DVD-Kritik: „Rampart“ – mit Woody Harrelson und nach einem Drehbuch von James Ellroy

Für „Rampart“ hat Oren Moverman, der Regisseur des allgemein abgefeierten Dramas „The Messenger – Die letzte Nachricht“ (unter anderem der Silberner Bär für das Drehbuch auf der Berlinale, eine Golden-Globe- und zwei Oscar-Nominierungen), neben den „The Messenger“-Hauptdarstellern Woody Harrelson und Ben Foster, eine beeindruckende Schauspielerriege versammelt: Sigourney Weaver, Robin Wright, Anne Heche, Cynthia Nixon (ähem „Sex & the City“), Steve Buscemi (leider nur in einer Szene), Ice Cube, Ned Beatty (zuletzt „In the electric Mist“ und „The Killer inside me“) und, eher unbekannter, Jon Bernthal („The Walking Dead“) und sie heben mit ihrem Spiel das Drama über einen selbstgerechten Streifenpolizisten als Charakterstudie eines Mannes am Abgrund auf ein sehr hohes Level.

Die 1999 in Los Angeles, kurz nach dem titelgebenden Rampart-Skandal, bei dem polizeiinterne Korruption und andere Verbrechen von Polizisten bekannt und anschließend kräftig im Los Angeles Police Department aufgeräumt wurde, spielende, kaum vorhandene Geschichte zerflettert dagegen in unzähligen Subplots aus dem Leben des Streifenpolizisten Dave Brown (Woody Harrelson), in denen es um einen gewalttätigen, auf Video dokumentierten Einsatz von ihm, seine seltsame Beziehung zu seinen beiden Ex-Frauen, die auch Schwestern sind, und zu seinen Kindern, sein unermüdlicher Sextrieb, sein überbordender Drogenkonsum, den Mord an einem Dieb, seine Freundschaft zu seinem mit allen Wassern gewaschenen Mentor und die Ermittlungen eines internen Ermittlers gegen ihn geht. Nach gut zwei Stunden endet der Film so offen, dass er wie eine Skizze über einen Mann, der sich immer mehr in Schuld und Paranoia verstrickt, wirkt.

Woody Harrelson hält diesen Film zusammen und als erstklassig besetzte Charakterstudie überzeugt „Rampart“, der eindeutig vom US-amerikanischen New Hollywood der siebziger Jahre, als der „Taxi Driver“ und „Der Pate“ das Publikum mit komplexen und wenig vorbildlichen Charakteren konfrontierte, und dem europäischen Kino inspiriert ist.

Weil Moverman in seinem Film die Geschichte eines selbstverschuldeten Abstiegs erzählt, der von Harrelson gespielte Officer Dave Brown keinen eindeutigen Antagonisten hat (eher schon eine Handvoll Antagonisten, die sich gegenseitig neutralisieren und teilweise auch keine klassischen Antagonisten sind) und Polizeikorruption und Polizeigewalt nur nebenbei gestreift werden, ist dieses Cop-Drama auch ungleich schwächer als die Cop-Thriller „Dark Blue“ und „Street Kings“, die letztendlich auch vor dem Hintergrund des Rampart-Skandals spielten, bei denen James Ellroy als Ideenlieferant und Drehbuchautor involviert war und in denen im Film (vor allem wenn man die Vorgeschichte in der Entwicklungshölle kennt) erstaunlich viel von Ellroys Themen und Obsessionen enthalten ist. In „Rampart“ ist dagegen eher wenig James Ellroy enthalten, was auch daran liegen kann, dass während der Dreharbeiten der Fokus stärker auf Officer Dave Brown gelegt wurde, während Ellroys ursprüngliches Skript einen stärkeren Fokus auf den Rampart-Skandal hatte.

Als Bonusmaterial gibt es ein „Making of“, in dem James Ellroy sich dennoch sehr zufrieden mit der Verfilmung zeigt, es gibt Interviewschnipsel mit Woody Harrelson, Ben Foster, Robin Wright, Brie Larson und Oren Moverman und einen kleinen Zusammenschnitt der besten Sprüche des von Woody Harrelson gespielten Officer Dave Brown. Das ist ein informativ unauffälliges Paket, in dem immer wieder Hauptdarsteller Woody Harrelson, das Drehbuch von James Ellroy und Oren Moverman und Regisseur Oren Moverman, der seinen Schauspielern viel Raum für Improvisationen gibt, gelobt wird.

Rampart – Cop außer Kontrolle (Rampart, USA 2011)

Regie: Oren Moverman

Drehbuch: James Ellroy, Oren Moverman

mit Woody Harrelson, Robin Wright, Anne Heche, Cynthia Nixon, Steve Buscemi, Ice Cube, Sigourney Weaver, Ben Foster, Ned Beatty, Jon Bernthal, Brie Larson

DVD

Ascot Elite

Bild: 1:,35 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Sh*t Dave Brown says, Interviews mit Cast und Crew, Originaltrailer, Deutscher Trailer, Wendecover

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Metacritic über „Rampart“

Rotten Tomatoes über „Rampart“

Wikipedia über „Rampart“

Meine Besprechung von James Ellroys Unterwelt-Trilogie

James Ellroy in der Kriminalakte

Einige Worte von Oren Moverman und Woody Harrelson

 

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