Neu im Kino/Filmkritik: Daniel Craig, James Bond, „Skyfall“ und M

Oktober 31, 2012

Skyfall“, der neue James-Bond-Film mit Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät, ist nach dem Desaster „Ein Quantum Trost“ (A Quantum Solace) nicht nur eine Rückkehr zur alten Stärke, sondern „Skyfall“ ist auch der beste Craig-Bond und er steht definitiv im oberen Drittel der James-Bond-Filme.

Allerdings ist er mit 143 Minuten etwas zu lang geraten. Neben „Casino Royale“ (144 Minuten) und „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (On her Majesty’s Secret Service, 142 Minuten) gehört er zu den längsten Bond-Filmen.

Und, was für Bond-Fans schlimmer ist: es gibt letztendlich keine Bondine. Es gibt zwar zwei junge, gutaussehende Frauen, aber deren Rollen sind arg kurz geraten und zur Handlung tragen sie auch wenig bei; – wobei Eve (Naomi Harris), eine MI6-Kollegin von James Bond, ihren großen Auftritt am Filmanfang hat, wenn sie Bond erschießt. Es war zwar ein bedauerlicher Fehler, aber M (Judi Dench) muss in London betrübt den Nachruf auf ihren besten Agenten schreiben und um ihren Job als Geheimdienstchefin kämpfen.

Denn in Istanbul sollten Bond und Eve verhindern, dass eine Datei mit den Namen aller Undercover-Agenten, die in Terrororganisationen sind, in die falschen Hände fällt. Sie versagen – und wir können einen grandiosen zwölfminütigen Actionauftakt, der mit dem Tod von James Bond endet, erleben.

Danach wird es ruhiger, bis Terroristen die Computer von MI6 infiltrieren und in Ms Büro eine Bombe zünden.

Als Bond davon hört, meldet er sich zurück zum Dienst und er hat auch gleich eine heiße Spur zu einem der Killer, der ihn in Istanbul mit einer speziellen Munition angeschossen hat. Der eiskalter Killer hat in Shanghai einen neuen Auftrag – und mehr soll hier von der Handlung nicht verraten werden.

Jedenfalls gibt es wieder prächtige Schauplätze, auch wenn sich nicht alle als Urlaubsort eignen, angenehm altmodisch gefilmte Action und mit Javier Bardem einen herrlich exaltierten Bösewicht, der wirklich ‚larger than life‘ ist und als ehemaliger MI6-Agent eine persönliche Rechnung mit M begleichen will. Es gibt einige Diskussionen über das Wesen und die Zukunft der Geheimdienste und eine bislang ungeahnte psychologische, fast schon psychopathologische Grundierung der Geschichte. Denn vor allem James Bond nennt seine Vorgesetzte fast immer „Ma’am“ und es hört sich, in der Originalversion, durchaus gewollt, wie „Mutter“ an. Regisseur Sam Mendes („American Beauty“, „Road to Perdition“) ist der richtige Mann, um dem Charakter James Bond eine bislang nicht vermisste Tiefe zu verleihen und trotzdem der Action genug Raum zu geben.

Es gibt einen Schlusskampf im malerischen Schottland, der wirklich so auch schon zu Sean Connerys Zeiten hätte stattfinden können und ein Filmende, das ein Ende der psychologischen Phase andeutet. Denn bei aller Liebe zu psychologischen Vertiefungen ist der Film-James-Bond doch immer ein jetsettender Playboy, der das Leben genießt und der während seiner Arbeit eine eskapistische Spur der Verwüstung hinterlässt. Vor allem, wenn in den letzten Filmminuten die riesige Zentrale des größenwahnsinnigen Bösewichts zerstört wird.

Der nächste James-Bond-Film könnte wirklich wieder ein altmodischer Kampf gegen einen Superschurken sein. Mir würde das jedenfalls gefallen.

