Ross Thomas erzählt von gelben Schatten und Zwergen

Der US-amerikanische Polit-Thrillerautor Ross Thomas (1926 – 1995) lebte lange in Deutschland. Seinen ersten Roman „Kälter als der Kalte Krieg“ spielte dann auch an seinem Arbeitsplatz in Bonn. Später schickte er seine Helden um die Welt.

Nach Deutschland kehrte er erst 1979 zurück und, im Gegensatz zu seinen anderen Romanen, die in der Gegenwart spielen, spielt „Der achte Zwerg“ im Nachkriegsdeutschland. Dort sollen Nicolae Ploscaru, ein rumänischer Aristokrat, passionierter Lügner und Zwerg, und Minor Jackson, ein Ex-OSSler (also Mitarbeiter der CIA-Vorläuferorganisation) und Drifter, im Auftrag der Familie Oppenheimer den irgendwo in Deutschland untergetauchten verlorengegangenen Sohn der Familie, den deutschen Juden Kurt Oppenheimer, finden.

Schnell erfährt Jackson bei diesem fast legalen Unternehmen, dass Oppenheimer ein kaltblütiger Killer ist, für den sich auch die Amerikaner, die Engländer, die Sowjets und die Israelis interessieren. Jeder hat natürlich etwas anderes mit Oppenheimer vor und sie alle arbeiten miteinander, gegeneinander, belügen und betrügen sich, dass es eine reine Freude ist, während Oppenheimer eine Todesliste von unter falschem Namen untergetauchten Nazis abarbeitet.

Ross Thomas füttert die letztendlich ziemlich geradlinige Geschichte mit so viel Zeitkolorit an, dass wir ein gutes Gefühl für die damalige Zeit bekommen. Und natürlich hat Ross Thomas das in seinem zynisch-lakonischen Hardboiled-Stil geschrieben, der immer wieder für herzhafte Lacher sorgt.

Bei dieser „Neuausgabe“ hat der Alexander Verlag viel Zeit in die Übersetzung investiert. Denn die deutsche Erstausgabe von „The eight Dwarf“ hat 176 Seiten. Die Neuausgabe 352 Seiten und auch ohne penibel die Zeilen und Anschläge pro Zeile zu zählen, kann man sich ausrechnen, dass für „Der achte Zwerg“ eine Menge Text übersetzt wurde, die bei „Vierzig Riesen für den Zwerg“ unter den Tisch fiel.

Nach seinem Debütroman „Kälter als der Kalte Krieg“ schrieb Ross Thomas mit „Gelbe Schatten“ gleich einen weiteren Roman mit den Barbesitzern Mac McCorkle und Mike Padillo, die jetzt, nachdem ihre Bonner Bar zerstört wurde, in Washington ein „Mac’s Place“ haben. Aber ruhiger ist ihr Leben nicht geworden.

Denn McCorkels Frau Fredl wird entführt. Die beiden Freunde sollen, immerhin spielt die Geschichte1967 zur Hochzeit der afrikanischen Freiheitsbewegungen, einen Premierminister ermorden und so die Rassentrennung in dem südafrikanischem Land zementieren. Aber McCorkle und Padillo gehen nicht auf die Erpressung ein, weil sie glauben, dass die Entführer Fredl in jedem Fall umbringen werden. Stattdessen starten sie eine Rettungsmission, in die schnell das vertraute Ross-Thomas-Personal aus Informanten, Agenten, Doppelagenten und Washingtons Unterwelt involviert ist. Ach, und in „Mac’s Place“ trifft sich gerne die High Society und das politische Establishment.

Im Herbst setzt der Alexander Verlag mit „Die Backup-Männer“, einem weiteren Krimi mit McCorkle und Padillo, seine Ross-Thomas-Werkausgabe fort.

Ross Thomas: Gelbe Schatten

(übersetzt von Wim W. Elwenspoek, bearbeitet von Stella Diedrich und Gisbert Haefs, durchgesehen von jst)

Alexander Verlag, 2012

288 Seiten

14,90 Euro

Originalausgabe

Cast a Yellow Shadow

Morrow, 1967

Deutsche Erstausgabe (gekürzt)

Der Tod wirft gelbe Schatten

Ullstein, 1970

Ross Thomas: Der achte Zwerg

(übersetzt von Stella Diedrich, Gisbert Haefs und Edith Massmann)

Alexander Verlag, 2011

352 Seiten

14,90 Euro

Originalausgabe

The Eight Dwarf

Simon & Schuster, 1979

Deutsche Erstausgabe (stark gekürzt)

Vierzig Riesen für den Zwerg

Ullstein, 1980

Hinweise

Wikipedia über Ross Thomas (deutsch, englisch)

Alligatorpapiere: Gerd Schäfer über Ross Thomas (Reprint “Merkur”, November 2007)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Gottes vergessene Stadt” (The Fourth Durango, 1989)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Kälter als der Kalte Krieg“ (Der Einweg-Mensch, The Cold War Swap, 1966)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Teufels Küche“ (Missionary Stew, 1983)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Am Rand der Welt“ (Out on the Rim, 1986)

Meine Besprechung von Ross Thomas’ „Voodoo, Ltd.“ (Voodoo, Ltd., 1992)

Meine Besprechung von Ross Thomas‘ „Der Yellow-Dog-Kontrakt“ (Yellow Dog Contract, 1976)

Kleine Ross-Thomas-Covergalerie in der Kriminalakte

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