Neu im Kino/Filmkritik: Noomi Rapace hat Angst vor dem „Babycall“

Noomi Rapace haben wir in den letzten Jahren als Lisbeth Salander in den Stieg-Larsson-Verfilmungen „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ und als ebenfalls schlagkräftige Zigeuner-Wahrsagerin in Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ kennen gelernt – und in Ridley Scotts Irgendwie-„Alien“-Prequel „Prometheus“ scheint sie wieder kein verhuschtes Mäuschen zu spielen.

Aber genau das spielt sie in Pål Sletaunes neuem Film „Babycall“ und allein schon dieser Besetzungscoup verschafft dem Psychothriller die nötige Aufmerksamkeit. Dabei ist die Story, die sich auf die von Noomi Rapace grandios gespielte Anna konzentriert, auch gut.

Anna ist die sehr verängstigte und überfürsorgliche Mutter des achtjährigen Anders. Sie hat auch allen Grund dazu. Ihr gewalttätiger Mann hatte Anders während eines Streits aus dem Fenster eines höheren Stockwerks gehalten. Danach bekamen Anna und Anders vom Sozialamt eine neue Identität und eine neue Wohnung in einer anonymen Mietskaserne. Hier könne, versichern ihr ihre beiden Sozialarbeiter beim Einzug, ihr Mann sie niemals finden.

Die zutiefst traumatisierte und verängstigte Anna will die ihr gebotene Chance auf ein neues Leben ergreifen. Gleichzeitig lässt sie, aus lauter Angst um das Leben von Anders, ihren Sohn nur neben sich im Bett schlafen. Sogar in der Schule würde sie am liebsten während des Unterrichts neben ihm sitzen.

Erst als die sie betreuenden Sozialarbeiter, ihr sagen, dass sie, wenn Anders nicht in seinem Zimmer schlafen dürfe, das Sorgerecht verliere, lässt sie ihn nachts alleine schlafen. Davor hat sie allerdings ein Babyphon gekauft. So hört sie immer, dass mit ihrem Sohn alles in Ordnung ist.

In der Nacht wird sie wach. Durch das Babyphon hört sie einen Streit. Aber Anders schläft friedlich in seinem Bett.

Etwas später erzählt ihr Anders, dass sein Vater ihn in der Schule besucht habe.

Und wir fragen uns, ob sie wirklich hört, wie eine andere Frau geschlagen wird, ober ob sie von ihrem Mann in den Wahnsinn getrieben werden soll oder ob sie das alles zusammenfantasiert. Immerhin hört sie die Stimmen nur, wenn sie allein ist. Und der See, zu dem sie mit Anders gehen will, ist plötzlich nicht mehr da.

Autor und Regisseur Pål Sletaune (Next Door, Wenn der Postmann gar nicht klingelt) legt in dem Psychothriller, in dem er Anna konsequent von Männern umgibt, die falschen Fährten kunstvoll und reichlich aus und so bleibt bis zum Schluss unklar, was in Annas Leben Wahn und Wirklichkeit ist.

Kameramann John Andreas Andersen (zuletzt „Jo Nesbø’s Headhunters“ und „King of Devil’s Island“) findet dazu die richtigen Bilder, die mit ihrem kühl-distanziertem Blick eine Objektivität vortäuschen, die sich am Ende als falscher Schein entpuppt. Jedenfalls irgendwie.

Babycall (Babycall, Norwegen 2011)

Regie: Pål Sletaune

Drehbuch: Pål Sletaune

mit Noomi Rapace, Kristoffer Joner, Vetle Qvenild Werring, Stig R. Amdam, Maria Bock

Länge: 95 Minuten

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Babycall“

Rotten Tomatoes über „Baby Call“

Wikipedia über „Baby Call“

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