Der „American Vampire“ ist nicht zimperlich

Wir wissen folgendes: Vampire sind seit ewiger Zeit heimlich unter uns. Sie jagen Menschen und ziehen aus den Schatten heraus ihre Fäden. Doch am Vorabend des 20. Jahrhunderts wurde im amerikanischen Westen eine neue Vampirrasse geboren, in Person des berüchtigten Outlaws Skinner Sweet. Sweet kam als eine neue Art von Vampir aus dem Grab zurück. Er war stärker, schneller und die Sonne trieb ihn an. Fast 40 Jahre lang war er der einzige seiner Art, bis er 1925 aus uns unbekannten Gründen einen zweiten amerikanischen Vampir erschuf. Die junge Schauspielerin Pearl Jones ist sein einziger bekannter Schützling. Doch statt Sweet in seinem sporadischen Krieg gegen die herkömmlichen Vampirrassen zu unterstützen, zog Jones es vor, eigene Wege zu gehen. Gemeinsam mit ihrem Mann, einem Musiker namens Henry Preston, verließ sie Hollywood. Jones und Preston lebten fast zehn Jahre im verborgenen. Bis unsere Organisation sie 1936 in Nordkalifornien aufspürte. Nach einigen Schwierigkeiten gelang es uns, ohne Pearls Wissen, einen Deal mit Henry zu machen. Wir garantierten Schutz und im Gegenzug erhielten wir Informationen über die Schwachstelle des amerikanischen Vampirs. Einen normalen Vampir kann man mit Holz töten. Den Amerikanischen jedoch nur mit Gold. Natürlich war Sweet…verblüfft über unsere Entdeckung. Wir wissen nicht, wo er derzeit ist“, fasst Agent Hobbes von den Vasallen des Morgensterns, einer Organisation, die alle Vampire töten will, im dritten Sammelband von „American Vampire“ den Stand der Dinge zusammen.

Die von Autor Scott Snyder erfundene und von Rafael Albuquerque gezeichnete Comicserien erhielt 2011 zu recht den Eisner Award als beste neue Serie. Bei den ersten Heften ist Stephen King, der von Snyder um einen Blurb gebeten wurde und dem das Konzept so gut gefiel, dass er gleich erzählte, wie Skinner Sweet der erste amerikanische Vampir wurde, und er so sein Debüt als Comicautor gab, Co-Autor. Ab dem sechsten Heft schrieb Scott Snyder dann die Geschichte von Skinner Sweet und Pearl Jones alleine fort.

In dem zweiten „American Vampire“-Sammelband sind die mehrteilige Geschichte „Der Teufel in der Wüste“ und „Der Ausweg“ enthalten. „Der Teufel in der Wüste“ spielt 1936 in Las Vegas. Cashel McCogan ist in dem Wüstenkaff der Chef der Polizei. Er trat damit in die Fußstapfen seines vor zwei Monaten ermordeten Vaters, der 36 Jahre Polizeichef war.

Als Verstärkung für ihn sind jetzt die beiden FBI-Agenten Jack Straw und Felicia Book gekommen. Sie sollen ihn beim Kampf gegen das Verbrechen, das mit den Bauarbeitern, den Staudamm bauen sollen, helfen.

Und sie haben auch gleich ihren ersten Fall: in einem Hotelzimmer wurde Howard Beaulieu, Präsident einer von vier Firmen, die als „Konsortium“ die Talsperre bauen, ermordet. Wobei das etwas ungenau ist: er wurde ausgesaugt.

Kurz darauf sterben weitere Mitglieder des Konsortiums, die FBI-Agenten sind keine FBI-Agenten und Skinner Sweet ist auch in der Stadt.

In der zweiteiligen von Mateus Santoloucu gezeichneten Geschichte „Der Ausweg“ erfahren wir mehr über Pearl Jones und ihren Freund Henry, die 1936 in einer gefährdeten Idylle leben.

Am Ende von „Der Teufel in der Wüste“ konnte Skinner Sweet mit viel Glück seinen Verfolgern entkommen und in „Ghost War“ (enthalten in „American Vampire 3“) wütet er 1943 auf einer Insel, wenige Seemeilen vor Japan.

Dort treffen Skinner Sweet, Henry Preston, als Mitglied einer unter US-Flagge operierenden Gruppe der Vasallen des Morgensterns, und die Vasallen auf eine wahrhaft teuflische Vampirrasse. Sie ist so schlimm, dass Pearl Jones, um ihren Mann zu retten, ebenfalls auf die Insel muss. Dort eingetroffen, muss Pearl feststellen, dass sie nur überleben können, wenn sie sich gegen die dort lebenden Vampire verbünden.

Die ebenfalls in „American Vampire 3“ enthaltene, von Daniel Zezelj gezeichnete, ein Heft umfassende Geschichte „Das war der Wilde Westen“ ist eine sarkastische Abrechnung mit dem Showgeschäft. Denn Skinner Sweet besucht 1919 in Idaho eine Westernshow, die von einigen seiner alten Bekannten bestritten wird und die die Vergangenheit, abseits der historischen Wahrheit, ausschmücken. Skinner ist nicht begeistert.

In „American Vampire“ entwerfen Scott Snyder und Rafael Albuquerque eine alternative Geschichte der USA, die es ihnen auch ermöglicht, historische Marksteine zu besuchen und spannende Geschichten mit Charakteren, über die man mehr wissen will, zu erzählen. Dabei gelingt ihnen, immer mit deftigem Zeitkolorit, eine gute Mischung aus Einzelgeschichten und den Andeutungen einer größeren Geschichte.

Und die Vampire in „American Vampire“, auch wenn sie aus Good Old Europe kommen, haben nichts mit der adligen Distinguiertheit der altbekannten Vampire à la „Dracula“ zu tun. Wenn bei Snyder und Albuquerque die Vampire die Zähne fletschen, dann fletschen sie wirklich die Zähne und der Biss ist ein Biss. Das ist garantiert nicht jugendfrei.

Denn Skinner Sweet und Pearl Jones eignen sich nicht für Teenieschwärmereien. Gefühlige „Twilight“-Vampire verputzen sie als kleinen Appetitanreger vor der Vorspeise.

Kann es eine bessere Empfehlung für eine Vampirserie geben?

Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santolouco: American Vampire – Band 2

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2011

148 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

American Vampire, Vol. 6 – 11

DC Comics 2010/2011

Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezelj: American Vampire – Band 3

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2012

164 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

American Vampire, Vol. 12 – 18

DC Comics, 2011

Hinweise

Homepage von Rafael Albuquerque

Wikipedia über „American Vampire“

Meine Besprechung von Scott Snyder/Stephen King/Rafael Albuquerques (Zeichner) „American Vampire – Band 1“ (American Vampire, Vol. 1 – 5, 2010)

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