Skyfall (Skyfall, GB/USA 2012)

Regie: Sam Mendes

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, John Logan

LV: Charakter von Ian Fleming

mit Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Naomie Harris, Bérénce Marlohe, Ben Whishaw, Albert Finney,Rory Kinnear, Ola Rapace

Länge: 143 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Skyfall“

Metacritic über „Skyfall“

Rotten Tomatoes über „Skyfall“

Wikipedia über „Skyfall“ (deutsch, englisch – Vorsicht: es werden wichtige Teile der Handlung verraten!)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

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TV-Tipp für den 31. Oktober: Frankenweenie

Oktober 31, 2012

Arte, 14.25

Frankenweenie (USA 1984, R.: Tim Burton)

Drehbuch: Lenny Ripps (nach einer Idee von Tim Burton)

Der Junge Victor Frankenstein (der Name verpflichtet!) will seinen toten Hund Sparky wieder ins Leben zurückholen.

Es dauert zwar noch einige Tage, bis Tim Burtons grandioser Spielfilm „Frankenweenie“ am 24. Januar 2013 in unseren Kinos anläuft, aber bis dahin können wir den Original-“Frankenweenie“, einen halbstündigen Kurzfilm, den er vor seinen Spielfilmen inszenierte, ansehen.

Frankenweenie“ ist eine Liebeserklärung an die klassischen SW-Horrorfilme.

Ende Dezember/Anfang Januar zeigt Arte noch einige weitere Filme von Tim Burton.

mit Shelly Duvall, Daniel Stern, Barret Oliver, Joseph Maher, Paul Bartel

Hinweise

Arte über „Frankenweenie“

Wikipedia über „Frankenweenie“ (deutsch, englisch)

Tim Burton in der Kriminalakte


Cover der Woche

Oktober 30, 2012


TV-Tipp für den 30. Oktober: Goldeneye – Der Mann, der James Bond war

Oktober 30, 2012

3sat, 20.15

Goldeneye – Der Mann, der James Bond war (GB 1989, R.: Don Boyd)

Drehbuch: Reg Gadney

LV: John Pearson: The Life of Ian Fleming, 1966

TV-Biopic über Ian Fleming, den Erfinder von James Bond und dessen abenteuerliches Leben.

Im Anschluss gibt es um 22.00 Uhr die halbstündige Doku „Der Mann, der 007 war“.

mit Charles Dance, Phyllis Logan, Lynsey Baxter, Patrick Ryecart

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Goldeneye – Der Mann, der James Bond war“

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen „Casino Royale“, „Leben und sterben lassen“ und „Moonraker“

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Oktober: Der Manchurian Kandidat

Oktober 29, 2012

Kabel 1, 20.15

Der Manchurian Kandidat (USA 2004, R.: Jonathan Demme)

Drehbuch: Daniel Pyne, Dean Georgaris

LV: Richard Condon: The Manchurian Candidate, 1959 (Botschafter der Angst, Der Manchurian Kandidat)

Der weltumspannende Konzern “Manchurian Global” hat einer Golfkrieg-I-Einheit falsche Erinnerungen implantiert. So wollen sie den vielversprechenden Politiker Raymond Shaw ins Weiße Haus bringen. Doch Shaws ehemaliger Vorgesetzter Ben Marco zweifelt an seinen Erinnerungen und will die Wahrheit herausfinden.

Gut besetztes Remake des Kalter Krieg-Klassikers „Botschafter der Angst“. Etliche der Nebendarsteller sind aus anderen Zusammenhängen oder aus verschiedenen hochkarätigen TV-Serien und Filmen bekannt. Der Film selbst ist gut – obwohl für mich die Prämisse heute schlechter funktioniert als vor über vierzig Jahren, als Frank Sinatra die Rolle von Denzel Washington spielte. Davon abgesehen gibt es zahlreiche grandiose Szenen (ich sage nur Meryl Streep), eine beeindruckende Vision des zu viels an Informationen, überraschende Verknüpfungen von Szenen und eine träumerische Stimmung. Fast immer könnte es sein, dass Ben Marco aus einem Alptraum aufwacht.

Insgesamt ist der Polit-Thriller „Der Manchurian Kandidat“ ein gelungenes, eigenständiges Remake, das besonders beim porträtieren der Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft ein gespenstisches Bild der USA entwirft.

