Neu im Kino/Filmkritik: Der teuerste Mashup aller Zeiten: „The Expendables 2“

Beim ersten Mal war es ein Gag; sozusagen ein Fanvideo für den Achtziger-Jahre-Action-Junkie.

Beim zweiten Mal sagten sich die Macher, dass es vollkommen idiotisch wäre, ein bewährtes Rezept zu ändern. Auch wenn jetzt von einem 100-Millionen-Dollar-Budget gesprochen wird. Aber natürlich kann man alles etwas größer machen. Deshalb sind in „The Expendables 2“ nicht nur die alten Knochen Sylvester Stallone, Dolph Lundgren, Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger (beide dieses Mal mit mehr Leinwandzeit), sondern auch Jean-Claude Van Damme und Chuck Norris, der für sein Gastspiel als „Lone Wolf“ seinen siebenjährigen Ruhestand unterbrach, dabei.

Außerdem sind, von der jüngeren Garde der Action-Stars Jason Statham, Jet Li, Randy Couture und Terry Crews wieder dabei. Als Neulinge sind Liam Hemsworth und Yu Nan im „Expendables“-Team dabei.

Die Story, nun, die war schon damals in den Achtzigern nicht so wichtig, und solange es genug Action und One-Liner gab, hat man darüber hinweggesehen. Die One-Liner gibt es auch in „The Expendables 2“. Denn die Stars nehmen sich und ihr Image lustvoll auf die Schippe. Schwarzenegger darf seine ikonischen „Terminator“-Sätze sagen, Willis etwas die harden und Chuck Norris ist der Mann, der alleine arbeitet, niemals nachladen muss (im Gegensatz zu den Expendables, denen ständig die Munition ausgeht) und einige der unglaublichsten Geschichten über ihn – Remember the Chuck-Norris-Facts! – bestätigt.

Und dann gibt es noch die grandiosen und sehr bleihaltigen Action-Szenen, die sich um eine rudimentäre Story reihen: also: Barney Ross (Stallone) und seine „Expendable“-Jungs Lee Christmas (Jason Statham), Yin Yang (Jet Li), Gunnar Jensen (Dolph Lundgren), Toll Road (Randy Couture), Hale Caesar (Terry Crews) und Billy the Kid (Liam Hemsworth) sollen im Auftrag von Mr. Church (Bruce Willis) aus einen supergesicherten Safe („Der Code ändert sich alle 120 Sekunden.“ und bei dem falschen Code macht es BUMM) eine Festplatte herausholen. Der Safe ist in einem in der albanischen Einöde abgestürztem Flugzeug. Kaum haben sie das Teil geborgen, wird es ihnen von Jean Vilain (Jean-Claude Van Damme – Ja, die Namensgebung ist sehr einfallsreich.) geklaut und Vilain macht seinem Namen alle Ehre, indem er kaltblütig vor den Augen der Expendables ihren Neuzugang, den Sniper Billy the Kid, der sowieso das Team verlassen wollte, ersticht.

Klarer Fall, dass die „Expendables“ jetzt auf Rache aus sind. Und dass Vilain mit dem auf der Festplatte enthaltenem Code den Zugang zu fünf Tonnen waffenfähigem Plutonium (oder: zu viel Wumms in den falschen Händen) hat, treibt sie noch etwas mehr an. Oh, und Vilain unterdrückt in Bulgarien einen ganzen Landstrich, indem er die Männer der Dörfer in den unterirdischen Gängen der Sowjetmilitärstation nach dem Plutonium graben lässt.

Okay, ihr habt es gemerkt: einen Pulitzer-Preis wird diese Story nicht erhalten. Aber dafür bietet sie, neben ordentlichen Portionen Sentiment, auch das Gerüst für eine atemberaubende Pre-Title-Sequenz, in der Ross‘ Söldnergruppe in Nepal zwei Geisel befreit, dabei zuerst den Ort in Schutt und Asche legt, durch den Dschungel und über einen Fluss flüchtet und immer wild um sich schießt; einen ausgedehnten Schusswechsel in einem ehemaligen Trainingsgelände der sowjetischen Armee, das vor der Schießerei wie eine US-Kleinstadt aussah (Hm, „Die rote Flut“?); eine Brückensprengung mit anschließender, abenteuerliche Bruchlandung und am Ende des Films treffen sich dann die Guten und die Bösen auf einem Flughafen, der anschließend eine umfassende Renovierung benötigt.

Das ist ziemlich sinnfreies, testerongestärktes, sehr gewalttätiges Action-Entertainment, das sich – zum Glück – nicht sonderlich ernst nimmt, die Genre-Klischees ironisch bestätigt und sich auf grob gestrickte Unterhaltung beschränkt; im Gegensatz zu den reaktionären 80er-Jahre-Actionfilmen, wie die „Missing in Action“-Filme, „Invasion USA“, der zweite und dritte „Rambo“-Film oder „Delta Force“, in denen der Held lässig Hundertschaften böser Kommunisten und andere Feinde der Freiheit tötete. In „The Expendables 2“ sind die Handlanger des Bösewichts nur noch williges Kanonenfutter.

Simon West, der mit „Con Air“ krachend die Filmszene betrat und später „Lara Croft: Tomb Raider“ über den Globus hetzte, setzt auch die Expendables kompetent und optisch sehr ansprechend in Szene. Auch auf dieser Ebene ist „The Expendables 2“ deutlich gelungener als das von Sylvester Stallone höchstselbst inszenierte Macho-Abenteuer „The Expendables“.

Achtziger-Jahre-Action-Fans werden entzückt sein. Die anderen werden sich, wie schon damals, in Grausen abwenden.

The Expendables 2 (The Expendables 2, USA 2012)

Regie: Simon WestdeutschenDrehbuch: Richard Wenk, Sylvester Stalone (nach einer Geschichte von Ken Kaufman & David Agosto und Richard Wenk, nach den Figuren von David Callaham)

mit Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Chuck Norris, Jean-Claude Van Damme, Bruce Willis, Arnold Schwarzenegger, Terry Crews, Randy Couture, Liam Hemsworth, Scott Adkins, Amanda Ooms, Charisma Carpenter

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Expendables 2“

Metacritic über „The Expendables 2“

Rotten Tomatoes über „The Expendables 2“

Wikipedia über „The Expendables 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Simon Wests „The Mechanic“ (The Mechanic, USA 2011)

 

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4 Responses to Neu im Kino/Filmkritik: Der teuerste Mashup aller Zeiten: „The Expendables 2“

  1. […] Neu im Kino/Filmkritik: Der teuerste Mashup aller Zeiten: „The Expendables 2“ .recentcomments a{display:inline !important;padding:0 !important;margin:0 !important;} […]

  2. […] Meine Besprechung von “The Expendables” (The Expendables, USA 2012, mit Bruce Willis) […]

  3. […] neuen Jason-Statham-Solo-Thriller „Safe – Todsicher“ (danach gab es „The Expendables 2“) hatte ich ja schon zum Kinostart abgefeiert. Insgesamt hat mir die Geschichte über einen […]

  4. Carpenters Cd

    Neu im Kino/Filmkritik: Der teuerste Mashup aller Zeiten: „The Expendables 2“ | Kriminalakte

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