation an. Der Roman litt unter dem falschen Gegner für Myron und Win. Denn die Welt des internationalen Terrorismus und der Geheimdienste ist nicht ihre Welt.

In seinem neuesten Abenteuer „Sein letzter Wille“ ist Myron mit Terese Collins verlobt und er geht wieder seiner geregelten Arbeit als Agent für Sportler und Künstler nach. Da bittet ihn die schwangere Tennisspielerin Suzze T. ihren verschwundenen Mann Lex Ryder zu suchen. Der Musiker, die unscheinbare Hälfte der erfolgreichen Rock-Duos HorsePower, das seit Ewigkeiten keine Platte mehr veröffentlichte, ist, nachdem jemand auf Suzzes Facebook-Profil schrieb, dass er nicht der Vater des Kindes ist, spurlos verschwunden.

Als Myron Lex in einer Nobel-Discothek findet, sieht er seine seit sechzehn Jahren Jahren verschwunden Schwägerin Kitty. Sie war damals mit seinem Bruder Brad auf einer Never-Ending-Tour um die Welt aufgebrochen. Jetzt ist sie als Drogenwrack zurückgekehrt, Brad ist spurlos verschwunden und Myron hat einen Neffen, Mickey, der ihm verdammt ähnlich sieht.

Und das alles hat etwas mit Gabriel Wire, der anderen Hälfte HorsePower, die seit Jahren zurückgezogen auf einer Insel lebt, und dem skrupellosen Mafiosi Herman Ache zu tun.

Harlan Cobens neuer Thriller „Sein letzter Wille“ ist allerdings weniger ein Krimi (und dabei rede ich noch gar nicht von den in der Geschichte begangenen Straftaten), sondern mehr ein Familiendrama, in dem Myrons Eltern, sein lange verschwundener Bruder (Wurde er überhaupt schon einmal erwähnt?) und einige, eher kleinere Familiengeheimnisse im Zentrum stehen. Denn natürlich verschwand Brad damals nicht grundlos.

Es zeigt sich aber auch schmerzlich, dass ein älter werdender Myron Bolitar nicht mehr den Esprit der früheren Abenteuer hat. Denn Myron war immer ein Sonnyboy und solche Menschen werden nicht älter oder erwachsen.

Sie haben auch keine inneren Dämonen, die sie besiegen müssen. Und so schleicht sich bei „Sein letzter Wille“ das Gefühl ein, dass Myron und Win zwar älter werden, aber pubertär bleiben. Eine ungute Mischung.

Harlan Coben: Sein letzter Wille

(übersetzt von Gunnar Kwisinski)

Goldman, 2012

384 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Live Wire

Dutton, 2011

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)


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