Mit Denzel Washington, Meryl Streep, Liev Schreiber, Jon Voight, Kimberly Elise, Jeffrey Wright, Bruno Ganz, Vera Farmiga, Robyn Hitchcock (eigentlich Musiker), Al Franken (als TV-Interviewer fast als er selbst), Paul Lazar, Roger Corman, Zeljko Ivanek, Walter Mosley (eigentlich Krimiautor), Charles Napier, Jude Ciccolella, Dean Stockwell, Ted Levine, Miguel Ferrer, Sidney Lumet

Hinweise

Film-Zeit über „Der Manchurian Kandidat“

Drehbuch „The Manchurian Candidate“ von Daniel Pyne und Dean Georgaris

Wikipedia über Richard Condon (deutsch, englisch)

Kirjasto über Richard Condon

Wired for Books: Don Swain redet mit Richard Condon (1982, 1986, 1990 – jeweils eine knappe halbe Stunde)


DVD-Kritik: Hercule Poirot hat ein „Rendezvous mit einer Leiche“

Oktober 28, 2012

Zum dritten Mal schrieb Anthony Shaffer (der auch die Drehbücher für „Frenzy“ und „Mord mit kleinen Fehlern“ [Sleuth] schrieb) für eine Agatha-Christie-Verfilmung das Drehbuch und zum dritten Mal spielte Peter Ustinov Hercule Poirot in einem Kinofilm. Nach den ersten beiden Shaffer-Christie-Kinofilmen spielte Peter Ustinov den belgischen Detektiv auch in drei TV-Spielfilmen, aber am bekanntesten sind immer noch die mit mit ihm und einem Staraufgebot vor prächtiger Kulisse prunkenden Verfilmungen „Tod auf dem Nil“ (Death on the Nile, GB 1977) und „Das Böse unter der Sonne“ (Evil Under the Sun, GB 1981).

Für „Rendezvous mit einer Leiche“ wurde dieses Erfolgsrezept einfach wieder aufgekocht und mit Lauren Bacall, Carrie Fisher, John Gielgud, Piper Laurie und David Soul waren auch einige bekannte Namen an Bord. Die Kulisse, zuerst etwas Kreuzfahrtschiff, später das Heilige Land und, hauptsächlich, das Tote Meer (Oh, und in Venedig wurde auch gefilmt), ist prächtig und man hat sich auch wirklich um stimmiges Zeitkolorit bemüht. Denn die Geschichte spielt 1937.

Die Amerikanerin Emily Boynton, ein wahrer Hausdrache, der früher als Gefängniswärterin arbeitete und ihre erwachsenen Kinder entsprechend herumkommandiert, unternimmt mit ihnen nach dem Tod ihres vermögenden Mannes eine Europa- und Levante-Urlaubsreise. Das Klima in der Familie ist noch angespannter als normalerweise, weil sie vor kurzem vom Familienanwalt das Testament ihres Mannes, das ihre Kinder reich gemacht hätte, vernichten ließ; eine Tochter hat eine außereheliche Affäre mit dem Anwalt und ihr Sohn verliebt sich auf der Reise.

Als sie die Ausgrabungen bei Qumran am Toten Meer besuchen, wird sie, während ihre Kinder einen von ihr genehmigten Ausflug in die nahegelegenen Berge unternehmen, ermordet.

Hercule Poirot, der sie bereits während der Reise interessiert beobachtete (und dabei auch einen missglückten Mordanschlag von ihr auf den Anwalt entdeckte), meint, das große Rätsel sei, warum sie nicht schon früher ermordet wurde. Dennoch macht er sich auf die Mördersuche.

Rendezvos mit einer Leiche“ ist die unbekannteste Shaffer/Ustinov-Christie-Verfilmung. Obwohl man sich, auf den ersten Blick, an das bewährte Rezept hielt. Allerdings ist Michael Winner kein Regisseur für einen so betulich-altmodischen Krimi. Er ist der Mann für Genrefilme wie „Ein Mann sieht rot“ und etliche weitere Charles-Bronson-Vehikel, die oft auch ein provozierender Kommentar zur gesellschaftlichen Realität waren. Gerne mit einer satten Portion Action und Sex.

