Neu im Kino/FIlmkritik: Wegen des großen Erfolgs präsentieren wir „96 Hours – Taken 2“

Als vor vier Jahren „96 Hours“ (deutscher Titel, der französische Originaltitel und der internationale Titel sind „Taken“) in den Kinos anlief, gab es zwei Überraschungen. Ersten spielte der inzwischen Sechzigjährige Liam Neeson („Schindlers Liste“) in einem Actionkracher die Hauptrolle, zweitens war „96 Hours“ ein wirklich ansehbarer Film aus der Luc-Besson-Filmfabrik, die ihr Geld mit französischen Interpretationen bekannter Filmplots macht, und die als typische B-Picture-Firma gar nicht auf Filmkritiken achtet. Denn: Hauptsache, dem jugendlichen Publikum gefällt es.

In „96 Hours“ wird in Paris Kim (Maggie Grace), die Tochter des Ex-Geheimagenten Bryan Mills (Liam Neeson), entführt. Er macht sich auf den Weg. Weil er nur 96 Stunden Zeit hat, sie zu finden (dann wird sie von der bestialischen albanischen Menschenhändlermafia in irgendwelche finsteren Bordelle verschleppt), nimmt er keine Rücksichten. Er hinterlässt eine Spur von Leichen und kann seine Tochter retten.

In „96 Hours – Taken 2“ beschließt der Albaner Murad (Rade Serbedzija) sich an Bryan Mills dafür zu rächen. Mills will in Istanbul mit seiner Frau Lenore (Famke Janssen) und seiner Tochter einige ruhige Tage verbringen. Murad will die ganze Familie entführen, foltern und töten.

Dass das eine ganz dumme Idee, hätte er sich eigentlich schon am Grab von seinem Sohn denken können. Schon die Entführung läuft nicht nach Plan ab. Er kann zwar Mills und dessen Frau entführen. Aber Kim kann im Hotel den Häschern entkommen und wird von ihrem Vater telefonisch (Merke: ein Zweithandy im Schuhwerk ist Gold wert.) mittels gut platzierter Handgranaten (Merke: weil der Schall sich mit einer bestimmten Geschwindigkeit bewegt, können wir so unseren Standort feststellen.) zu dem Versteck geführt. Danach erhält sie eine unorthodoxe Fahrstunde, bei der sie Dutzende Polizeiautos schrotten darf, während ihr Vater und die Verfolger wild um sich schießen.

Wieder stapeln sich die Leichen der Bösewichter (die eine ungute Tendenz haben, immer in die Schussbahn zu laufen) und weil Murad mit Mills‘ Frau entkommen konnte, kennt der Ex-CIA-Mann, wieder einmal, keine Gnade.

96 Hours – Taken 2“ erzählt die Geschichte von „96 Hours“ in den Details ziemlich gewitzt weiter und und gerade am Anfang lässt Regisseur Olivier Megaton („Transporter 3“, „Colombiana“) sich erstaunlich viel Zeit für die Charaktere, ihre Motive und ihre Beziehungen zueinander. Das gibt dem von Rachsucht getriebenem Murad sogar ein nachvollziehbares Motiv für seine Taten und zwei Dialoge mit Bryan Mills darüber. Das ist mehr als im ersten Film, wo die Bösewichter nur Kanonenfutter waren. Es gibt viel Action mit Schießereien, Faustkämpfen, Laufereien über Dächer und einer exzessiven Autoverfolgungsjagd, die von Megaton allerdings so modisch zerschnipselt werden, dass man höchstens die Hälfte mitbekommt und sich, mal wieder, über die mangelhafte Würdigung der Arbeit der Stuntmen ärgert.

Und mit neunzig Minuten ist der Film so kurz, dass keine Langeweile aufkommt, wenn Mills bei seiner Familienzusammenführung halb Istanbul zerstört.

Die große Überraschung des ersten Teils ist allerdings weg. Während wir da noch zweifelten, ob Mills der Aufgabe gewachsen ist, wissen wir jetzt, dass Mills unbesiegbar und für alle Eventualitäten gerüstet ist.

Aber „96 Hours – Taken 2“ ist ein ordentliches B-Picture mit viel Action, wenig Logik (Handgranaten im Stadtzentrum. Ein Bösewicht, der dem Helden alle Möglichkeiten zur Flucht lässt. Handlanger, die anstatt ihre Geisel zu bewachen, Fußball gucken), einigen guten Sprüchen und guten Schauspielern.

In den USA war der Film letzte Woche, mit großem Abstand, auf dem ersten Platz der Kinocharts. Ebenso in Frankreich, England, Irland und Australien. Und damit dürfte die Frage, ob es einen dritten „Taken“-Film gibt, beantwortet sein (und Drehbuchautor Robert Mark Kamen bestätigt das schon). Ich hoffe nur, dass die Macher sich dann eine Geschichte einfallen lassen, die die Stärken der ersten beiden „Taken“-Filme bewahrt, ohne die gleiche Geschichte noch einmal zu erzählen, nur dass dann, nach Tochter („Taken“) und Frau und Tochter („Taken 2“), Frau, Tochter und Freund entführt werden. Und etwas logischer könnte es auch sein.

96 Hours – Taken 2 (Taken 2, Frankreich 2012)

Regie: Olivier Megaton

Drehbuch: Luc Besson, Robert Mark Kamen

mit Liam Neeson, Maggie Grace, Famke Janssen, Rade Serbedzija, Luke Grimes, D. B. Sweeney

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „96 Hours – Taken 2“

Metatcritic über „96 Hours – Taken 2“

Rotten Tomatoes über „96 Hours – Taken 2“

Wikipedia über 96 Hours – Taken 2“ (deutsch, englisch, französisch)

Collider: Interviews zum Film mit Liam Neeson, Famke Janssen und Olivier Megaton

Hollywood.com: Interview mit Robert Mark Kamen zum Film und zu „Taken 3“

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