Bei dem „Rendezvous mit einer Leiche“ läuft alles sehr gemütlich nach der vertrauten Rätselkrimiformel ab. Erst in der Filmmitte gibt es den unblutigen Mord, danach befragt Hercule Poirot die Verdächtigen nach ihrem Alibi und am Ende versammelt er alle an einem Ort und enthüllt, nachdem er der Reihe nach fast jedem der Anwesenden ein gutes Motiv und eine gute Gelegenheit für den Mord nachweist, die Identität und das Motiv des Mörders. Wobei in „Rendezvous mit einer Leiche“ eben diese große Überführungsszene an zwei Orten spielt (einmal nachmittags auf einer Terrasse, einmal beim Abendessen in einem Restaurant) und der Täter mittels Suizid die Geschichte beendet.

Das entspricht alles den Erwartungen, die wir an eine gediegene Agatha-Christie-Verfilmung haben, die uns weder mit Sex, noch Gewalt, noch rasanter Action belästigt. Auch die Weltpolitik (immerhin spielt die Geschichte 1937) kommt nicht vor.

Allerdings stört der ständige Unernst der Schauspieler, die niemals den richtigen Ton treffen, und sich daher in einem gelangweilten Überspielen ergehen, und der sehr schwache Rätselplot. Der Mörder ist zwar nicht der Gärtner (weil kein Gärtner dabei ist), aber seine Identität ist arg offensichtlich. Jedenfalls nachdem der Mord geschehen ist.

In meiner Erinnerung waren da der „Tod auf dem Nil“ und „Das Böse unter der Sonne“, für die Anthony Shaffer alleine das Drehbuch schrieb, besser.

Rendezvous mit einer Leiche (Appointment with Death, USA 1988)

Regie: Michael Winner

Drehbuch: Anthony Shaffer, Peter Buckman, Michael Winner

LV: Agatha Christie: Appointment with Death, 1938 (Der Tod wartet; Rendezvous mit einer Leiche)

mit Peter Ustinov, Lauren Bacall, Carrie Fisher, John Gielgud, Piper Laurie, Hayley Mills, Jenny Seagrove, David Soul, Nicholas Guest

DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie

FSK: ab 12 Jahre

Länge: 98 Minuten

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rendezvous mit einer Leiche“

Wikipedia über „Rendezvous mit einer Leiche“ (deutsch, englisch)

Homepage von Agatha Christie

Kirjasto über Agatha Christie

Wikipedia über Agatha Christie (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Agatha Christie


TV-Tipp für den 28. Oktober: The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz

Oktober 28, 2012

SWR, 22.45

The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz (USA 2008, R.: Darren Aronofsky)

Drehbuch: Robert Siegel

Platz 220 in der Top-250-Liste der IMDB, über dreißig Filmpreise erhalten (unter anderem der Goldene Löwe in Venedig), für über dreißig weitere nominiert, Kritikerliebling, und die gloriose Rückkehr von Mickey Rourke als Schauspieler. Er erhielt für seine Rolle unter anderem den Golden Globe und den BAFTA Award und war für den Oscar nominiert.

Die Story: Im semidokumentarischem Stil eines Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Films verfolgt Aronofsky den abgewrackten Wrestler Randy ‘The Ram’ Robinson, dessen Leben nur aus Wrestling besteht. Nach einem Infarkt soll er das Wrestling aufgeben, er versucht einen Neuanfang, will sich mit seiner Tochter aussöhnen und kann doch vom Wrestling nicht lassen.

Großartiges Schauspielerkino, mit einem deutlichen Blick auf das Mainstream-Publikum.

Als nächsten Film drehte Aronofsky den Ballettfilm „Black Swan“, der in vielen Punkten die spiegelbildiche Ergänzung zu „The Wrestler“ ist.

mit Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Wrestler“

Wikipedia über „The Wrestler“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Darren Aronofskys „Black Swan“ (Black Swan, 2010)


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